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lidum nemus Nympharumque leves cum Satyris chori secernunt populo“. Auch hier führt wieder der Schluss der Ode wie in der vorhergehenden den Dichter bis zu furchtlosem Blick, ja dichterisch an der Seite des Bakchus gesichertem Eintritt in die Unterwelt. Ob die Ode an eine bestimmte äussere Gelegenheit sich anknüpft und an welche, ist nicht ersichtlich.

v. 4. acutas, die von Natur gespitzten Ohren der Satyren machen hier den Eindruck des Zuhorchens. 5. Evoe, Ausruf der Bakchantinnen, in deren Begeisterung hier der Dichter übergeht. metu, wie bei jeder übernatürlichen Erscheinung. 6. turbidum, adverbialisch. 8. gravi, wegen seiner kaum zu ertragenden Wirkung. – 9. fas, die Berechtigung, weil gleichsam vom Gotte selbst aufgefordert, aber eben deshalb auch der eigene innere Drang. – 10-13. die paradiesischen Segnungen des Gottes. iterare sc. carmine referre. 13. Ariadne. 14. Pentheus, König in Theben, Gegner des Bakchusdienstes, wurde durch seine eigene Mutter, die ihn für einen Eber hielt, getödtet. 16. Lycurgus tödtete im Wahnsinn seinen Sohn Dryas und zerschnitt sich dann selber die Schenkel. 20. die thrazischen (Bistonides) Bakchantinnen flochten Schlangen in die Haare. 23. nach der Sage verwandelte sich Bakchus bei diesem Kampfe in einen Löwen. 28. „du warst Derselbe (Ausgezeichnete) inmitten des Friedens und des Krieges“. 29. als Bakchus seine Mutter Semele aus der Unterwelt zurückholen wollte. Uebrigens gibt es auch in den Mysterien noch geheimnissvollere Sagen und bildliche Darstellungen; so auch hinsichtlich des cornu (gewöhnlich als Symbol von Muth u. Kraft).

Od. II, 20. Non usitata. Versmass Alcäisch. Mit dieser Ode wird denn der Schluss einer Sammlung völlig gekrönt; sie enthält das Vorgefühl eines unsterblichen Dichterruhms, durch den der Dichter gleichsam dem Tode entfliehen und verwandelt als singender Schwan über die Länder des Erdkreises umherschweben werde. Hatte der Dichter bei den beiden vorhergehenden Oden dem Tode furchtlos ins Auge gesehen, so erblickt er hier in demselben seine Glorificirung; und wenn bei der vorigen Ode an die „Nymphae cum Satyris“ in der Eingangsode erinnert wurde, so klingt hier das „sublimi feriam sidera vertices triumphirend durch, so dass dem Mäcenas, mit Rücksicht auf jene Stelle in der Eingangsode, hier gleichsam der Dank für die dem Dichter gezollte Anerkennung dargebracht wird.

v. 1. non usitata, wohl besonders mit Beziehung auf die „yra Romana“ des Horaz. 2. biformis, als Dichter di Gestalt eines Vogels verwandelt. — 4. über allen Neid erhaben, von Allen anerkannt. 5. filius libertini. - 7. Dilectege

rade als beliebte Anrede von Seiten des Mäcenas für den Gegensatz bedeutsam und hebend; ein blosses „vocas“, Einladen von einem den man dilectus nennen kann („quem vocas, dilecte Maecenas“) hat wenig auf sich. 9-12. zuerst ein Gefühl in den Füssen, gleichsam von der Erde sich lossagend, dann am ganzen Obertheile die aufstrebende Gesang- und Schwungkraft, und zuletzt die völlige Verwandlung. 13-20. die Kreuz- und Querflüge bei der Aufzählung entsprechen ganz dem Allerweltsgefühle des freischwebenden Dichters; und wie richtig hat er vorgefühlt, wie wir Leser selbst Zeugniss geben.

