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dieses Beyspiel gar leicht auch andere zur Nachfolge reißen können. Diesem vorzubeugen, sollte die Ehe mit zwen noch lebenden Schwestern verboten seyn. Der Grund ist in dem Geseiß selbst enthalten, weil Eifersucht und Feindschaft zwischen den beyden Schwestern, die einen Mann hätten, unvermeidlich wäre, wie auch das Beye spiel der beyden Schwestern Lea und Rahel bewies, welche Iacob zu gleicher Zeit in der Ehe hatte 4).', Denn Vielweiberen und Eifersucht hat im Arabischen gleiche Bedeutung, wie Michaelis ) gezeigt hat. Das Wort Schwester ist also hier in seiner eigentlichen Bedeutung zu nehmen. Zwar hat das in dem Grunds text gebrauchte hebräische Wort 0708 auch eine so weits läuftige Bedeutung, daß es eine jede andere Frau bezeicha net, und die Redensart nnos 58 70X, cine Frau zu ihrer Schwester, hieß auch öfters so viel, als eine zur andern. Selbst der Apostel Paulus braucht das Wort - åderon, Schwester, für eine jede christs liche Frauensperson, wenn er 1. Corinth. IX. 5. sagt: Haben wir nicht auch Macht eine Schwester zum Beibe zu nehmen? Mehrere, felbst Theologen, sind daher durch jenen Hebraismus verleitet worden, unserm Geset einen ganz andern Sinn beyzulegen. Sie wollen es nämlich von einem Verbote der Vielweiberey überhaupt verstehen ).

4) 1 B. More XXX, 1. ff.
5) 2bh. von den Ehegereken Mofis. 9.78.

6) 3. B. Matth. Safenreffer, Joh. Tarnov, B. . Calonius, Dan. Ferrel, Matth. Flacius, goh. ... Calvinus. Dan. Eh a mier, Tremellius 4. m. a. in welche NIEMBIBR in Diss. de coniugio cum uxoris 80

. rore divino iure prohibito. $.4. et 5. anführt, zugleich

Allein auch davon abgesehen, daß man ben der Erklärung eines Geseges schon nach den allgemeinen Regeln der Hermeneutit nicht leicht von der eigentlichen Bedeutung der Worte abweichen darf, wenn nicht dazu hinreichende Gründe vorhanden sind; fo würde auch schon selbst der Genius der hebräischen Sprache dagegen streiten, wenn man unsere Stelle so überfeßen wollte: Du sollst nicht eine Frau zur andern zugleicher Zeit nehmen, weil kein Substantivum, worauf sich das ischah beziehen könnte, ausgedruckt ist, wie doch z. B. 1.B. Mos. XIII. 11. und 2. B. Mof. XXVI. 2. 3. 6. geschieht. Sodann aber ist ja das Wort Schwester in allen übrigen Stellen des Kap. XVIII., als V. 9:11. 13. in seiner eigentlichen Bedeus töng genommen worden; warum sollte es denn geradé hier V. 18. in einer figürlichen Bedeutung genommen worden sein? es läßt sich dieses um so weniger mit Grund bes haupten, weil unser Geseß in der Reihe derjenigen Gelege begriffen ist, welche die Ehen in die nahe Freundschaft untersagen, und wo also die Namen der Verwandtschaft schlechterdings in ihrer eigentlichen Bedeutung genommen werden müssen. Hätte Moses die Polygamie überhaupt zu''verbieten die Absicht gehabt, in welchem Widerspruche würde nicht die Verordnung 5. B. Mose XXI. 15. 16. erscheinen? Diese Stelle beweist vielmehr deutlich, daß die Polygamie nach den Gefeßen Mofis. gar nicht verbos ten war. Es hatte vielmehr Moses seine gegründeten Ursachen, warum er dieselbe nicht geradezu verbot, wie

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aber diere Meinung $.6. sqq. gründlich widerlegt. Man

rehe auch Michaelis a. 4. D. S. 230. und die nähere ? Entwidelung der vornehmsten Streitfragen, die Ehen 0.!naber Blutsfr. betr. Kap. 2. §. 3. S. 208. ff. .

Michaelis 7 ausführlich dargethan hat. Moreo wollte also nur die Polygamie einschränken, indem er die Ehe mit der noch lebenden Frauen Schwester unters sagte, um Zwist und Eifersucht unter Schwestern zu vere büten. Es ist daher auch kein Unterschied, die Schwester der Frau sen eine vollbürtige oder halbbürtige Schwester, weil das Wort n ng von beyden gebraucht wird 8). Zunächst gieng nun zwar dieses Verbot auf eine polygamia simultanea, wie die Worte: neben ihr, ihre Schaam zu blößen, zu erkennen geben. Es mag auch wohl der Fall sehr selten gewesen seyn, daß der Mann der einen Schwester den Scheidebrief gegeben haben sollte, um die andere zu heyrathen, die er doch, neben ihr hätte haben können. Indessen hat es keinen Zweifel, daß das mosais sche Verbot auch diesen Fall mit unter sich begreift, weil der Grund des Gesebes bier ganz der nämliche ift3). Sollte nicht aber die Ehe mit zwen Schwestern vielleicht in dem Fall für erlaubt zu halten seyn, wenn eine solche Feindschaft und Eifersucht unter denselben nicht zu 'befürch, ten wäre, welche Mofes durch das Eheverbot zu vers hüten suchte ? ' Reinesweges. Man beherzige nur die

· 7) Mos: Recht. 3. Th: 8.94. 4. 96. .. 8) S. Selden de iure nat. et gent. iuxta disciplin. Ebr.

