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Freiburg im Breisgau,
I er de rische Verlags handlung.

1853.

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Vorrede und Einleitung.

Eine Hymnensammlung ist entweder liturgisch oder geschichtlich, in jene nimmt man die Lieder auf, wie sie für den Gottesdienst vorgeschrieben sind, welche Texte auch ihrem Zwecke vollkommen genügen, in dieser muss man die ursprünglichen Texte und deren Veränderung nachweisen. Wer nicht mit einer kirchlichen Hymnensammlung beauftragt ist, kann nur eine geschichtliche machen, zu welcher Art dieses Werk gehört. Ein solcher Herausgeber hat die wissenschaftlichen Erfordernisse seiner Arbeit mit Umsicht zu erwägen, damit er wisse, was zu thun sey und in wie fern seine Leistung dem Zweck entsprechen könne.

Das erste Bedürfniss sind richtige Texte der Hymnen. Um diese zu erhalten, hat man vor allem handschriftliche Quellen nöthig, denn nur die ältesten Ausgaben beruhen auf Handschriften und können als solche gebraucht werden, die folgenden sind Wiederholungen von Abdrücken, deren Texte manche Abweichungen haben, oft von zweifelhaftem Werthe, weil man ihre Quelle nicht kennt. Die Ausgabe der Hymnen von Tomasi wurde zwar nach Handschriften gemacht, beschränkt sich aber auf alte Lieder und ist in der Vergleichung der Texte weder sicher noch vollständig. Daniels Hymnensammlung hat nur zum kleineren Theile aus Handschriften geschöpft, der grössere ist aus gedruckten Büchern wiederholt. Zwischen diesen beiden Werken ist ein Jahrhundert verflossen (von 1747 bis 1841, 46), in welchem für eine quellenmässige Hymnensammlung nichts geschah und nur wenige Lieder aus Handschriften gelegenheitlich mitgetheilt wurden. Bei diesem Stande der Sache schien es mir nothwendig, kein Lied in diese Sammlung aufzunehmen, wofür ich keine Handschrift hatte, damit jedes auf einem urkundlichen Texte beruhe. Mögen diese handschriftlichen Quellen besser oder

schlechter seyn als die bisherigen Abdrücke, so sind sie jedenfalls für die Richtigstellung des Textes brauchbar und beweisen durch ihr Alter nebenbei das Alter und die Verbreitung der Lieder, was man nicht immer aus den Abdrücken erkennt oder schliessen kann.

Die ursprüngliche Richtigkeit der Texte ist gerade bei den ältesten Hymnen am schwersten herzustellen (obgleich man von ihnen die meisten Handschriften bat), weil sie allgemein im Gebrauche waren. Die Schwierigkeit liegt nämlich in der Beschaffenheit der Handschriften selbst, deren Entstehungsgründe man aufsuchen muss, um sie richtig zu beurtheilen und zu benützen. Ein Hauptgrund der verdorbenen Texte war das provincielle Latein oder die lateinische Bauernsprache (lingua rustica), welche auf die Hymnen einen bleibenderen Einfluss batte als auf die Messgebete. So lang die lateinische Sprache noch lebte, machten ihre mundartlichen Formen für das Verständniss keine Schwierigkeit, so wenig als die teutschen Mundarten im Vergleich zur Schriftsprache, man nahm also in den Provinzen keinen Anstoss zu sprechen und zu schreiben numine für nomini, illus für illos, uti für ut e, optimæ für optime u. dgl., denn man verstand solche Formen richtig nach der Provincialsprache; als aber das Latein ausgestorben war, da hörte das lebendige Verständniss auf, die mundartlichen Formen verwirrten daher die Texte, weil man sie nach der Grammatik der Schriftsprache verstehen musste. Abschreiber ohne gehörige Kenntniss und Sorgfalt liessen aber manche mundartlichen Wörter stehen, welche in spätere Handschriften übergiengen, selbst bei fleissigen Abschreibern, weil sie zu gewissenhaft waren, etwas zu ändern. Diese Verderbnisse wurden bei den Hymnen weniger gefühlt als bei den Messgebeten, denn die Hymnen waren keine nothwendigen Kirchentexte wie die Messgebete, daher hat auch die Kirche zu Rom erst spät den Gebrauch der Hymnen angenommen. Die Sprache der Messgebete diesseits der Alpen wurde deswegen schon im 8 Jahrhundert verbessert, denn die Störung und das Aergerniss widersinniger Texte der Messgebete war zu auffallend, um ohne Abhülfe zu bleiben. Die alten Hymnen erfubren keine solche Verbesserung, sondern erst achthundert Jahre später wurde ihre metrische Berichtigung vorgenommen. Nach diesem Hergang ist es begreiflich, warum für die Richtigstellung der Texte alter Hymnen viele jüngeren Handschriften manchmal gar nichts helfen, weil sie die her

. kömmlichen Fehler haben, welche man nur aus den ältesten Handschriften durch ihre mundartlichen Verschiedenheiten erkennen und berichtigen kann. Daher ist es auch nicht zu wundern, dass jene Hymnen, welche nach dem Aussterben der lateinischen Sprache gemacht wurden, in ihren Formen verhältnissmässig fester bewahrt sind als die ältesten Lieder, denn ihre Sprachformen wurden nicht mehr durch lebendige Mundarten verändert.

Die allgemeine Verbreitung der alten Hymnen hat ihre Texte auch verdorben. Viele Leute konnten sie durch den häufigen Gebrauch auswendig und schrieben sie nach dem Gedächtniss ab, wobei Fehler unvermeidlich sind, wie die tägliche Erfahrung auch bei andern Schriften lehrt. Wollte man dem Gedächtnisse zu Hülfe kommen, so gebrauchte man dazu hie und da das gewagte Mittel verstümmelter Abschriften, was ich kurz angeben muss. Seit dem 13 Jahrhundert schrieb man nämlich die Hymnen, welche regelmässig im Gebrauche und daher bekannt waren, in manchen Brevieren nicht mehr vollständig ab, sondern entweder nur den ersten oder die beiden ersten Verse einer Strophe, oder auch alle Wörter der Hymnen nur mit den Anfangsbuchstaben. Ich besitze selbst eine solche Hs. aus dem 14 Jahrh., und will aus einer andern von Lichtenthal ein Beispiel aus dem 13ten hersetzen: Seu mis. bap. flu. ior. re. 9us. qno. ts. pssen. saca. die. Es ist dieses die zweite Strophe aus dem Hymnus des h. Ambrosius zur Epiphanie (No. 56) und lautet vollständig also:

Seu mystico baptismate . . conversa quodam tempore
fluenta Jordanis retro

præsente sacraris die. Wer den Hymnus kannte, der las die Abkürzung richtig, wer ihn nicht genau kannte und ihn vollständig abschreiben sollte, der machte Fehler, die dann in andere Abschriften übergiengen. Es war ebenso bei den verstümmelten Heiligennamen in den Kalenderversen des sogenannten Cisiojanus, wer den Festkalender verstand, las die Namen richtig, wer ihn nicht verstand, konnte sie nicht ergänzen. Für die Kritik sind solche verstümmelte Handschriften fast gar nicht zu brauchen.

Wie mit den Texten in den alten Ritualbüchern verfahren wurde, mag ein Beispiel zeigen. Jodocus Gallus von Ruffach wurde im Jahr 1507 von dem Bischof Philipp I von Speier beauftragt, das Bistumsbrevier zu verbessern. Darüber sagt er in seiner Vorrede

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