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mihi videtur magis esse fidei filius, qui novit a quo speret quod nondum habet, quam qui sibi tribuit id quod habet. Colligimus non iustificari hominem littera, sed spiritu, non factorum meritis, sed gratuita gratia."

2. Der donatistisehe Kampf. Das Werk de civitate dei. Die Lehre von der Kirche und den Gnadenmitteln.

Noch war Augustin mit dem Kampfe gegen die Manichäer beschäftigt, in welchem er die Autorität der katholischen Kirche so scharf betont hat1, als ihn seine kirchliche Stellung (Presbyter 392, Bischof 396 in Hippo) zwang, den Kampf mit den Donatisten aufzunehmen. In Hippo bildeten sie den grösseren Theil der Bevölkerung, und so gross war der Hass, dass sie nicht einmal Brod für die Katholiken backen wollten. Von 393—411 hat Augustin gekämpft und eine Reihe zum Theil sehr umfangreicher Schriften gegen die Donatisten geschrieben 2. Der Verlauf des Streites auf den Synoden und durch die Eingriffe der Staatsgewalt muss hier als bekannt vorausgesetzt werden Derselbe spielte sich auf dem von Cyprian geschaffenen Boden ab. Seine Autorität stand den Gegnern fest. Also entwickelten sich in dem Streit innere Gegensätze, die in Cyprian's Theorie noch geschlummert hatten. Schon durch Optatus (s. oben S. 38 ff.) war die neumodische katholische Theorie eindrucksvoll dargelegt worden. Augustin blieb es vorbehalten, sie weiterzuführen und auszubauen. Allein — wie es in solchen Fragen zu geschehen pflegt — jede neu gewonnene Position eröffnet stets den Ausblick auf neue Fragen und schafft für eine

* Die Manichäer gaben sich im Streit des Tages als die Männer der „freien Forschung" („docendi fontem aperire gloriantur" de utilit. 21). Wie weit sie es waren, kann hier auf sich beruhen; Augustin hat den Bruch mit ihnen in seinem Gewissen als Bruch mit der freien Forschung empfunden. Daher die gleich beginnenden Bemühungen, das Verhältniss von ratio und auetoritas zu bestimmen und von ersterer zu retten, was noch zu retten war.

"Psalmus c. partem Donati — C. Parmeniani epist. ad Tichonium 1. HI — De bapt. c. Donatistas 1. VII — C. litteras Petiliani 1. III — Ep. ad Catholicos c. Donatistas — C. Cresconium 1. IV — De unico bapt. c. Petilianum — Breviculus Coüationis c. Donatistis—Post collationem ad Donatistas. — Aus späterer Zeit noch: Sermo ad Caesareensis ecclesiae plebem— De gestis cum Emerito — C. Gaudentium Donatistam episcopum 1. II. Eine Fälschung des berüchtigten Hieronymus Viguerius ist der Sermo de Rusticiano.

'Mindestens seitdem Jahr 407 ist Augustin für die gewaltsame Unterdrückung der Donatisten durch den „christlichen" Staat im Interesse der „Liebeszucht" eingetreten. Das Gespräch vom Jahr 411 war eine traurige Komödie. Reste der Donatisten finden sich noch zu Gregor's I. Zeit, der die Staatsgewalt aufs neue wider sie aufgerufen hat.

Lösung eine Fülle von Problemen. So hat auch Augustin mehr Probleme zurückgelassen als gelöst.

Um die hierarchische Verfassung der Kirche handelte es sich in dem Streit unmittelbar nicht mehr. Der Episkopalismus stand fest. Die Oompetenz der Kirche stand zur Frage und damit ihr Wesen, ihre Bedeutung, ihr Umfang. Dass letztlich doch wieder die Verfassung der Kirche dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden musste, war nothwendig; denn eine hierarchisch verfasste Kirche hat eben an der Hierarchie ihren empfindlichsten Theil.

