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gekommen. Er hat staunend die Kunde von dem ägyptischen Mönchthum aufgenommen, und der Eindruck desselben ist für ihn von entscheidender Bedeutung geworden. Diese Einflüsse sind zu erwägen, wenn man über die Bedingungen ins Klare kommen will, unter denen eine solche Erscheinung, wie sie uns Augustin bietet, möglich gewesen ist'. Andererseits aber steht Augustin in Continuität mit der genuinen abendländischen Linie, die durch Tertullian, Cyprian, Optatus, Pacian, Prndentius und auch durch Ambrosius repräsentirt ist. Höchst eigenthümlich ist sein Verhältniss zur stoisch - christlichen Popularphilosophie abendländischer Lehrer. Wir werden sehen, dass ein Rest derselben auch bei ihm übrig geblieben ist. Aber im Wesentlichen liegt seine kirchen- und dogmengeschichtliche Bedeutung eben darin, dass er dem Abendland an Stelle der stoisch-christlichen populärenMoral, wie sie sich imPelagianismus zusammenfasste, eine religiöse, specifisch-christliche Ethik gegeben und diese so mächtig der Kirche eingeprägt hat, dass wenigstens ihre Formeln bis heute im ganzen Gebiet der abendländischen Christenheit die Herrschaft behaupten. Indem er aber den stoischen Moralismus abgethan hat, hat er auch das seltsame Complement desselben, die realistische Eschatologie, bei Seite gedrängt, in welcher die alten lateinischen Christen ihr Christenthum in specifischer Weise zum Ausdruck gebracht hatten.

Ambrosius ist der Imperator unter den abendländischen Bischöfen, und er ist zugleich der griechisch gebildete Exeget und Theologe. In beiden Eigenschaften hat er auf Augustin eingewirkt, der zu ihm emporsah, wie Luther zu Staupitz2. In letzterer Hinsicht kommt

1 Von Hieronymus darf man absehen; er hat für Augustin keine Bedeutung gehabt oder doch keine andere als die, dass er ihn in der conservativen Haltung bestärkte. Das bezieht sich freilich nicht auf das gelehrte Wissen des Hieronymus, -welches dem Augustin unheimlich und sogar verdächtig gewesen ist. Die Gelehrsamkeit des Hieronymus ist ein grosses Cai>ital der mittelalterlichen Kirche geworden; aber die vulgäre Dogmatik der Kirche hat Hieronymus nicht bestimmt, sondern bestärkt, während seine asketischen Schriften das Mönchthum eingebürgert und ihm zum Theil höchst bedenkliche Ideale vorgehalten haben. Nach der Zeit Augustiu's sind die Einflüsse vom Orient her nur noch sehr spärlich gewesen; doch ist an Junilins und Cassiodorius zu erinnern.

* S. die testimonia Augustin's über Ambrosius in der Ballcrinisehen Ausgabe, der Werke des Letzteren. Contra Jnl . I, 4, 10: „Audi excellentom dei dispensatorem, quem veneror ut patrem; in Christo Jesu enim per evaugelium me genuit et eo Christi ministro lavacrum regenerationis aeeepi. Beatum loquor Ambrosium cuius pro catholica fide gratiam, constantiam, labores, pericula sive operibus sivo Bermonibus et ipse sum expertus et mecum non dubitat orbis praedicare Romanus." er hier zunächst in Betracht. Seine Erziehung, sein bischöflicher Stuhl in Mailand, der arianische und apollinaristische Kampf, in den er eintreten musste, wiesen ihn auf die griechische theologische Litteratur. Philo, Hippolyt, Origenes und Basilius sind von ihm fleissig gelesen, excerpirt und lateinisch verarbeitet wordenMit Basilius verband ihn nicht nur die ähnliche Situation, sondern vor Allem Uebereinstimmung des Charakters und der Haltung. Er ist sein eigentlicher Lehrmeister gewesen, und während dem Basilius in Alexandrien und Rom Misstrauen begegnete, hat ihn Ambrosius hoch geehrt und seine Orthodoxie voll anerkannt. Welche Bedeutung diese Haltung des mailändischen Bischofs für die Beendigung des arianischen Streites und für die Versöhnung der römisch-alexandrinischen Orthodoxie mit der kappadocischen gehabt hat, ist früher dargestellt worden2. Man hat nun zwar neuerdings unwidersprechlich gezeigt, dass Ambrosius in der Christologie trotz seiner Abhängigkeit von den Griechen das abendländische Schema bewahrt und weiter ausgebildet hat2. Tertullian, Novatian (direct oder indirect) und Hilarius haben auf ihn eingewirkt. Allein andererseits ist nicht zu verkennen, dass er doch stärker als Augustin die nicänische Entscheidung als Fundament hervorhebt 4 und in seiner Zwei-Substanzenlehre durch die Kappadocier, die im Kampf gegen Apollinaris unfreiwillig ihr nahe geführt wurden, bestärkt worden ist. Ferner behandelt er den Logos in Jesus Christus so sehr als das Subject, die Menschensubstanz als Form und Stoff, dass auch hier der griechische Einfluss (wie bei dem ebenfalls von den Griechen abhängigen Hilarius) nicht zu verkennen ist; denn seine eigene Auffassung vom Werke Christi streitet mit dieser Verkümmerung in der Betrachtung der menschlichen Natur. Aber auf dem specifischdogmatischen Gebiet liegt überhaupt nicht der wichtigste Einfluss des

