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COMMENTAR

ZU

JUVENALS SATIREN

VON

CARL FRIED. HEINRICH.

Vol. II.

EINLEITUNG.

1

VON DER SATIRE.

Die Dichtkunst der Römer war eine Tochter der Griechischen, und beruhte grösstentheils auf Nachahmung. Doch die Muse, welche selbst Barbaren nicht ganz verlässt, hatte eine eigenthümliche Gabe auch den Römern verliehen, woran sie sich begnügten, noch bevor die Reize Griechischer Kunst für sie anziehend werden konnten. Die Römer haben eine eigene, von fremden Mustern unabhängige, einheimische Poesie gehabt. Gleichzeitig mit einer unförmlichen Art lustiger Gesänge oder Schwänke, die sie sich aus der Nach-barschaft, von den Etruskern, aneigneten (carmina Fescennina, von der Etruskischen Stadt Fescennia), gab es alte Italische Volkslieder von den Thaten grosser Vorfahren, eine Art Rundgesänge bei Gastmälern, die von den Gästen selbst zur Flöte gesungen wurden. Die oxoλid der Griechen waren diesen ziemlich ́ähnlich; auch sie wurden bei Tafel gesungen. Die Versart dieser altrömischen Volkslieder war regellos, versus Saturnii, Knittelverse. Nicht zu Cato's Zeit waren sie noch vorhanden, wie Niebuhr sagt in der Röm. Gesch. 1. Th. S. 178., nach einem Missverständniss ; sondern Cato selbst gab bloss Bericht über ihr Daseyn in einer frühern Zeit. Die Hauptstellen darüber bei Cicero, Tuscul. I, 2. Brut. c. 18, und 19. Ebenfalls gehören schon in die früheste

sagern

Zeit die annosa volumina vatum, alte Orakelsprüche, die dem prophetischen Faunus des alten Latiums und alten Wahrin den Mund gelegt waren. Heyne's Excurs. V. ad Aen. VII. p. 156. und die Ausleger des Horaz zu Epist. II, 1, 26. Aber mehr mit unserer Dichtart verwandt war eine altrömische Gattung dramatischer Spiele, deren Geschichte Livius erhalten hat in der berühmten Stelle vom Ursprung des Römischen Schauspiels, VII, 2. Den Ursprung bei Gelegenheit einer Pest a. U. 391., a. Chr. 361. erzählt selbst Livius nur als Sage, was man noch immer übersehen hat. Um jene Zeit liess man aus Etrurien ludiones, Spielleute, nach Rom kommen; oder sie kamen auch wohl ungerufen. Denn auf die Veranlassung, wie die Sage sie erzählte, ist wohl wenig zu rechneu. Die Spiele, welche diese Leute mitbrachten, waren ursprünglich Tänze, eine Art von Pantomimen, wobei nicht gesprochen wurde, die aber ohne Zweifel schon eine Handlung darstellten, also dramatische Tänze, dergleichen auch schon in der Homerischen Welt vorkommen. Eben diess war das Eigene dabei, der mos Tuscus, wie Livius sagt. Ein solcher Tänzer hiess in der Etruskischen Sprache hister; daher der histrio der Lateiner, mit der Endung des altrömischen Wortes ludio. Die alte Etruskische Form hält sich der Quelle näher. Das Wort ist verwandt mit instar, früber istar, und beides von loos, ioów; daher lowing, zusammengezogen long, assimilator. Die Römische Jugend, iuventus so spricht der ernsthafte Romer in solchen Dingen, wo wir das Volk sagen ahmte die fremde Kunst nach, und verband damit jene erst erwähnten lustigen Lieder, die Fescennina, in Wechselgesängen. An die Stelle dieser, von den Römern aufgenommenen, Spiele traten bald andere in etwas besserer Form, mit Begleitung der Flöte, ad tibicinem. Das waren mit ihrem eigentlichen Namen saturae, d. i. fabulae miscellae. Saturum und satura ist miscellum aliquid, ein von allerlei Sachen gemischtes Wesen. Lanx satura, das Opfer auf dem Altar

der Gottheit, aus den Erstlingsfrüchten des Jahres gemischt. Daher per saturam sprichwörtlich, wo vielerlei durch einander geschieht. Die Beispiele vom Gebrauch des Wortes hat man zusammen in den grossen Lexicis von Gesner und Forcellini. Und eben auf diese Wortbedeutung geht der Ausdruck des Livius von diesen Spielen: impletae modis saturae. Livius bezog den Grund der Benennung auf die modos, die Rhythmen der begleitenden Musik, was doch wohl nicht richtig ist, und als Versuch einer Erklärung bei dem Geschichtschreiber nicht so genau genommen wird. Aus dem Zusammenhange der Sachen zeigt sich vielmehr, dass der Ausdruck satura auf das ganze Mancherlei in Materie und Form dieser Spiele bezogen wurde, wozu denn freilich die wechselnden Rhythmen ebenfalls gehörten. Uebrigens ist merkwürdig, dass noch, das heutige Italien für régellose Lustspiele eine, der altrömischen völlig entsprechende, Benennung hat. Das Italienische Wort Farsa, von dem Lateinischen farcio, farsum, bedeutet eigentlich, ganz wie saturá, ein Gemisch von Allerlei. Lessings Collectaneen I. 237. In diesem Zusammenhang erklärt sich nun leicht im Glossario H. Stephani: σατυριστής, ὁ σκηνικός, ludio, welches von Salmasius in Vopisc. p. 504. C. unrecht genommen worden ist. oarvotoτns gebrauchte der Grieche von dem ludio der altrömischen satura. Und hiernach kann auch Schneider im Griech. WB. berichtigt werden.

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Aus dem Bisherigen ergibt sich bereits, dass kein Griechischer Einfluss auf die altrömische satura statt fand. Aber auch nicht einmal von den Etruskern war sie entlehnt: die von diesen gekommenen Spieler hatten bloss Anlass dazu gegeben. Die erste satura der Römer war also etwas Dramatisches. Dergleichen Schauspiele enthielten ohne Zweifel schon viel tüchtigen Stoff zu einem eigentlichen Drama: aber der Stoff war gemischt, Ernsthaftes und Lustiges durch einander; das Ganze ohne Plan und formlos. Es wird ausdrücklich von Livius gesagt, dass jenen Spielen das argumentum, die

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