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sollten den. Horaž die staatlichen Stürme, die ihn bereits zu Rom lebhaft ergriffen hatten, bald seinem friedlichen Aufenthalt entreissen. Cäsar, der Besieger des Pompeius und seiner Anhänger, der Allgewaltige, dessen Alleinherrschaft der edle Cato sich durch den Tod entzogen hatte, fiel unter den Händen der Verschworenen. M. Junius Brutus, welcher der Sache der Freiheit in der Ermordung seines Freundes das schwerste Opfer gebracht hatte, eilte nach Athen, wo er die dort weilenden vornehmen Römischen Jünglinge für die Vertheidigung der Freiheit zu gewinnen hoffte. Auch Horaz schloss sich ihm mit voller Seele an. Zunächst begleitete er ihn nach Asien, wo er unter ihm als Kriegstribun (tribunus militum) diente, da bereits der Krieg mit den Triumvirn unvermeidlich schien. Mit Cassius verbunden, zog Brutus nach Makedonien, wo die verhängnissvolle Schlacht bei Philippi im Herbste 42, im dreiundzwanzigsten Lebensjahre des Dichters, gegen den Bestand des Freistaates entschied. Horaz wurde nach tapferm Kampfe von der allgemeinen Flucht fortgerissen und gefangen genommen. Er gab sich nicht freiwillig den Tod, wie Brutus und viele andere edle Römer, sondern nahm die ihm angebotene Freiheit an, da er an der Wiederherstellung der freien Verfassung, aber nicht an dem Vaterlande und seiner eigenen würdigen Wirksamkeit verzweifelte. Freilich zog er sich vom eigentlichen Staatsleben zurück, da er seinen schönsten Jugendträumen hatte entsagen müssen, und er widmete sich nur in so weit einer amtlichen Wirksamkeit, als diese ihm die Mittel bieten sollte, ohne störende Sorge dem freien Zuge seines Geistes zu folgen. In diese Zeit scheint das älteste erhaltene Horazische Gedicht, die dreizehnte Epode, zu fallen, die in einem wie es scheint, von Horaz erfundenen Versmasse gedichtet ist. Dass er sich früher schon viel in ähnlichen Gedichten versucht hatte, kann kaum bezweifelt werden. Zu Rom kaufte er sich eine Stelle als öffentlicher Schreiber. Der nicht unehrenhafte Stand der Schreiber (scribae) war besonders einträglich. Ob Horaz der Schreiber eines Praetors, eines Quaestors oder eines Tribunen gewesen, ist nicht zu entscheiden. Seine freien Stunden wird er der Beschäftigung mit Griechischen und Römischen Dichtern und Weisen und eigenen dichterischen Versuchen zugewandt haben. Die meisten in jener Zeit entstandenen Gedichte verwarf er später, nur die sechzehnte Epode, die er in einem von Griechischen Dichtern zu Epigrammen verwandten Versmasse dichtete, und die siebente Satire des ersten Buches scheinen damals, im Jahre 41, entstanden zu sein. Unterdessen hatte Virgil bereits durch einige bukolische Gedichte sich bekannt gemacht und sich besonders dem Asinius Pollio, dem Legaten des Antonius in seiner Heimat, bestens empfohlen. Als dieser aber im Herbste 40 dem Antonius zu Hülfe eilte, musste Virgil, durch die Veteranen im Besitze seines väterlichen Gutes bedroht, nach Rom fliehen, wo er, nachdem Pollio ihn dem bei Octavian in höchster Gunst stehenden Ritter C. Cilnius Mäcenas empfohlen hatte, den ungestörten Besitz seines Gutes erlangte. Mäcenas fand bald so grosse Lust an dem liebenswürdigen Dichter, dass er zu ihm in ein vertrautes Verhältniss trat und ihm ein Haus in der Nähe seiner eigenen Gärten zum Geschenke machte. Horaz machte damals, wenn dies nicht etwa schon früher geschehen war, Virgils Bekanntschaft, und dieser, wie darauf der ältere Dichter L. Varius, empfahl ihn angelegentlichst dem Mäcenas. Ende 39 oder zu Anfang des folgenden Jahres hatte Horaz zum erstenmal bei Mäcenas Zutritt, doch blieb diese Zusammenkunft vorab ohne weitere Folgen. Erst neun Monate später liess Mäcenas den Dichter zu sich rufen und nahm ihn unter seine Freunde auf. Horazens Versuche in den Satiren und den iambischen Spottgedichten scheinen sein besonderes Gefallen erregt zu haben, aber er würdigte ihn nicht eher seiner Freundschaft, bis er sich von der Reinheit seines Charakters und von seiner politischen Gesinnung überzeugt zu haben glaubte. Wahrscheinlich fallen kurz vorher die siebente Epode im Archilochischen Epodenmasse und die achte Satire des ersten Buches. Wie dem Virgil, so schenkte Mäcenas auch dem Horaz eine Wohnung in seiner Nähe auf den Esquilien, und er machte es ihm möglich, seine Schreiberstelle aufzugeben. Im Frühlinge 37 war unser Dichter sein Begleiter auf einer Reise nach Brundisium, welche er bald darauf in der fünften Satire des ersten Buches mit geistreicher Laune beschrieb. Um dieselbe Zeit fällt auch die scherzhafte, das vertraute Verhältniss zu Mäcenas bekundende dritte Epode im Archilochischen Epodenmasse. Der Neid gegen Horaz, den Sohn des Freigelassenen, der öffentlich als innigster Freund des Mäcenas sich darstellte, wandte jetzt seine bittersten Pfeile gegen den Dichter, dieser aber traf durch

