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BH

301

N3 B59

DIE ENTWICKELUNG

DES

NATURGEFÜHLS

IM

MITTELALTER UND IN DER NEUZEIT.

VON

ALFRED BIESE.

LEIPZIG,

VERLAG VON VEIT & COMP.

1888.

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Sallan
p.29.90
92664

THEODOR STORM

ZUM

70. GEBURTSTAGE

IN FREUNDSCHAFT UND VEREHRUNG

DARGEBRACHT.

1-30 5imas

Vorwort.

Nachdem ich es vor einigen Jahren unternommen hatte, die Entwickelung des Naturgefühls bei den Griechen und Römern darzulegen, reifte erst allmählich auf Grund freundlicher Ermunterung meiner Rezensenten in mir der Entschluß, die Darstellung bis auf die neueste Zeit hinzuführen. So lockend die Aufgabe war, so verhehlte ich mir die großen Schwierigkeiten einer ebenso weitwie tiefgreifenden Untersuchung durchaus nicht, vor welcher schon mancher Gelehrte zurückschreckte, nachdem ALEXANDER V. HUMBOLDT in so geistreichen, knappen Strichen „das Naturgefühl nach Verschiedenheit der Zeiten und Volksstämme" skizziert hatte. Seitdem ich aber einmal der Frage näher getreten war, ließ sie mich nicht wieder los, um so weniger, als sonst über dieselbe — più attrainti che vere gehandelt worden ist, wie mein italienischer Rezensent sich ausdrückte. Nur unter dem Gesichtspunkte historischer Entwickelung, nicht apriorischer Synthese schien mir ihre Lösung möglich. Bei der schier unerschöpflichen Fülle des Stoffes aber, welcher, je näher der Gegenwart, desto mehr anschwoll, mußte ich mich oft auf typische Vertreter der Zeitepochen beschränken, bestrebte mich aber immer, den Faden der AllgemeinEntwickelung nicht zu verlieren. Suchte ich auch die Landschaftsmalerei und Landschaftsgärtnerei in ihren wichtigsten Phasen zur Vervollständigung des kulturhistorischen Bildes hinzuzuziehen, so blieb mir doch die Litteratur und besonders die Poesie, als die intimste Trägerin der Empfindungen eines Volkes, in erster Linie die Quelle einer Untersuchung, welche ein Beitrag nicht nur zur Geschichte des Geschmacks, sondern auch der vergleichenden

? So sagt KOBERSTEIN in seinen Vermischten Aufsätzen zur Litteraturgeschichte und Ästhetik, wo er „das gemütliche Naturgefühl der Deutschen, speziell im Liebeslied und bei Goethe“ kurz skizziert: „Dieses abzuleiten, könnte mir nur einfallen, wenn ich in mehr als thörichter Überschätzung meiner Kräfte und Mittel dazu befangen wäre.“

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