Op. imperf. c. Julian. I, 2: „Quem vero iudicem potcris Ambrosio reperire meliorem? De quo magister tuus Pelagius ait, quod eius fidem et purissimum in scripturis sensum ne inimicus quidem ausus est reprehendere." Die Worte des Pelagius selbst in de gratia Christi et lib. arb. 43 (47): „Beatus Ambrosius episcopus, in cuius praeeipuc libris Rom an a elucet fides, qui scriptorum inter Latinos flos quidam speciosus enituit, cuius fidem et purissimum in scripturis sensum ne inimicus quidem ausus est reprehendere" (s. c. Jul. I, 30). Den Ruhm des Ambrosius verkündet auch Rufin und nimmt ihn gegen Hieronymus in Schutz, der als neidischer Augur die Plagiate des Ambrosius an den Griechen bemängelt hat, während er selbst der viel Schuldigere ist, da er sich stets als Original aufspielte.

1 S. die ausführlichen Nachweise bei Förster, Ambrosius S. 99 ff.

2S. Bd. HS. 269 ff.

s S. Reuter, August. Studien S. 207—227.

4 S. Ambros. de fid. I prol. u. a. St. bei Reuter, a. a. 0. S. 185, über Augustin's neutrale Stellung s. cbendort S. 185 f.

Orients auf Ambrosius. Er liegt in der Reception der allegorischwissenschaftlichen Methode der Exegese und vieler einzelner Schemata und Lehren. Zwar hat Ambrosius gegenüber Philo und Origenes seine Vorbehalte gemacht; er hat die Consequenzen der origenistischen Theologie nicht anerkannt1; er war überhaupt im energischen speculativen Denken viel zu flüchtig und oberflächlich, um sich von den Griechen mehr anzueignen als Fragmente; aber er sowohl wie der schwerfälligere aber gründlichere Hilarius haben doch im Abendland die „Dürftigkeit" einer buchstäbelnden und in der praktischen Anwendung völlig planlosen Exegese überwunden und ihren Landsleuten eine Fülle von Ideen, angeschlossen an den Wortlaut der hl. Schriften, überliefert. Rufin und in seiner ersten Zeit auch Hieronymus vollendeten das Werk. Der Manichäismus wäre im Abendland schwerlich überwunden worden, wenn ihm nicht die theosophische Exegese, die „biblische Alchemie" der Griechen entgegengestellt worden wäre, und das grosse Thema der Virginität wurde mit neuen Zungen gepriesen, seitdem die von Origenes in seinem Commentar zum Hohenliede gelehrte Verbindung der Seele mit dem Bräutigam Christus den Abendländern aufgegangen war2. Die Einheit der kirchlichen Stimmung in Ost und West, soweit sie überhaupt erreichbar, war um 390 in den höchsten Regionen der Theologen hergestellt. Allein der Kampf gegen Origenes, der bald mit verstärktem Hass ausbrach, hatte unter anderen traurigen Folgen auch sofort das Ergebniss, dass das Abendland nichts weiter mehr von dem grossen Theologen lernen wollte. Strenge Systematik in der allegorisch-wissenschaftlichen Exegese hat das Abendland nie erreicht.