Die Spaltung an sich war das Uebelste. Aber um sie zu beseitigen, musste man auf ihren Grund gehen und zeigen, dass man sich von der katholischen Kirche gar nicht trennen könne, dass sowohl die Einheit als die Wahrheit der Kirche unverwüstlich seien. Die donatistische Hauptthese lautete: die empirische Kirche ist nur dann die wahre, wenn die, welche die Kirche fortpflanzen, die Priester, „rein" sind; denn Niemand könne etwas fortpflanzen, was er selbst nicht besitztDie wahre Kirche braucht also reine Priester; sie muss daher Traditorenweihen für ungiltig erklären, und sie kann die Wirksamkeit von Taufen nicht anerkennen, die von Unreinen (Häretikern oder Todsündern) gespendet sind; sie muss endlich überhaupt das offenbar Befleckte und Unwürdige ausschliessen. Hieraus folgte der Bruch mit solchen christlichen Gemeinschaften, die diese Regel nicht streng beobachteten, und die Praxis der Wiedertaufe2. Die Separation ist geboten, einerlei, wie gross oder wie klein der Umfang der Kirche dann wird. Zu dieser These trat in der Verfolgungszeit durch den Staat die andere, dass die verfolgte Kirche die wahre sei, und dass der Staat mit der Kirche nichts zu thun habe.

Was Augustin, auf Cyprian und Optatus gestützt, aber den Ersteren zum Theil — wenn auch schonend — desavouirend, dem gegenüber ausgeführt hat, geht weit über die blosse Widerlegung der Separatisten hinaus. Er schuf die Anfänge einer Lehre von der Kirche und den Gnadenmitteln, von der Kirche als der Heilsanstalt, dem Organismus des Guten d. h. der Gotteskräfte, in der Welt. Der donatistische

1 C. litt. Petil. I, 3: „Qui fidem a pcrfido sumpserit non fidem percipit, sed reatum." I, 2: „Conscientia dantis adtenditur, qui abluat accipientis." Andere donatistische Sätze lauteten (1. c.): „Omnis res origine et radice consistit, et si caput non habet aliquid, nihil est." „Nec quidquam bene regenerat, nisi bono semine (boni sacerdotis) regeneretur." „Quae potest esse perversitas, ut qui suis criminibus reus est, slium faciat innocentem?"

* Im Sinne der Donatisten war es natürlich keine Wiedertaufe (1. c.): „non repetimus quod iam erat, sed damus quod non erat."

Kampf war für ihn auch nicht der einzige Anlass, diese Lehre zu entwickeln. Der Streit mit den Manichäem hatte bereits vorher das Interesse auf die Autorität der Kirche gelenkt und Augustin veranlasst, diese schärfer ins Auge zu fassen, als seine Vorgänger (s. oben S. 70ff.), die freilich mit ihm in der praktischen Haltung der Kirche gegenüber ganz einig waren. Der pelagianische Kampf, die Weltlage und die Vertheidigung des Christenthums gegenüber heidnischen Angriffen wirkten weiter höchst bedeutungsvoll auf die Conceptionen von der Kirche ein. So hat Augustin die katholische Lehre von der katholischen Kirche auf Erden geschaffen, und wir versuchen im Folgenden, eine einheitliche Darstellung von derselben zu geben, soweit dies möglich ist. Letztlich war und blieb die irdische Kirche lediglich nichts Anderes als ein Mittel für das ewige Heil des Einzelnen, und darum sollte auch die Lehre von der Kirche — der Ausdruck ist eigentlich ungenau; denn der Katholicismus kennt hier keine „Lehren", sondern beschreibt einen gottgewirkten Tbatbestand — nichts Anderes sein als eine Hülfslehre. Allein wenn die Dogmatik überall in Gefahr geräth, durch ihre Mittel und Hülfsgedanken das, worauf es ankommt, zu verdunkeln, so ist hier die Gefahr brennend geworden. Erscheint nicht im Katholicismus die Lehre vom Heil durch die „Hülfslehre", die Lehre von der Kirche, nahezu vernichtet?

