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omnes una voce clamaverunt, dicentes: ista omnes firmiter tenere volumus, et in perpetuum ab omnibus confirmari optamus. : Das Nämliche ward auch nochmals sowohl von dem

Concilium zu Pavia (concilio Ticinensi) im J: 850. · Can. 10., als von der Kirchenversammlung zu Droolei (concilio Trosleiano) vom J. 909. can. 8. bestätiget.

Gegen solche bestimmte Verordnungen und ConcilienSchlüsse konnte doch nun wohl unmöglich der Ausspruch eines Kirchenvaters in Betrachtung kommen, der noch vor Justinian lebte. Es ist der Ausspruch des Hieronya' mus, eines Kirchenvaters, welcher noch in dem ersten Viertel des fünften Jahrhunderts (420) starb, den Gra: tian can. 8. C. XXXVI. Qu. .. anführt. Er lautet. folgendermassen : :

Tria legitima coniugia in scripturis leguntur. Primum legitimum coniugium est, virgo casta in virginitate viro data legitime. — Secundum, virgo in civitate deprehensa a viro, et illi per vim copulata ; si voluerit pater eius, dotabit'eam iste vir, quantum iudicaverit pater, et dabit pretium pudicitiae eius. Tertium, filia praedicta deprehensa; si non fuerit voluntas patris, trahet eam a praedicto viro, et tradet eam alii, et dotabit eam, et legitima erit ei. Sed primum his duobus praefertur.

Und doch legt Gratian ein solches Gewicht darauf, daß er glaubt, diesem Ausspruche könne weder das Unse: hen jener weltlichen noch kirchlichen Geseße entgegenstehen, weil er sich auf das Zeugniß eines göttlichen Gesekes gründe. Man sebe nur seine Bemerkung zum can. 11. C. XXXVI.

Qu. 2. Um aber doch das Unsehen der Canonen nicht ganz herabzuseßen, macht Gratian den sonderbaren Uns terschied. So lang das vitium rapinae noch nicht durch öffentliche Buße getilgt ist, besteht das Eheverbot zwischen dem Entführer und der Entführten; nach gethaner Buße. aber dürften beyde einander heyrathen, wenn die Eltern in die Ehe willigten. Man sebe Gratian's Bemerkung nach can. 7. ibidem.'. ;

Allein geseßt, die Stelle des "Hieronymus wäre åcht, welche sich aber doch in seinien zahlreichen Schriften so wenig findet, als Gratian irgend eine Schrift, woo sie steht, anzuführen vermocht hat; denn er schrieb sie' aus Regino 5a), oder Ivo 53); so gehört sie auch gar nicht hierher. Denn sie spricht von der Schändung einer Jungs frau, und bezieht sich auf 5. Buch Mose XXII. v. 28 und 29. wie fdjon Böhmer »4) bemerkt hat. Sie kann also schon darum gegen das Ansehen der angeführten Ges seße und Concilien : Schlüße nichts gelten, weil sie sich auf einen besondern Gebrauch der Israeliten bezieht, nach welchem derjenige, der eine Jungfrau verführte, dieselbe nicht nur heyrathen, sondern auch dem Vater, als ein pretium pudicitiae, fünfzig Silberlinge bezahlen mußten. und dann auch daben das Recht verlor, das man ber ges wöhnlichen Ehen hatte, der Frau einen Scheidebrief zu geben 5). Berardi so) bält daher diese Stelle für die

-52) De eccles. disciplinis Lib. II.
53) Decret. P.VIII. Cap. 40 et 41. i .

54) S. die Not. 44. ad can. 8. C. XXXVI. Qu. 2. In reiner · Fuegabe des Corp. iuris canon. Tom. I. p. 1119.

55) S. M i chaelis mosaisches Recht. Th. 2. 8.91. S. 100.f. 56), Gratiani canones P. III. Cap. XIII. pag. 177.

Geburt eines unwissenden Verfassers aus dem siebenten oder achten Jahrhundert. Und doch konnte sich Gratian dadurch verleiten lassen, um dieser dem Hieronymus ans gedichteten Stelle willen, das Unsehen aller damahls gelstenden Kirchengeseße mit einer Kühnheit zu verwerfen, die in der That an Raseren angrenzts?)? So verdarb also auch hier Gratian die Doctrin reines Zeitalters durch seine Ignoranz, und verleitete durch sein Ansehen den Pabst Innocenz III, die Ehe zwischen dem Entführer und der Entführten zu erlauben, wenn der vorige Widerwille der

legtern in eine nachherige Einwilligung übergegangen wäre. 7,- Cap. 7. X. de raptorib. INNOCENTIUS 111. Epi,

scopo Saronensi (vielmehr Cracoviensi) ann. 1201, Accedens, ad Apostol. Sedem dilectus filius B. frater Hierosolymit. Hospital. a nobis ex parte tua quaesivit, – utrum si rapta puella, et in alienam delata dioecesim, in Ecclesiae facie consenserit in raptorem, matrimonium huiusmodi legitimum sit habendum? Nos igitur inquisitioni tuae taliter respondemus, quod — rapta puella legitime contrahet cum raptore,si' prior dissensio transeat postmodum in consensum, et quod ante displicuerit,, tandem incipiat complacere: dummodo ad contrahéndum legitimae sint personae.

