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Vorre de.

Aufgabe dieses Buches ist die Darstellung des geltenden katholischen gemeinen Eherechtes, mit besonderer Berücksichtigung Deutschlands und der deutschen Staatsgesetzgebungen. Soll diese Darstellung den Anforderungen der Wissenschaft entsprechen, so muss sie auf geschichtlicher Grundlage ruhen, zugleich aber die einzelnen Rechtssätze begründen, deren Uebereinstimmung mit, den sonstigen Rechtssätzen, den obersten Principien der Kirche nachweisen, deren Nothwendigkeit, wo sie auf Fundamentalsätzen - beruhen, zeigen. Dass dies angestrebt wurde, wird besonders bei der Lehre von der Forin der Eheschliessung — s. g. Revalidation nichtiger Ehen – Dispensationen – dispensatio in radice matrimonii – Lösung der nichtconsumirten Ehe per professionem religiosam und per dispensationem S. Pontificis u. s. w. hervortreten; viele behandelte Punkte waren noch niemals Gegenstände juristischer Untersuchungen.

Die Darstellung beschränkt sich auf das Recht. Hierdurch ist ausgeschlossen die dogmatische und moraltheologische Seite; in diese einschlagende Fragen können also nur Gegenstand der Behandlung werden, insofern sie Grundlagen von Rechtssätzen

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sind oder deren Entwickelung leiteten, und in wieweit dies juristische Moment in Betracht kommt. Es ist diese Seite unverrückt stets im Auge behalten worden.

Weiterhin musste die Darstellung eine practische sein, d. h. sie musste mit dem Leben, mit der Anwendung des Rechtes bekannt machen, die jetzige Praxis der Kirche lehren. Dass hierauf eine Rücksicht genommen sei, wie sie schwerlich ein neueres Werk aufweisen kann, dürfte jeder Unbefangene gern zugestehen. Es war das gemeine Recht der Kirche zu behandeln. Principiell mussten somit ausgeschlossen bleiben Sätze und Bildungen, welche nur eine particuläre Bedeutung haben; zumal deren Aufnahme den Umfang des Werkes zu sehr vermehren würde. Weil aber auf Deutschland eine besondere Rücksicht genommen werden sollte, durften und mussten particuläre Bestimmungen für ganz Deutschland oder einzelne deutsche Länder eine Stelle finden, namentlich bei den gemischten Ehen.

Der einzunehmende Standpunkt war dem Verfasser aus doppeltem Grunde vorgezeichnet. Als Katholik hat er eine katholische Anschauung. Weil der Katholik objectiv sein kann und muss; weil die Wissenschaft, deren Anforderungen befriedigt werden sollten, ohne Objectivität ein hohler Name ohne Wahrheit ist: so war es eine unerlässliche Forderung, vom Standpunkte der Kirche aus das Recht in seinem Entwickelungsgange, also genetisch, und in seinem wirklichen Leben darzustellen. Die Kirche, weit entfernt ein Eindringen, ein Ergründen zu verbieten, stellt vielmehr an Jeden die Anforderung, zu prüfen, aber nicht an der Hand von Vorurtheilen, sondern von Thatsachen; die Berechtigung und Verpflichtung zu der wissenschaftlichen Behandlung sind also unzertrennlich.

Sowohl die Darstellung der Staatsgesetzgebungen Deutschlands und des französischen Rechts als auch die Trennung der

selben von der des Kirchenrechts ergab sich als nothwendig, wenn nicht Verwirrung, Unklarheit und Beeinträchtigung der einen oder anderen eintreten sollte. Die weitere Begründung ist an den betreffenden Stellen des Systemes selbst gegeben.

So wenig der Verfasser sich der Täuschung hingibt, seine Aufgabe vollständig gelöst zu haben, um so mehr darf er die Zuversicht hegen, eine neue Richtung eingeschlagen zu haben, die Ueberzeugung aussprechen, dass nur durch das Zusammenwirken der angegebenen Elemente die Wissenschaft des Kirchenrechts gefördert und auf eine höhere Stufe gehoben werden wird, dass das Eherecht durch seine Behandlung in einem ganz anderen Lichte erscheint. Es sind keine dornigen Fragen umgangen; die Lehre von der Begründung der einzelnen Ehehindernisse, der Auflösung der Ehe per professionem religiosam und per dispensationem Pontificis, durch Uebertritt des ungläubigen Gatten, der renovatio consensus u. 8. w. wird ihm das Zeugniss geben, dass er sich nicht scheute, anstatt der blossen Berufung auf Dogmen, zu begründen. Hoffentlich wird es ihm vergönnt sein, in nicht allzu ferner Zeit in dieser Weise das ganze Kirchenrecht zu bebandeln, vor Allem aber dessen Bedeutung für das Civilrecht, den Process, die Wechselwirkung zwischen dem kanonischen, deutschen und römischen Rechte zum Gegenstande wissenschaftlicher Erörterung zu machen. —

