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auf welches nun der Ruhm des Dichters mit übergeht, um so wahrer und inniger. 14. sume etc. dankbar demüthige Anerkennung des Dichters, dass er nur durch die Muse geworden, was er geworden.

Viertes Buch der Oden. Ueber die Abfassung und Herausgabe des vierten Buches der Oden auf besondern Wunsch des Augustus s. im Leben des Horaz S. 6. Indem nun Horaz bei seinem vorgerückten Alter (er war ein Fünfziger) wieder zur Lyra greifen soll, fühlt er sich, wie das in solchen Fällen bei Dichtern natürlich ist, wieder in seine ersten poetisch erregten Jugendzeiten zurückgerufen, wofür er doch jetzt kein Herz mehr habe, sondern nur wehmüthige Erinnerungen in sich trage. Das spricht die hier nicht aufgenommene 1. Ode dieses Buches aus, die gleichsam als Entschuldigung für etwaige Mängel seiner neubeginnenden Lyrik dienen soll. Zugleich mischt er einige recht absichtlich dafür herausgewählte Jugendgedichte ein (Od. 10-13), theils als Gegensatz zu seiner jetzigen Dichtart, theils um nicht das ganze Buch lediglich um Augustus und seine Wünsche sich winden zu lassen.

Od. IV, 2. Pindarum quis quis. Versmass Sapphisch.

Augustus war bei den wiederholten Einfällen der Germanen im J. 16 v. Chr. selber nach Gallien gezogen und hatte sie in ihre Gränzen zurückgedrängt. In Rom erwartete man ihn sehnsuchtsvoll zurück; es währte aber 3 Jahre, ehe er in Gallien und Spanien alle Angelegenheiten geordnet hatte. Bei der Nachricht von dem Siege über die Sigambrer und der demnächst erwarteten Rückkehr hatte Julus Antonius, Sohn des

Triumvirs und selbst Dichter eines Epos üder Diomedes, den Horaz aufgefordert, den Augustus in einem Chorgesange nach Art des Pindar zu feiern. Darauf antwortet der Dichter mit dieser Ode, indem er einerseits die unerreichbare Grösse des Pindar zeichnet (selber mit Pindarischem Schwunge), und dann, nach Gegenüberstellung seiner eigenen Schwäche (gerade in der Mittelstrophe), die Grösse des Augustus dadurch hervorhebt und steigert, dass er die Verherrlichung desselben dem Antonius, als Dichter eines heroischen Epos, überweiset, ähnlich wie in Ode I, 6 Agrippa und Varius' zusammengestellt werden. Während also Horaz die Aufgabe von sich weiset, erfüllt er sie desto vollgültiger.

v. 1. Pindarum, der Name gleich an die Spitze gestellt; mit gleicher Färbung Jule: „Ja, den Pindar, mein lieber Julus“.

v. 2. die Sage von Ikarus, wovon das Ikarische Meer den Namen hat. 5. man denke an Schillers Lied: Macht des Gesanges. 7. Fülle des Ausdrucks und Tiefe des Gehalts. 10-24. Pindar schrieb 1. Dithyramben, 2. Hymnen (auf Götter and Heroen), 3. Epinikien, Siegsgesänge auf die Sieger bei den Spielen, 4. Klaggesänge (prvol). 25. Dirce, Quelle bei Theben, von wo Pindar gebürtig. levat, mit weiten und starken Schwingen (des Gesanges), im Gegensatze zur Biene. 27. Matinae, treffend gewählt, weil sowohl auf die Güte des dortigen Honigs, als die apulische Heimat des Horaz deutend.

35. Triumphzug aufs Capitolium. 41. die festlichen Tage während der Triumphzeit. 50. teque ist die einzig verbürgte Lesart, und procedis das treffendste Wort für den Triumphzug; die Anrede io Triumphe, ist bereits eingeleitet durch die Anrede, o sol. Vgl. Epod. 9, 21. 54. die genaue Beschreibung, also die sorgfältige Wahl des Opferkälbchens drückt die Innigkeit aus, womit Horaz das Seinige darbringt.

Od. IV, 3. Quem tu Melpomene. Versmass Asclep. II.

Der Dichter ist im Vollgefühl seines Dichterruhms, vor dem nunmehr sogar der Neid verstummen muss (vielleicht in Folge der von Augustus ausgegangenen Veranlassung zur Herausgabe des 4. Buches). Und so hat er denn erreicht, was von Jugend auf sein Höchstes war (vgl. Od. I, 1). Beides aber, die hingebende Liebe zur Poesie wie das ruhmgekrönte Gelingen seines Bestrebens erkennt der Dichter in Demuth als das Werk der Muse an, als Beruf und Gabe von oben. Und so mag auch jeder andere höhere Beruf in dieser echten, vielfach nachgeabmten Dichterode sich wiederfinden.

v. 1. Melpomene für Muse überhaupt. „Wer wahrhaft zum Dichter berufen ist, den reizt kein andrer Ruhmesglanz, nicht griechisches Kampfspiel, noch römischer Triumph“. 12. Aeolio, mit Rücksicht auf Horazens Vorbilder, Alcäus und Sappho. 18. Pieri, griechische Form ; Muse, vom Berg Pierus in der Nähe des Olympus. Die Kunst und Macht der Muse wird treffend gezeichnet. 23. echte Bezeichnung für Horaz als den römischen Lyriker nach griechischem Vorbild. 24. spiro; die Lyrik ist ein Ausathmen innerer Begeisterung; anders beim Epiker. Zu vergleichen Od. II, 16. 38; besonders aber Od. IV, 6, 29-30. spiritum, artem, nomen, innere Ben geisterung, gefällige Kunst, Dichterruhm.

