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Gelehrten seiner Zeit offen gestanden, nicht nur als den Musarum Evergetem Optimum Maximum (wie ihn rein andachtigster Berehrer Meibom nennt), fondern auch als ein Muster aller Regenten- und Minifter - Tugenden abzuschildern, und gegen alles, was etwa einen Schatten auf seinen Charakter werfen fónnte, besonders gegen die Anschwårzungen des tadelsüchtigen Seneca, mit Faust und Ferse zu vertheidigen. Auch wo sie mit allem Krúm. men und Winden feine fchwache Seite doch nicht ganz vers bergen können, geben sie sich so viel Mühe, fie zu bemåns teln, und bringen so viele Entschuldigungen vor, warum fie ihn dennoch leider nicht von allen den Fehlern und Gebrechen freysprechen können, ohne die er nicht mås . cenas gewesen wäre: daß man glauben route, es rey der Welt und den Wiffenschaften unendlich daran gelegen, daß der große Murenwohlthåter durch alle Predicamente einer Leichenrede ein Mufter aller Tugenden gewesen seyn müßte. Wenn man bedenkt, daß diese Herren am Ende doch wohl feinen andern Beweggrund dazu gehabt haben, als ihm für Wohlthaten, welche nicht sie, sondern Leute, die schon viele hundert Jahre todt und verwest find, von ihm empfingen, ihre Dankbarkeit zu bezeugen: so kann man niche umhin, zu gestehen, daß die Gelehrten eine sehr guthers zige Art von Menschen sind; und die lovbegierigen Großen unsrer Zeit haben alle Ursache, fich dieß zum Beweggrunde dienen zu lassen, dem guten Kaiser Auguft und feix nem tugendhaften Minister Mácen in ihrer Freys gebigkeit und Achtung gegen so dankbare Seelen rühma lidhfi nachzuahmen.

Bey allem dem, und wiewohl man wenig berühmte Nahmen des Alterthums dfter und mit einem günstigern Vorurtheile genannt findet, fcheint es doch, als ob die Vorstellung, die man sich gewohnlich von seinem Charakter und von der Rolle, die er in Augusts merkwürdiger Res

gierung

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gierung spielte ; zu machen pflegt, nicht die richtigste ren. So ists z. B. ganz irrig, wenn er (wie håufig geschieht). ein Minister, oder gar (wie ein gewisser Heinrich Salmuth in seinen Notis ad Panciroll. de Nov. Invent. gethan hat) cin Staats. Canzler Augusts ges nennt wird. Es ist wahr, daß er diesem Fürften, dem es ro fchwer ist seinen wahren Nahmen zu geben; . - To lange er noch Cåfar Octavianus hieß, bis zum Jahr der Stadt Rom 727, wo ihm die Oberherrschaft unter gewissen von ihm selbst klüglich vorgeschlagenen Modificationen übertragen wurde, viele wichtige Dienste leistete. Er theilte in diefer Zeit mit Ugrippa, dem nachmaligen Schwies gersohn Augusts, das unumschränkteste Vertrauen des jungen Cafars: er war ihm ben allen entscheidenden Geles genheiten zur Seite; und es ift mehr als wahrscheinlich, daß Octavianus ohne den Beystand dieser beyden Männer das Ziel seiner Wünsche nie erreicht hatte. Üugust selbst fühlte fo ftark, wie unentbehrlich ihm ein Freund wie må. cenas war, daß er, einige Jahre nach deren Code, im Vere druß über die Folgen der heftigen Maaßregeln, zu welchen er fich gegen seine Tochter Julia hatte verletten lassen, fchmerzlich ausrief: das wäre mir nicht begegnet, wenn Mắcenas noch lebte! Indessen machen doch alle diese gu. ten Dienste den Günstling Augusts so wenig zu seinem Minifter, als ihn das Privatfiegel desselben, wel ches ihm eine Zeitlang anvertraut war, zu feinein Canga der macht "). Er that in diesem Adem bloß, was ein Freund für einen Freund thut, dessen Partey er ergriffen hat, dem er persönlich ergeben und mit dessen Intereffe sein eigenes aufs engste verbunden ist. Er blieb daben immer im Privatstande, verwaltete nie eine offentliche

Staats,

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Die Praéfectura Urbis et Italiae, die ihin Octavian nach dem Siege bey Actium auf einige Zeit übertrus, war eine bloße Pris vat: Commission, keine offentliche Staatsbedienung.

Staatsbedienung, begnügte fich mit dem Anseher, das ihm sein persönliches Verhältniß zu Augusten gab, und war zufrieden, 'unter zehntausend anderu Römischen Rita tern nur um eine einzige Stufe hoher zu stehen, als der gemeinste Römische Bürger.