Die Darstellung musste eine juristische sein, ohne aber für den Theologen, sei er auch Laie auf dem Rechtsgebiete, was bekanntermassen trotz der gegentheiligen Sätze des Rechtes jetzt bei hohem und niederem Clerus vielfach der Fall ist, unverständlich zu sein. Wer aber Formularien für Trauscheine u. s. w., Anleitungen für den Pfarrer u. dgl. vermisst; Wer tadelt, dass zu viele Citate für den Geistlichen, unnütze Gelehrsamkeit etc. vorkämen: dem erwiedere ich einfach, dass nur das Recht, nicht Moral oder Pastoral behandelt werden sollte, und dass nur jenes im Berufe des Juristen liegt; dass Formulare u. dgl. Jeder leicht findet, wenn er sie gebraucht, ja ohne übermässige Anstrengung und geistige Befähigung sich selbst anfertigen kann; dass es eine sonderbare Zumuthung sei, dem Clerus die Mittel zum gründlichen Studium zu nehmen; dass neben dem Practischen demselben die Wissenschaft unentbehrlich ist; dass die Diener der Kirche nur durch Wissenschaft ihre äussere Stellung sichern können und fähig werden, ausser dem grossen Haufen noch Andere zu belehren, besonders solche s. g. Juristen und Geschichtsfabrikanten, die aus purer Ignoranz des Rechtes zu blinden Hassern der Kirche, ja der Religion überhaupt, oder zu flachen Aufklärern wurden; dass ein wissenschaftlich gebildeter Clerus auch ohne auf den character clericalis recurriren zu müssen, ein nur den Gläubigen bewegendes Argument, auch bei dem bittersten Feinde sich Anerkennung und Hochachtung erwirbt; dass gerade der Clerus nur durch Wissenschaft und Studium seinen ungleich schweren Stand zu lieben und zu halten vermag, wie denn die grossen Heiligen die Wissenschaft auf's Eifrigste pflegten; dass endlich ein unwissenschaftlicher Clerus für Kirche und Staat und menschliche Gesellschaft überhaupt ein verderbendes Unglück ist. . Was die Anordnung des Stoffes betrifft, so mag sich diese

selbst rechtfertigen. Auffallend erscheint vielleicht die Stellung der „Form der Eheschliessung“. Aber Abwesenheit von Hindernissen ist das Normale und soll auch im Aeussern als solches auftreten; dem Hergebrachten zu Liebe wurden die positiven Erfordernisse unter die Impedimente gesetzt. — Die Aufnahme von Documenten im Texte hat ihren Grund in der Erfahrung, wonach dieselben so besser benutzt werden. Das Versehen, dass einige als Anhänge sich finden, möge entschuldigt werden. Für einige Verschiedenheiten der Orthographie möge die Entschuldigung in

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der Abschrift des Manuscriptes gesucht werden; für die wenigen Druckfehler in der grossen Entfernung des Verfassers vom Druckorte, die nur einmalige Uebersendung zur Correctur möglich machte.

Die Literatur konnte nicht vollständig gegeben werden. Dieselbe gehört nicht hieher. Eine Aufzählung der Werke über Eherecht von Raymundus und Tancredus an würde den Umfang des Buches zu sehr erweitert haben und nur dann vollständig sein, wenn sie sich auf die Casuisten, Moraltheologen, Commentatoren u. 8. W. erstreckte, dadurch aber das Eherecht weit überschreiten. Was dem Verfasser irgend wie zu Gebote stand in den verschiedensten Bibliotheken, ist gelesen, jedoch nur citirt, wo dies einen Zweck haben konnte; zumal oft das Resultat der Durchlesung von Dutzenden von Büchern das war : auch nicht einen neuen Gedanken darin gefunden zu haben. Das Citiren der Originalquellen ist eine Forderung der Wissenschaft. — Für die Staatsgesetze sind, soweit sie nicht auf den Gesetzbüchern selbst beruhen, die bekannten Werke: Für Oesterreich „Samml. der landesfürstl. Ges. u. Verordn. in publ. — eccles. Wien, 1785–1801, 11. Thle., dann die von Jaksch, Goutta, für Baiern von Döllinger, Sachsen der „Codex des sächs. Kirchenr.“ (Richter), Würtemberg die Sammlungen von Reyscher (bez. Lang) u. s. w. gebraucht, deren Anführung zur Ersparung des Raumes unterbleiben konnte, da das Nachschlagen sehr leicht ist. *)

*) Das Tridentinum und die Entscheidungen der Congr. Concilii sind, wo nicht ein Anderes angegeben ist, stets nach dem von Richter und dem Verfasser unter dem Titel: „Canones et decreta Conc. Trid. . . Acced. S. Congr. Card. Conc. Trid. Interpr. Declaratt. ac Resolutt. • . Et Constitutt. Pontificiae recentiores ad jus comm. spect. . . Socio Friderico Schulte edid. Aem. Ludovicus Richter. Lips. 1853. gr. 8. herausgegebenen Werke citirt.

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