21. hier die officiellen Klagelieder. 24. supervacuos honores, gegenüber der gewonnenen unsterblichen Ehre.

Drittes Buch der Oden. Od. III, 1. Odi profanum. Versmass Alcäisch. Die sechs ersten Oden dieses Buches (wahrscheinlich in den Jahren 28 u. 27 v. Chr. gedichtet) bilden eine zusammengehörende, geordnete Reihe, wozu die erste Strophe den Eingang bildet. Es nehmen diese Oden einen höheren allgemeinen Standpunkt ein, als die gewöhnlichen mehr persönlich - subjectiven Lieder, obgleich auch sie als echte Lyrik immer wieder in's Subjective zurückkekren. Der Dichter hat sein ganzes Vaterland, ja das gesammte römische Reich, und somit mehr oder minder die ganze Menschheit vor Augen. Er erkennt die allgemeine Versunkenheit, und fühlt den Drang in sich, den Weg zur Wiedergeburt zu zeigen, wofür er zunächst die Jugend in Beruf zieht. Es tragen also diese Oden einen didaktischen Charakter. Dieser wird aber erhöht zum feierlich Lyrischen, indem sich der Dichter gleichsam wie ein Gesandter der Gottheit, wie ein Priester der Musen, also wie ein prophetischer Sänger vorkommt, daher auch die Ungeweiheten, gleichwie vor einem Gottesdienste, abgewiesen werden; und dieser Standpunkt ist es gerade, welcher in der ersten Strophe gezeichnet wird. Die letzte Intention dieser Odenreihe ist auf Augustus gerichtet, wie nämlich nur durch seine einheitlich waltende Hand Heil und Sicherheit zu hoffen sei, und wie von Seiten des Volkes unter seiner Herrschaft vor allem eine sittliche Wiedergeburt erstrebt werden müsse. Die allgemeinen Ideen zieht der Dichter nach seiner Weise gewöhnlich in sehr individuelle Formen und persönliche Situationen, so dass das Feierliche und Allgemeine oft ganz zurücktritt. Dies findet gleich in dieser ersten Ode statt, in welcher, wenn man das Besondere und Bildliche zu den Ideen erhebt, die sich darin offenba in Wahrheit die höchsten Principien der Weltordnung zu Tage treten, also eine Grundlage gewonnen wird, ohne welche der

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Aufbau einer neuen Staatsordnung nicht möglich ist. Diese von Horaz vertretene und seine Gedichte so vielfach durchrankende Weltordnung wollen wir absichtlich hier aus der Ode näher entfalten. Er sagt: „Einer ist der höchste Gott; er herrscht über Himmel und Erde; sein sind die Könige, die auf Erden die Herrschaft führen und wie Hirten aus der Menge hervorragen, als solche von den Völkern zu fürchten sind, aber auch ihrerseits heilige Pflichten tragen; denn Obrigkeit muss sein. Die Gesammtheit aber der Menschen ist im Wesen unter sich gleich; alle sind dem Tode unterworfen, und der Tod nimmt keine Rücksicht; er ist jedem und zu jeder Zeit nahe. Vor dieser Gleichheit verschwindet die manchfaltige Verschiedenheit, die sich in den Loosen der Menschen geltend macht. Reichthum und Besitz, Herkunft und Bildung, Ehre und Ansehen, alles das bildet Verschiedenheit, und diese Verschiedenheit besteht nach göttlicher Ordnung und soll anerkannt werden; aber der Werth dieser Güter erblasset und alles gleicht sich aus vor der Hand der eingreifenden Nothwendigkeit, namentlich des Todes. Und noch mehr! es bringen diese Güter nicht einmal wahres Glück mit sich; der arme Landmann in niedriger Hütte ist oft glücklicher, als der, welcher scheinbar alle Lust und Herrlichkeit der Welt besitzt; denn nur die Tugend und Frömmigkeit (angedeutet durch das Gegentheil impia cervix v. 17) und die Genügsamkeit begründen das Glück des Menschen. Wer aber gottlos ist, der sieht gleichsam immer ein Damokles-Schwert über seinem Nacken hangen, und wer sein Glück im Besitz äusserlicher Güter sucht, wie damals der Luxus der Römer, der jagt vergebens von Besitz zu Besitz, von Begehren zu Begehren, und findet nur immer sich selbst, d. h. seine Aengsten und Schrecken, seine Leidenschaften und Begierden, nimmer aber den Frieden der Seele. Und darum, so schliesst der Dichter nach seiner beliebten persönlichen Weise, warum soll ich nach mehr verlangen, als was ich zu meinem Genügen besitze, warum sollte ich mein Sabinum vertauschen gegen die Sorgen des Reichthums?“ Dieses Individuelle mag denn jeder einzelne auch auf seine Individualität anwenden. Die scheinbare Herabstimmung der Ode ist echt horazisch und durchaus nicht störend; denn die ernstesten Wahrheiten sollen ja die Natur des Menschen nicht aufheben, sondern sie veredeln, und die Natur selbst zwingt den Menschen, auch nach den heiligsten Stunden in den Gang des Tages und die gewöhnlichen Umgebungen und Verrichtungen wieder einzutreten.