Durch Hilarius8, Ambrosius, Hieronymus und Rufin sind die heiligen Geschichten des AT.'s auch für das Abendland in pneumatische

1 Nicht wenige Stellen wären hier aus den Werken des Ambrosius anzuführen. Mit Tact und ohne Ketzerrichterei lehnt Ambrosius bedenkliche Sätze des Origenes ab, sich selbst stets an das Gemeinchristliehe haltend. In weniger wichtigen Fragen ist der Einfluss des Origenes (Plato's) unverkennbar; so in der Seelenlehre und der Auffassung von der Hölle. Am stärksten erscheint mir der griechische Einfluss in der Lehre von der relativen Nothwendigkeit und der Zweckmässigkeit des Bösen („amplius nobisprofuit culpa quam nocuit"). Desshalb vermag ich in ihr nicht eine dem Ambrosius eigenthümliche kühne Theorie vom Bösen zu erkennen, wie Deutsch (Des Ambrosius Lehre von der Sünde u. s. w. 1867 S. 8.) und Förster (a. a. O. S. 136. 142. 300). Nur die teleologische Betrachtung unter dem Gesichtspunkt der reicheren Wiederherstellung ist vielleicht neu.

* Ambros., de Isaac et anima.

'Ueber Hilarius' für die Geschichte der Theologie epochemachendes Exil im Orient und sein Verhältniss zu Origenes s. Reiukens, Hilarius S. 128. 270.281 fi'. Augustin hat ihn in hohen Ehren gehalten.

Geschichten umgewandelt worden'. Bei dieser Umsetzung erhielten die Abendländer eine Menge einzelner neuplatonisch-mystischer Gedanken, aber der Einblick in das Ganze blieb ihnen verborgen. Ein anderer Abendländer, der Rhetor Victorinus, dieser „doctissimus senex et omnhim liheralium doctrinarum peritissimus quique philosophorum tam multa et legerat et diiudicaverat, doctor tot nobilium senatorum, qui etiam ob insigne praeclari magisterii statuam in Romano foromerueratetacceperat", hat seine Landsleute durch Uebersetzungen und eigene Arbeiten in den Neuplatonismus eingeführt2. Das war geschehen, bevor er Christ wurde. In hohem Alter zum Christenthum übergetreten, hat Victorinus, der nun auch'ein fruchtbarer kirchlicher Schriftsteller wurde, mit dem Neuplatonismus keineswegs gebrochen. An ihm hat sich Augustin in der entscheidenden Epoche seines Lebens gebildet, und obgleich er griechisch genug verstand, um neuplatonische Schriften zu lesen, so ist er doch ganz wesentlich durch Victorinus in dieselben eingeführt worden. Vor Allem hat er hier die Verbindung neuplatonischer Speculation mit dem kirchlichen Christenthum und die Bestreitung des Manichäismus von diesem Boden aus kennen gelernt. Was Beides für ihn bedeutete, braucht nicht ausgeführt zu werden. Tndem der Neuplatonismus für Augustin ein entscheidendes Element seiner religiösen und philosophischen Denkweise wurde, wurde er es für das gesammte Abendland. Die Religionsphilosophie der Griechen ist dem geistigen Capitale des Abendlandes einverleibt worden, zusammen mit ihren asketisch-mönchischen Antrieben2. Aber,

1 In der Erklärung des NT.'s hielt Ambrosius treuer am Buchstaben fest, der abendländischen Tradition folgend und die Geschenke der Griechen ablehnend. „Longe minor in novo quam in veteri testamento" nennt Ambrosius den Origenes (ep. 75). Aber in dem AT. haben erst die Griechen die Abendländer heimisch gemacht.

* S. Aug. Confess. VIII, 2. Dort auch die Geschichte der Bekehrung Victoriu's.