Gnade und Autorität — diese beiden Mächte hatten nach Augustin's Selbstbeurtheilung seine Bekehrung bewirkt. Die Autorität war die Kirche. Was die Kirche sei, wusste Jedermann — die empirische, sichtbare Kirche, die seit den Tagen Konstantin's triumphirte. Eine „Begriffsbestimmung" der Kirche war daher unnöthig. Darauf kam es an, zu zeigen, warum man Autorität nöthig habe und warum sie die Autorität sei. Der schwache Verstand bedarf der Offenbarung, die die Wahrheit dem Einzelnen bringt, bevor er selbst im Stande ist, sie zu finden; diese Offenbarung ist in der Kirche beschlossen. Dass die Kirche Lehrautorität sei, ist lange Zeit fast das einzige Interesse Augustin's an der Kirche gewesen. Für diesen Satz hat er Beweise subjectiver Nöthigung und objectiver Art gebracht; jedoch die Stringenz und Sicherheit in der Darlegung nie erreicht, die er als Katholik einfach empfand; denn wer kann nachweisen, dass eine äussere Autorität Autorität sein muss? Das Wichtigste war, dass die Kirche sich selbst als Lehrautorität gab. Man war ja nur Mitglied der Kirche, sofern man sich ihrer Autorität unterwarf. Eine andere Art, zu ihr zu gehören, gab es überhaupt

H a r n a c k, Dogroengeschiehto Dl. 9

nicht. Umgekehrt schien sich sogar ihre Bedeutung bei flüchtigem Nachdenken auf die Lehrautorität völlig zu beschränken. Man steht in dem richtigen Verhältniss zu Gott und Christus, besitzt und erwartet die himmlischen Güter, indem man die Lehranweisungen befolgt, welche die Kirche giebt.

Diesem „flüchtigen Nachdenken" hat Augustin gehuldigt, bis ihn der kirchliche Beruf und der donatistische Streit zu umfassenderen Erwägungen führten. Zu seiner Lehre von der prädestinatianischen Gnade ist Augustin ohne äusseren Anlass durch selbständiges Sichvertiefen in das Wesen der Bekehrung und Frömmigkeit gekommen. Die Ausbildung seiner Lehren von der Kirche ist, soweit sie die vulgär-katholischen Gedanken ausbaut, durchweg abhängig von den äusseren Verhältnissen, in die er sich gestellt sah. Aber er selbst empfand hier nichts als „Lehre", sondern als die Darstellung eines allen Katholiken von jeher geltenden Thatbestandes, über den man sich klar werden muss, dem man aber nichts abziehen oder zusetzen kann. Zu der Bedeutung der Kirche als Lehrautorität trat auch für ihn ihre Bedeutung als heiliges, die Gnade vermittelndes Institut. Ueber Letzteres hat er besonders nachgedacht; aber viel lebhafter stand, nachdem er seine Lehre von der Gnade gewonnen, die Kirche vor ihm, die eine communio sanctorum, resp. eine Stätte des Glaube, Liebe, Hoffnung wirkenden Geistes ist. Fassen wir seine wichtigsten Sätze zusammen:

I 1. Die katholische Kirche, welche der hl. Geist zusammenhält, wie er auch das Einheitsband in der Trinität ist, hat ihr wichtigstes Merkmal an der Einheit, und zwar sowohl an der Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, als an der Einheit in der Katholicität.

2. Diese Einheit inmitten der Zerspaltung der Menschen ist das grösste Wunder, der Beweis dafür, dass die Kirche nicht ein Werk der Menschen, sondern des hl. Geistes ist.