v. 1-2. religiöse Ritual-Ausdrücke. - 11. Campus Martius, als Bewerber bei Wahlen. 18. Sicilische Gastmähler sprich

wörtlich für feinste, leckerhafte. 24. Tempe neutr. plur. τέμπεα. . 27. Arcturus (Bärenhüter) Hauptstern im Sternbild Bootes; haedi, zwei Sterne im Sternbilde des Fuhrmanns; es ist die Zeit des Spätherbstes. 33. die grossen Anbauten in's Meer hinein. 41-44. Marmor, Purpur, kostbare Salbe, Gegenstände des Reichthums und Luxus.

Od. III, 2. Angustam amice. Versmass Alcäisch. Nach dem Entwurf der allgemeinen Weltordnung wendet der Dichter nun den Blick auf die heranwachsende Jugend und stellt als Zweck und Massgabe ihrer Erziehung folgende drei, immer gültigen, Principien auf: 1. Hingabe an’s Vaterland, durch frühzeitige Abhärtung und Disciplinirung, heldenmässige Tapferkeit, und Aufopferungsfähigkeit bis zum Tode; 2. die eigentliche Tugend, die festgegründete Sittlichkeit, die da nur auf dem eigenen Werthe fusset und nicht nach äusseren Ehren und leerem Scheine geizet; 3. Religiösität, treues Festhalten an allem Heiligen bis zu den stillen Mysterien; den Gottverächter trifft die Strafe unausbleiblich.

v. 3. den flüchtigen Parthern (gemäss ihrer Kriegsführung) war nur zu Ross beizukommen. 6-12. Homerische Scene. — 17. nescia repulsae, weil sie nicht geizend um honores sich bewirbt. 23. gemeine Clubbs. 26. die Mysterien der Ceres besonders heilig gehalten, daher hier für das Religiöse überhaupt.

Od. III, 3. Justum et tenacem. Versmass Alcäisch. Hat die vorige Ode besonders die Heranbildung der Jugend im Auge, so steht in der vorliegenden der fertige Mann, der fertige Römer da. Gleich in den ersten Worten wird derjenige Charakterzug der Römer hervorgehoben, wodurch ihre Herrschaft besonders gegründet und über den Erdkreis ausgebreitet worden; es ist die Beharrlichkeit auf dem Boden der Gerechtigkeit (nur der Gerechte kann wahrhaft beharrlich sein), WOdurch sie alle Gefahren überwanden und gleichsam selbst den Zorn der Götter beschwichtigten (wie Goethe sagt: „Nimmer sich beugen, kräftig sich zeigen, rufet die Arme der Götter herbei“). Dieses Gewinnen der himmlischen Mächte durch jene echt römische Tugend wird concentrirt in der Versöhnung der Juno, als der unversöhnlichsten Feindin Roms; daher wird dichterisch so lange bei ihrer Rede, als der Trägerin der Hauptidee verweilt. Fühlbar aber hat diese Rede auch wohl noch