s Der Neuplatonismus und mit ihm die griechische Speculation überhaupt ist — wenn man von den Fragmenten absieht, welche durch die Uebersetzungen der Werke des Origenes uud durch die Plagiate an den Kappadociern in dasAbendland gelangt sind — in drei aufeinander folgenden Schenkungen demselben mitgetheilt worden, 1) durch Victorin-Augustin im 4. und 5. Jahrhundert, 2) durch Boethius im 6. Jahrhundert. 3) durch den Import der Werke des Pscudoareopagiten im 9. Jahrhundert. Von Boethius rühmt Cassiodorius (Var. epp. I, 45), dass erPythagoras, Ptolcinäus, Nicomachus, Euklid, Platonem theologum, Aristotelem logicum, Archimedes und andere Griechen den Lateinern durch Uebersetzungen vermittelt habe. Dass Boethius Christ gewesen ist, und dass er auch die vielfach bezweifelten Schriften De sancta trinitate, Utrum pater et filius et spiritus s. de divinitate substantialiter praedicentur, Quomodo substantiae in eo quod sint bonae sint, cum non sint substantialia bona, De fide catholica, Contra Eutychen etNestorium geschrieben wenn nicht Alles trügt, hat Augustin von Victorinus her auch den Antrieb empfangen, sich in die religiöse Denkweise des Paulus einzuleben; denn aus den Werken des greisen Rhetor geht hervor, dass er die charakteristischen Gedanken des Paulus sich angeeignet hat, und Augustin hat nachweisbar von dem Moment an den paulinischen Briefen ein hingebendes Studium gewidmet, wo er mit dem Neuplatonismus genauer bekannt geworden ist. Victorinus hat sehr dunkel geschrieben, und seine Werke haben von Anfang an eine geringe Verbreitung gefunden. Allein es ist nicht der einzige Fall in der Geschichte, dass die ganze Bedeutung eines tüchtigen Schriftstellers darin aufgegangen ist, einem grösseren Nachfolger gedient zu haben. Ein grosser epochemachender Mann ist wie ein Strom — die kleineren Bäche, die vielleicht tiefer im Lande entsprungen sind, gehen in ihm unter, nachdem sie ihn gespeist, aber die Richtung seines Laufes nicht verändert haben. Nicht nur Victorinus', sondern schliesslich auch selbst Ambrosius,

hat, scheint mir jetzt (Usener, Anccdoton Holderi 1877) erwiesen zu sein. Aher nicht durch seine christlichen Schriften hat er auf die Folgezeit eingewirkt, sondern durch seine, von Aristoteles ganz anhängigen Tractate „De consolatione philosophiae", die eben desshalb auch ein Heide geschrieben haben könnte, sowie durch seine Commentare zu Aristoteles. Er wurde geradezu der Philosoph des frühen Mittelalters neben Aristoteles, den man freilich schlecht genug kannte. Ueber das System des Boethius s. die Monographie von Nitzsch 1860. Es erinnert in vielen Oedanken anSeneca und Proclus (eine Untersuchung über sein Vcrhältniss zu Victorinus wäre erwünscht). „In dem System bildet ein durch gewisse aristotelische Gedanken modificirter Piatonismus die Grundlage; ausserdem ist ein aus dem römischen Charakter, aus dem persönlichen Charakter des Philosophen und aus der Iiectüre römischer Philosophen stammender stoischer Zug nicht zu verkennen. Das C'hristenthum ist in diesem Eklekticismus so gut wie gar nicht zur Geltung gekommen. Aus diesem Grunde muss man von dem Versuche abstehen, dem System des Boethius unter denjenigen Systemen einen Platz anzuweisen, welche eine Vermittelung oder Verschmelzung des Christenthums mit dem Platonismus darstellen oder anstreben (z. B. Synesius, Pseudo-Dionysius)"; vgl. Nitzsch, a. a. 0. S. 84 f. An der Thatsache, dass dieser Mann, der angesichts des Todes sich mit den Gedanken der heidnischen Philosophen tröstete, Tractate über das kirchliche Ceutraldogma geschrieben hat, kann man am besten studiren, dass das Dogma von Christus eine Seite bot, an welcher es dazu anleitete, Christum selbst zu vergessen.

1 Es ist ein Verdienst von Ch. Gore in seinem Artikel „Victorinus" (Diction. of Christ. Biogr. IV p. 1129—1138), die Eigenart der Theologie des Victorinus und ihre Bedeutung für Augustin dargestellt zu haben. Mit Recht bemerkt Gore: „His theology isNeo-Platonistin tone ... he applied manyprinciplesof the Plotinian philosophy to the elucidation of the Christian mysteries. His importance in this respect has been entirely overlooked in the history of theology. He preceded the PseudoDionysius. He antieipated a great deal that appears in Scotus Erigena." In der That ist man beim Studium der Werke des Victorinus (M ig n e T. VIII p. 999—1310) erstaunt, in ihm einen vollkommenen christlichen Neuplatoniker und einen Augu

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