Die peinliche Gerichtsordnung Carlo V.58) beruft sich auf das römische Redit bey Bestimmung der Strafe der Entführung, und hebt hiermit die Verordnung

57) Man rehe hier vorzüglich BERARDUS ad Gratian. P. I.
. Cap. XLVI. App. II. pag. 365 - 368.
58) Art. 118.:

des canonischen Rechts auf. Denn da die Caroline die Strafe des römischen Rechts bestätiget, und anzunehmen, ist, daß' dem deutschen Geseßgeber die Sanction des canos nischen Rechts nicht unbekannt gewesen sery; so muß man glauben, 'er sey implicite von der Disposition desselben abgewichen, weil sich die Todesstrafe des Verbrechens mit der Ehe zwischen dem Entführer und der Entführten nicht wohl, verträgt 5). Es besteht jedoch die Entführung nach der Bestimmung der peinlichen Gerichtsordnung in einer die Ehrbarkeit beleidigenden Wegführung einer Ehes frau oder Jungfrau von unbescholtenem Rufe, aus der Gewalt, und wider den Willen ihres Mannes oder Vas ters. Ob sie mit Einwilligung der Entführten geschieht,

oder nicht, ist dem Gefeß gleidjviel, so wie denn auch bey Leiner Jungfrau, die noch unter väterlicher Gewalt ist, darauf

nichts ankommt, ob die Wegführung derselben in der Abs sidit geschieht, sie zur Ehe zu nöthigen, oder zur Unzucht zu brauchen "). Selbst wenn die Entführte Braut des Entführers war, bleibt es Beleidigung der väterlichen Ges walt 6'), obwohl Böhmer 6) hierin anderer Meynung ist, weil Carl der eignen Braut des Entführers nicht ges denkt, vorausgeseßt, daß das Verlobniß gültig war.

(MER

59) 5. Böhmer Observation. selectae ad Carpzovium P. I. . Qu. XL. Obs. 3. pag. 96. und BLÜMNER Diss. de rapta

$. 8.

60) BoehmBR c. I. pag. 96. BLÜMNBR cit. Diss. s. 5. ' 61) S. Sr. von Soden Geist der deutschen Criminalgerege

Th 1. §. 175. BLÜMNBR cit. Diss. 8. 4. Tittm a'n n's

Handbuch des peinlichen Rechts 3. Th. S. 242. a. E. .. Henne Diss. de raptu sponsae. §. 13.

162) Observat. ad Carpzov. P. I. pag.94.

Ohnerachtet nun eigentlich das neuere Geseß dem äl tern derogirt; so hat dennoch die Praxis der mildern Meis nung des canonischen Rechts den Vorzug gegeben, und läßt daher nicht nur die Ehe zwischen dem Entführer und der Entführten zu, sondern sieht auch diefelbe als einen Milderungsgrund bey der Bestrafung des Verbrechens an 63).

Ja es pflegt h. 3. I. zuweilen die Strafe ganz wegzufallen, wenn schon eine förmliche Verlobung vorhergegangen, und die Wegführung blos die Vollzichung der Ehe zur Absicht hatte, besonders wenn der Widerspruch der Eltern gegen dieselbe nichtig seyn sollte 64). ..

In Unsehung der Katholiken kommt noch die Verords nung des Iridentinischen Concilium 8 65) in Bes trachtung. Vermöge derselben fol keine Ehe zwischen dem Entführer und der Entführten gelten, so lange sich dieselbe in der Gewalt des Entführers befindet. Wenn aber die Entführte nach ihrer Befreyung in die Ehe mit dem Ents führer einwilliget, so kann sie der Entführer zur Frau ha: ben. Nichts, desto weniger soll der Entführer, so wie jeder Andere, welcher ihm Hülfe geleistet hat, ercommunicirt,

63) CARPZOV' Pract. nova rer. crim. Quaest. LXXV. n. 68.... .: BERGER Oecon., iuris. Lib. III. Tit. XI. Th. 9. Not. 3. :: Böhmer Obs. ad Carpzov. c. 1. pag. 96. BLÜMNER cit.

Diss. $. 8 et 9. Henne cit. Diss. s. 13. 64) S. Dittmann's Handbuch des peinl. Rechts 2. TH...

S. 247. S. 170. f. 65) Sess. XXIV. Cap. 6. de reformat. matrim. Man vero

binde noch die Declarat. sacrae Congregat. in der

udgabe des Card. de Luca pag. 383. . Auch vergleiche man Pirhing iur. Can. Lib. V. Tit. XVII. §. 4. und BERARDUS Commentar. in ius eccles. univ.' Tom. III. Diss. IV. Cap. III. pag. 94. sq., . '

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