d. h. äussere historische Beziehung, und diese findet sich in einem damals gewiss öfter angeregten und selbst dem Cäsar schon zugeschriebenen Gedanken, den Mittelpunkt der römischen Herrschaft nach Osten zu verlegen und so gleichsam nach der Wiege des römischen Volkes, nach Troja, zurück

eine engere,

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zukehren. Davor nun warnt eifrig, ja mit der Gewalt eines Propheten, der Dichter, und gewiss mit Recht; denn schon damals war es oft genug erlebt worden, dass, wer länger in Osten verweilte, der orientalischen Ueppigkeit und Verweichlichung anheimfiel. Antonius gewiss ein mahnendes Beispiel.

v. 9. Repräsentanten der Heroen, die den Himmlischen zugese lt wurden (schönster Lichtglanz auf Augustus, welchen Ehrentitel Octavian im J. 27 erhielt). 13. Bacchus, gleichfalls Heros als Sohn einer sterblichen Mutter, siegreich über materielle Gewalten. 15. Romulus als Sohn des Mars zum Himmel erhoben. 22. Laomedon, der dem Neptun und Apollo den versprochenen Lohn für die Erbauung der Mauern nicht erstattete. 29. ductum, in die Länge gezogen.

31. Romulus, Sohn der Ilia und des Mars, des Solins der Juno. 41. Beschimpfung der Gräber. 46. das Mittelgewässer, Mittelmeer, im Westen und Osten, wie v. 55-56 Süden und Norden.

61. Erneuerung Troja's im Beginn und Ende unglückselig.

69. die plötzliche Horazische Wendung, und zwar an bedeutsamster Stelle, wo viel übrig bleibt für Phantasie und Nachdenken.

Od. III, 4. Descende coelo. Versmass Alcäisch. Eine äusserst fein angelegte Ode, insofern die Hauptidee und Intention so recht dichterisch aus Concretem und Individuellem erwächst. Die Hauptidee (die, wie so oft bei Horaz, sich gerade in der Mitte der Ode concentrirt) ist nämlich, dass das geistige Leben den Vorzug habe vor dem materiellen, dass rohe Gewalt ohne Besonnenheit zuletzt sich selbst stürze, und dass gerade Augustus es sei, der mit der Kraft nach aussen zugleich das geistige Leben zu fördern wisse, also der wahre Retter für das römische Reich sei. Die Vertreter des geistigen Lebens sind dem Dichter die Musen, und die rechte Vereinigung des Geistigen und Materiellen schildert er in dem Auftreten der neuen Götterwelt unter Juppiter gegen die rohe Gewalt der Giganten und Titanen. Das poetische Motiv entnimmt er aus seinem eigenen Verhältnisse zu den Musen, die ihn von Jugend auf in Schutz und Pflege genommen; und so ist denn auch gleich beim Beginn der Ode sein Herz voll von Gesangeslust, so dass er im Geiste ein langes Lied vor sich sieht und die Königin der Musen, die Kalliope, herabruft und sich sofort selbst in den Hain der Musen versetzt fühlt, gleichsam entrückt dem alltäglichen Leben in die Welt des Geistigen.

v. 1. Calliope, die vorzüglichste der neun Musen; im engeren Sinne für das ausgedehnte Epos. – 9. fabulosae, sagenreich, wie die Tauben so vielfach in sinnbildlicher und geheimnissvoller Verwendung erscheinen; schon bei der Sündflut. 9-10. Latein-Dichier. III.

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