manche neue gelungene Dichtungen, iambische Spottgedichte wie Satiren, seine Gegner auf das schärfste, wodurch er immer höher in der Gunst des Mäcenas stieg. Dass er mit ihm im Jahre 36 die Besiegung des S. Pompejus durch Agrippa in altem Cäcuber gefeiert, erwähnt er gelegentlich fünf Jahre später (Epode 9); zu einem dichterischen Preise desselben fühlte er sich nicht getrieben. Nach der Herausgabe des ersten Buches der Satiren im Jahre 34, seinem einunddreissigsten Lebensjahre, schenkte Mäcenas, der seine Sehnsucht nach einem einsamen Landsitze, wo er sich selbst leben könne, wohl zu würdigen wusste, ihm ein Gütchen beim Städtchen Varia (VicoVaro), etwas mehr als zwei Stunden von Tibur (Tivoli) entfernt, wohin ein angenehmer Weg führte. Sein Freund Virgil, der schon drei Jahre früher durch die Herausgabe der Sammlung der Bucolica seinen Dichterruf gegründet hatte, lebte damals seiner schwächlichen Gesundheit wegen meist zu Neapel, eifrigst mit der Ausarbeitung seiner auf Antrieb des Mäcenas unternommenen Georgica beschäftigt, deren erstes Buch gleichfalls schon erschienen war, ehe Horaz das erste Buch der Satiren herausgab. Dieser stand ausser mit Virgil auch mit den anerkanntesten Dichtern der Zeit, mit dem durch seine Tragödien bekannten mächtigen Asinius Pollio, dem Epiker Varius und dem Komödiendichter Fundanius in Verbindung, und wie gross die Zahl seiner durch Stellung und Bildung hervorragenden Freunde damals war, deutet er am Ende der letzten Satire des ersten Buches an. Mit den zur Zeit noch sehr jungen Dichtern Properz und Tibull wird er kaum in entfernte Berührung gekom

men sein.

Der Herausgabe des ersten Buches der Satiren folgten bald andere Satiren und iambische Gedichte; auch von letztern versprach Horaz dem Mäcenas nächstens eine Sammlung. Aber auch die ersten lyrischen Gedichte, eigentliche oda e'), fallen in diese Zeit, noch vor die Herausgabe der Epoden und des zweiten Buches der Satiren. Auf Veranlassung des im Jahre 32 drohenden Ausbruches des Krieges zwischen Octavian und

1) Die Bezeichnung jedes einzelnen Gedichtes als ode findet sich bei den Grammatikern und verdient in der Ueberschrift der Gedichte vor dem neuerdings beliebten carmen den Vorzug. Aber in den Ueberschriften der Bücher selbst steht carminum liber, an dessen Stelle odarum liber erst spät aufkam. Neben ode findet sich nur selten asma.

