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Copyright 1921 by
A. Marcus & E. Webers Verlag, Bonn.

257650
AUG - 3 1922
BIE
R27

Dem Andenken Wilhelm Boussets

gewidmet

Vorwort

Den letzten Teil von Studien über die Entwicklung der hellenistischen Religiosität und ihre Einwirkung auf die Bildung des Christentums lege ich als Fortsetzung der in meinem Buch Poimandres einst begonnenen Arbeit den Mitforschern vor. In einer früheren Abhandlung, Die Göttin Psyche in der hellenistischen und frühchristlichen Literatur (Sitzungsberichte d. Heidelberger Akademie d. Wissenschaften 1917 Abh. 10), habe ich versucht, zunächst in der manichäischen und mandäischen Literatur, dann aber in den Religionsurkunden der verschiedenen dem Perserreich eingegliederten Völker die Wirkung einer auf iranischem Boden ausgebildeten Lehre nachzuweisen, welche die Seele oder den inneren Menschen als Gottwesen faßt, das aus der Lichtwelt in die Materie herabgesendet und aus ihr wieder befreit und zurückgerufen wird. Das Weltseele und Einzelseele, Urmensch und Individuum in der Vorstellung zusammenfließen und sich Kosmologie und Soteriologie in ihr durchdringen, daß ferner der iranische Glaube sich frühzeitig mit babylonischen Mythen und Spekulationen verbindet, konnte ich zunächst mehr ahnen als nachweisen. Den Ausgangspunkt boten im wesentlichen einige durch die große Güte von Prof. Fr. C. Andreas mir erschlossene Turfan-Fragmente.

Die weitere Arbeit mußte notwendig an die voller erhaltenen Religionsurkunden der Mandäer schließen, zu denen ihr bester Kenner, Prof. M. Lidzbarski, mir inzwischen den Zugang eröffnet hatte. In ihnen fand ich, freilich in kläglicher Verkürzung und Überarbeitung, eine Apokalypse aus der Zeit der Zerstörung Jerusalems, die trotz einer Benutzung der prophetischen Literatur des Alten Testamentes in schärfstem Gegensatz zu dem offiziellen Judentum und zu dem mit ihm noch gleichgesetzten Christentum steht und das Erscheinen des Urmenschen Enosh sowie den baldigen Untergang der Welt voraussagt. Die chronologischen Folgerungen, die sich daraus für den Ursprung der mandäischen Religion ergeben, ließen sich aus den Totenliturgien des zweiten Buches des linken Genza weiter be

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