Lib. V. cap. 10. pag. 615. Niemeier Dissert. cit. $.6.

Michaelis Cheges. Mof. 8:35. S. 119. 9) Eben so urtheilt Philo lib. de Legg specialib. P. II.

pag. 503. sq. edit. Mangey. Eben fo ale übrige jüdis
rohe Lehrer ben SBLDENUS de iure natur. et Gent. iuxta
disciplin. Ebraeor. Lib. V. cap. io. pag. 615. Man
vergleiche noch NIBMBIER cit. Diss. S. 9. et 59. und bes
ronders Michaelis von den Ehegereken Molisi 8.80,

S. 237. f. und. §. 100, S. 279.
Glüds Erläut. 8. Pand. 24. Th. :

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Worte: bey ihrem Leben (bechajaeha), oder, wie dieß Luther übersegt hat, weil sie noch lebt, und bedenke, daß sie einen wesentlichen Umstand des von dem Geseßgeber verbotenen "Falles ausmachen, auf welchen sich blos jener gesebliche Grund, als eine unausbleibliche Folge, bezieht. Mit völliger Zuversicht läßt sich hingegen daraus fchließen, daß die She mit der verstorbenen Frauen Schwester in den Gefeßen Mofis feinewegs verboten fen; und hierin stimmen auch jeţi die berühmtesten Theo: logen 1 und Rechtsgelehrten ") mit einander überein. Dennoch, ist es möglich? hat man noch darüber streiten können, ob dem wirklich so rey. Man sehe nur das Heer' von Theologen und Rechtsgelehrten, welche Nies

10) S. Baumgarten theol. Bedenken 1. Samml. S. 179. ff.

V. S.37. VII. S. 38. ff. Michaelis 20h. von den Ehegelegen Morib. 8. 77. 4. 78. Unter den ältern Theos logen verdienen noch vorzüglich genannt zu werden

futher vom ehelichen Leben (Tom, II. , Opp. Alten· burg. pag. 311. ff.) NIEMBIBR Diss. cit. de coniugio

cum uxoris sorore. S. 58. sqq. und BRENTIUS Comm.

in Levit. XVIII. pag. 843. 11) WESENBEC Consil. XXIII. BRÜCKNBR Decision. jur.

matrim Cap. VIII. LYNCKBR Respon. Vol. I. Resp. 6.
de Cocceji iur. civ. controv. Lib. XXIII. Tit. 3.
Qu. 14. Ioh. Pet. von fudewig gelehrte Unzeigen.
3.2h. St. CXXXII. 4. CXXXIII. S.712-726. 'und
3.Th. St. LXXVII. 5.488 — 493. BOBHMBR Consul-
tation. et Decision. Tom. I. Part. I. Resp. 160. .Jo.
Henr. AYRBR Comm. de iure dispensandi circa con-
nub. iur. div. non diserte prohibita. Sect. IV. 8. 21.
pag. 226 - 351. Zu den neuern Schriften gehört noch
Jo. Leonh. Holl Diss. de matrimonio cum defunctae
woris sorore. Giessae 1773.

meter 13) anführt, die alle der Meinung sind, daß die

She mit der verstorbenen Frauen Schwester so gut, wie : mit der noch "lebenden verboten ren. Ja es werden Fas cultäten und Consistorien genannt, die alle so gesprochen hätten. Man giebt“ zu, daß das Gefeß" ausdrücklich nur : die Ehe mit der noch lebenden Frauen Schwester verbiete, will aber doch die daraus abgeleitete Folge darum nicht '. gelten lassen, weil die Analogie des Verbots der Ehe mit des Bruders Witime" widerstreite. Denn beyde Ehen wäs ren einander gleich. Nun ist zwar freylich nicht zu lâugs nen, daß beybe Shen dem Grade nach gleich nahe find; allein sie sind übrigens an sich von einander so vera fchieden, daß gerade diese Verschiedenheit den besten Bee weis giebt, wie wenig der Schluß von der Gleichbeit des Grades in den mosaischen Eheverboten gelte '3). Für einen Wittwer, der Kinder bat, läßt sich kaum eine nas türlichere Ehe gedenken, als die Ehe mit seiner Frauen Schmer ster; es kann aber auch für die sterbende Frau gewiß keine Parthie mehr wünschenswerth und für sie beruhigender seyn, als die mit ihrer Schwester, so wie selbst den Kindern keine Stiefmutter willkommner seyn kann, als die sie an ihrer Tante erhalten. Daher bemerkt von Ludewig. 14), daß: diese Ehe nicht nur von den jüdischen Lehrern 's) sehr empfoh. len, sondern ihr auch noch das besondere Vorrecht in den

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12). Diss. cit. 9. 32. 33. et 34. únter den neuern auch Hor.

ACKER Princ. iur., civ. Tom. I. §. 363.

S. Michaelis von den Ehegeregen Mofis. 8. 79. S.99. . ..und . 103. i i ... .si . ,.i 14) Angef. Gelehrte Anzeigen 2. th. 5.716.. 15) 3. B. Jore Deah, Abarbanel," Maimon uno Mars dochai.

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