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Antonius schrieb Horaz die seine bange Sorge andeutende allegorische Ode I, 14, welche die entschiedene Hinneigung zu Octavian als Begründer eines geordneten Zustandes des Reiches ausspricht. Ausdrücklich hatte er des von Virgil längst gefeierten Machthabers gar nicht gedacht. In jener Ode ahmte er ein Gedicht des berühmten Lesbischen Lyrikers Alkäos nach, aber damals wagte er sich noch nicht an die schwierige Alkäische Strophe, worin das Griechische Gedicht geschrieben war, sondern er wählte dazu eine, wie es scheint, von ihm selbst verfasste Strophenform. Als Octavians Zug gegen Kleopatra bevorstand, schrieb er die erste und bei der Nachricht vom Siege bei Actium die jubelnde neunte Epode. Das Buch der Epoden wird noch in demselben oder im folgenden Jahre erschienen sein. Virgil vollendete damals das vierte Buch der Georgica, an dessen Schlusse er den Octavian als Sieger und Gesetzgeber der Welt, der den Weg zum Olymp wandle, freudig pries. Die Kunde von Kleopatras Untergange, welche im September 30 zu Rom anlangte, begeisterte ihn zu der schwungvollen, Octavian feiernden Ode I, 37, wohl der ersten, worin er sich in der Alkäischen Ode versuchte. Die schon von Catull nachgebildete Sapphische Strophe hatte er bereits in I, 10 angewandt. Im folgenden Jahre dichtete er die erste Satire des zweiten Buches, das er sofort herausgab. Hier durfte er sich auch des Beifalls des Octavian rühmen, dessen Siege zu besingen er sich zu schwach fühle, wogegen er sich den Preis seiner Gerechtigkeit und seiner übrigen Tugenden zur Zeit nicht entgehn lassen werde. Virgil hatte unterdessen das grosse Römische Heldenlied begonnen, worin er sein Versprechen, Octavian als den von den Göttern gesandten Retter zu verherrlichen, zur Ausführung bringen wollte.

Die Gedichte der drei ersten Bücher der Oden fallen mit wenigen, grösstentheils schon oben angegebenen Ausnahmen in die Jahre 29 23. Wir wissen, dass erst viele Jahre später Horaz zu diesen drei Büchern das vierte hinzufügte. Daraus folgt aber keineswegs, dass diese drei ersten Bücher zusammen herausgegeben worden. In der Sapphischen und der Alkäischen Strophe, auch im Asklepiadeischen Verse, zeigt das dritte Buch eine grössere, unmöglich zufällige Reinheit gegen die zwei ersten, und die daraus sich ergebende Vermuthung, jenes sei später gedichtet und für sich herausgegeben worden, findet darin eine sehr erwünschte Bestätigung, dass, wie in der ersten. Ode des ersten Buches die Widmung einer Sammlung nicht zu verkennen ist, so die letzte des zweiten der Abschluss, der Epilog an denselben in der Widmung genannten Mäcenas ist, und ebenso das dritte Buch seinen Prolog und Epilog hat, wogegen weder im ersten ein eigentlicher Epilog, noch im zweiten ein Prolog sich findet. Die Herausgabe der beiden ersten Bücher fällt in den Frühling oder den Sommer 24. Von den Oden der beiden ersten Bücher sind zwei eigentliche Preisgedichte auf Octavian. Wie Horaz die Rückkehr desselben nach der Besiegung der Kleopatra im Jahre 29 in I, 2 feierte, so die Rückkehr aus Hispanien im Jahre 24 in I, 12. Bei Gelegenheit der Weihung des Tempels des Apoll auf dem Palatinus im Jahre 28 dichtete er das den Octavian segnende Lied I, 21 und ein Jahr später beim beabsichtigten Zuge des Augustus nach Britannien I, 35. So begleitete er die bedeutendsten Ereignisse des Octavian mit inhaltreichen, kunstvollendeten Liedern.

In rascher Folge, die uns durchaus nicht Wunder nehmen kann, da der Dichter eben auf der Höhe seiner lyrischen Dichtung stand, entstanden sodann die Oden des dritten Buches, dessen Herausgabe schon im Jahre 23 erfolgte. Hier tritt er noch entschiedener als eigentlich politischer Dichter hervor, der in der Herrschaft des Augustus das einzige Heil des grossen Weltreiches - erkennt und seinem Streben nach fester Begründung desselben auf dem Boden echt Römischer Tugend die dichterische Weihe gibt. Wenn er den Augustus als einen zweiten Romulus unter die Götter versetzt, so entspricht dies den gangbaren Vorstellungen der Zeit, ist nichts weniger als unwürdige Schmeichelei. Seit den Ptolemäern war die Vergötterung zu einer politischen Form geworden, und so hatte der Senat auch dem Augustus göttliche Ehren zuerkannt. Wie wenig es dem Dichter um persönlichen Vortheil zu thun war, wie ängstlich er seine Unabhängigkeit von Augustus zu bewahren suchte, vielleicht gerade deshalb ganz besonders, um ihn desto entschiedener feiern zu dürfen, beweist die Zurückhaltung, womit er den ehrenvollen Antrag des Weltgebieters, sein Geheimschreiber zu werden, ablehnte, indem er sich auf seine schwächliche Gesundheit berief.

Das dritte Buch der Oden übersandte der Dichter von seinem Landgute aus dem Augustus, und er begleitete es mit

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