3. Noch deutlicher folgt dies aus der Erwägung, dass die Einheit die Liebe zu ihrer Voraussetzung hat. Die Liebe ist aber die eigentliche Sphäre der Thätigkeit des Geistes oder richtiger: alle Liebe hat ihre Quelle an dem hl. Geistdenn Glaube und Hoffnung können bis zu einem gewissen Grade selbständig erworben werden (also auch ausserhalb der Kirche sein), aber die Liebe fliesst nur aus dem hl. Geiste. Die Kirche ist also, weil die Einheit, der Liebes

1 Die Gnade ist die Liebe und die Liebe ist die Gnade: „caritas est gratia testamenti novi."

bund, in welchem allein die Sünden gereinigt werden können; denn der Geist wirkt nur „in unitatis vinculo caritate". Ruht also die Einheit der Kirche primär auf dem Glauben, so ruht sie doch wesentlich allein auf dem Walten des Liebesgeistes, der den Glauben zu seiner Voraussetzung hat

4. Die Einheit der Kirche, in der hl. Schrift durch viele Symbole und Bilder versinnlicht, hat ihre stärkste Gewähr an der Tbatsache, dass Christus die Kirche zu seiner Braut und zu seinem Leibe gemacht hat. Dieses Verhältniss ist ein so enges, dass man die Kirche geradezu auch „Christus" nennen kann2; denn sie ist eine reale Einheit mit Christus. Die in der Kirche sind, sind somit „in membris Christi"; das Mittel und Band dieser Copulation ist wiederum nichts Anderes als die caritas, genauer die caritas unitatis.

5. Die Häretiker, d. h. die, welche einem selbstgewählten Glauben folgen, können nicht in der Kirche sein, weil sie bereits die Voraussetzung, die Einheit des Glaubens, zerstören würden, die Kirche aber nicht eine Gesellschaft ist wie der Staat, der allerlei Philosophen in seiner Mitte duldet. Die ausgeschiedenen Häretiker dienen der Kirche zum Besten, wie Alles denen, die Gott lieben, zum Besten dienen muss; denn sie üben sie in der Geduld (durch die Verfolgungen), in der Weisheit (durch die falschen Behauptungen) und in der Feindesliebe, die sich einerseits in der rettenden Wohlthätigkeit, andererseits in der schreckenden Zucht zu bewähren hat '1.

6. Die Schismatiker, d. h. die, welche den rechten Glauben haben, gehören aber auch nicht zur Kirche; denn indem sie die unitas verlassen — die superbia treibt sie dabei, wie die Häretiker —, zeigen sie, dass sie die caritas nicht besitzen, also ausserhalb der Wirk

1 C. Crescon. I, 34: „Non autem existimo quemquam ita desipere, ut credat ad ecciesiae pertinere unitatem eum qui non habet caritatem. Sicut ergo deus unus colitur ignoranter etiam extra ecclesiam nec ideo non est ipse, et fides una habetur eine caritate etiam extra ecclesiam, nec ideo non est ipsa, ita et unus baptismus etc." Gott und der Glaube sind auch extra ecclesiam, aber nicht 'pie«. Die einschlagenden Stellen sind so zahlreich, dass es ein falsches Bild geben würde, einzelne anzuführen. Die hier vorliegende Auffassung ist das Herzstück der augustinischen Lehre von der Kirche: hl. Geist, Liebe, Einheit, Kirche stehen in einem ausschliesslichen Zusammenhang: „caritas christiana nisi in Imitate ecclesiae non potest custodiri, et si baptismum et fidem teneatis" (c. Pet. litt. II, 172).

* De unit. eccl. 7: „totus Christus caput et corpus est." De civit.-XXI, 25. De pecc. mer. I, 59: „Homines saneti et fideles fiunt cum nomine Christo unus Christus, ut omnibus per eius hanc gratiam societatemque adscendentibus ipse unus Christus adscendat in caelum, qui de caelo descendit." Sermo 354, 1: „Praedicat Christus Christum."

• De civit. dei XVIII, 51, 1.

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