Gefeßt aber audi, nau wollte ihn, wegen feines, Einflusses auf August, eben so uneigentlich i wie man Diefen den ersten oder zweyten Rémischen Kaiser zu nennen pflegt, dessen Minister heißen; wiewohl solche Vermengungen der Nahmen immer auch Unrichtigkeit in den Begriffen nach sich ziehen: só scheint doch das große Aufheben, das die Neuern von ihm als dem größten als ler Mufageten machen, und das, was seinen Nah. men zum höchsten Ehrentitel aller Staatsmänner, die den Gelehrten günstig sind, gestempelt hat, mehr auf übertriebenen Vorstellungen zu beruhen, als auf Wahrheit. Daß er Dichter, wißige Kópfe und Gelehrte aller Arten (wenn 'fie leute don'guter Gesellschaft waren) gern um fich leiden mochte, und sie gelegenheitlich dem August empfahl, hatte, vors Erste, einen sehr in die Augen falenden politischen Grund; und dann, was war es mehr, als was sich bey jeder nicht ganz barbarischen Nas tion beynahe von jedem Manne von seinem Stande und Vermogen sagen låßt? -- ,, Seine Tafel stand diesen Her. ren, deren Küche oft nicht die zuverlåffigste ist, offen.“ Dafür war sie auch (wie August zwischen Scherz und Ernst fagte) eine mensa parasitica, wo die Nomen's tanen, Balathronen und Bathyllen eben so gut ihren Plat fanden, als Virgil und Varius, kurz, was die Tafeln der Großen und Reichen von jeher waren. , Aber, er schenkte ja dem Horaz ein Landgütchen, und machte, daß August gegen Virgilen die nemliche Freygebiga feit betvies. - Gut! Was Horajen betrifft, so liebs te er diesen vorzüglich; Das Geschenk war auch an fich

eben

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eben nicht beträchtlich ) und für einen Mann, den Au. gust aus der Beute der Proscriptionen und Bürgerkriege unermeßlich reich gemacht hatte, eine Kleinigkeit. Und für Virgilen, der durch Octavian selbst, während dem schåndlichsten und grausamsten aưer Triumvirate, um sein påterliches Erbgut gekommen war, was fonnte dieser für einen Dichter wie Virgil weniger thun, als ihm wiedergeben, was ihm mit Ungebühr genommen worden war? Und wenn auch Horaz und Virgil eine Art von kleinem Glücke, womit ņur so unschuldige und genügsame Leute als ihres gleichen zufrieden zu feyn pflegen, durch Máceng Permittelung gemacht hatten: was hat Macen hierin vor einer Menge anderer feiner Art, vor und nach ihm, voraus? Nie ist vielleicht, wenn man die Sache genau untersuchen wollte, ein großerer Ruhm wohlfeiler erkauft worden, als der Teinige: Man hat ihm zum Verdienst angerechnet, was der Zufall für ihn, ja sogar was Er für fich felbft that: und am Ende ist es doch weit weniger fein eignes Licht, als der Glanz, der von den Verdiensten und dem Ruhm seiner Freunde auf ihn zurrickfiel, wors aus der Nimbus entstand, in welchem die Nachwelt dies sen vermeinten Mufageten zu sehen gewohnt ist.

Wie wenig übrigens den Meisten daran gelegen feyn mag, ihre Begriffe von einem Manne, der seine Rolle långst ausgespielt hat und ihnen weder Böses noch Gu. tes thun kann, mehr oder weniger zu berichtigen; so darf dieß doch weder dem Ueberseker der Horazischen Briefe, noch kefern, denen es darum zu thun ist, fie besser zu verstehen und einen Sinn für ihre feinsten Schönheiten zu bes kommen, gleichgültig seyn. Ich bin mit Shaftesbu. ry?) vsuig überzeugt, daß man, ohne mit den Charaktern

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eines

2) Wie man aus dem 16ten Briefe sehen wird. 3) Characteristicks Vol. III. Misc. I. c. 3.

cines Auguft, & ceni Florus, folliu 8 ll. f, wo. genauer bekannt zu seyn, an den Briefen, die an sie gerich. tet finde den Geschmack nicht finden konne, den sie sonst für jeden Leser, der zum zartern Gefühl des Wahren und Schönen organisirt ist, haben müssen. Und da dieß die hauptsächliche Ursache ist, warum ich mir die Arbeit der gegenwärtigen Ueberfeßung durch eine jedem Briefe voran. geschickte Einleitung mit Vergnügen erschwert habe: ro wird das engere und individuelle Perhåltniß, worin unser Dichter mit Måcenas gestanden, mich um so mehr rechts fertigen, wenn ich noch einige Blätter dazu anwende, den Charakter dieses berühmten Sannes in so viel Licht zu regen, als zu einer richtigern Vorstellung von diesem Vers, håltniß und zu befferm Verständniß der qu ihn geschriebed nen Briefe dienlich seyn kann.

Måcenas hatte, ungeachtet er fein Geschlecht vor uralten Hetrurischen Fürften ableitete 4), weder einen von Voreltern geerbten Ruhm zu behaupten, noch scheint ihn die Natur mit der Anlage zu dem, was man einen gros ßen Mann nennt, beschenkt zu haben. Desto mehr hatte er hingegen dem Glücke zu danken, welches ihn gerade in die Umstände feßte, worin er 'fidh am meisten geltend machen konnte; und darin, daß er aus diesen günstigen Umstånden den móglichsten Vortheil zu ziehen

wußte, scheint fein gršftes Verdienst bestanden zu haben. ; Ohne starke Leidenschaften, ohne Ehrgeiz, aber mit

feinen Sinnen und hellem Stopfe , lebhaft genug um in entscheidenden Augenblicken thårig zu seyn, klug und kaltblütig genug um alles, was er auf sich genommen, recht und ganz zu thun, fanguinisch genug um sich im mer einen guten Erfoig zu versprechen und nicht leicht

vor

4) Das fiud die atavi reges in der Ode an Macenas an der

Spiße des ersten Buchs det sporadischen Dien.

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