Od. IV, 4. Qualem ministrum. Versmass Alcäisch. Die Ode bewegt sich in Pindarischem Schwunge, mit fein überlegter Composition. Der Dichter scheint alle seine Kraft zusammengenommen zu haben, um dem Verlangen des Augustus, die Siege seiner beiden Stiefsöhne Drusus und Tiberius über Rhätien (16 v. Chr.) verherrlicht zu sehen, zu genügen. Drusus, der hier zunächst hervortritt, schlug zuerst die Vindelicier im nördlichen Theil von Rhätien, jetzt meist Bayerisch) im Frühjahre; im Herbst drang von einer andern Seite Tiberius in das südlichere oder eigentliche Rhätien (R. propria, jetzt zu Schweiz und Tyrol) ein; s. 0. IV, 14. Von dem Factum des Sieges ausgehend, dessen Schilderung wie ein Bergstrom hinrollt, zieht der Dichter in die jugendliche (23jährige) Heldengestalt den mit wirkenden Geist des Augustus herein und leitet dann durch zwei markig-sententiöse Strophen (v. 29-36) auf das gesammte Geschlecht der Neronen über, um mit ihnen und so auch mit Angustus und seinen Nachfolgern die unbesiegbare Hoheit Roms in Verbindung zu setzen, die er aus dem Munde des grössten Römerfeindes, des Hannibal, so unübertrefflich charakterisiren lässt. Dieser Ode zur Seite steht Od. IV, 14.

v. 1. der Adler, der dem Juppiter die Blitze bringt, nachdem er zuvor den schönen Ganymedes (Sohn des Tros) ihm als Mundschenk in den Himmel geholt hat. 13. Zweites Bild, von Seiten der erschreckten Feinde, wie das erste von Seiten des anstürzenden Siegers. 17. Raeti Vindelici, S. oben. 19. bedeutsames Verweilen bei der uralten, damals vielleicht sagenreichen Herkunft des bis dahin unbesiegten, unnahbaren Volkes. 38. Sieg des Consuls C. Claudius Nero über Hasdrubal im 2. Pun. Kriege beim Metaurusfluss in Umbrien (207). 42. treffende Vergleiche für den vorwärts stürmenden Hannibal. 48. rectos (erectos und proprios), schön gewähltes Wort. 53. aus Feuer und Wasser gerettet. 57-60. treffender Vergleich. Algidus, waldreicher Bergzug von Tusculum gen Präneste. 61. der bekannte Kampf des Herkules mit der Lernäischen Schlange. 63. die Drachensaat des Jason in Colchis und die des Cadmus in Theben. 73. schöne Rückkehr zu den Heldenhänden der jungen Neronen und der weisen Leitung des Augustus unter dem über Alles waltenden Schutze des Himmels.

Od. IV, 5. Divis orte bonis. Versmass Asclep. III. Eine Ode voll der tiefsten Innigkeit, wie sie Augustus von dem etwas spröden Horaz wohl kaum für sich erwartet hatte, und wodurch somit auch in dieser Hinsicht dem Verlangen des Augustus nach Herausgabe dieses 4. Buches der Oden aufs glänzendste genügt wurde. Die Sehnsucht nach der Rückkehr eines abwesenden geliebten Herrschers, der dem Lande den Frieden und dem Volke die Wohlfahrt wiedergegeben, kann nicht wärmer ausgehaucht und nicht schöner abgeprägt werden. Selbst die Sprache wird hin und wieder kindlich einfach aus Innigkeit, wie gleich v. 2. das äusserlich farblose „abes jam nimium diu.

v. 8. ,,selbst die Natur freut sich mit und wird schöner.“

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mane.

9. äusserst inniger und ebenso zart, wie anschaulich durchgeführter Vergleich. juvenis, vgl. Od. I, 2, 41. – 10. Carpathium, zwischen Rhodus und Creta. – 14. curvo, also mit den Blicken alle Krümmungen durchsuchend 18. Faustitas, Segen und Gedeihen. 20. metuit, also in sich selbst festgegründet und jeder culpa widerstrebend. 21-24, bei solchen Aufzählungen immer die schöne Variation zu beachten.

27. alterae mensae, der Nachtisch, der mit einer religiösen Weinspende begann. 31. Castor und Hercules als Repräsentanten der vergötterten Heroen; so Pollux und Hercules Od. III, 3, 9. 33. ferias, erweckt die Vorstellung, als wenn die ganze Regierung des Augustus ein fortdauernder Festtag wäre. 34. integro, wo der Tag noch ganz vorliegt, also

35. sicci, also recht mit Bewusstsein, wie gegenüber uvidi, in fröhlicher Erregtheit. - 36. schöner Schluss; gleich als wenn auch in der Nacht Augustus wie eine Sonne leuchte.

Od. IV, 6. Dive quem proles. Versmass Sapphisch. – Horaz hatte den Auftrag, für die grosse Säcularfeier im J. 16 den Festgesang (das Carmen saeculare, an Apollo und Diana) zu verfassen, der von einem Chor auserwählter Knaben und Mädchen vorgetragen wurde. In dieser Ode nun bittet der Dichter den Apollo um Beistand, dass die ganze Chorfeier gelingen möge, daher er zuletzt sich auch an den Chor selber wendet. Einen bedeutsamern Gehalt und Hintergrund aber, und, wie sich's gebührt, mehr selbständigen Charakter empfängt die Ode durch die Beziehung, in welche Apollo mit Troja als der Wiege des römischen Volkes gesetzt wird; er ist gleichsam der erste Begründer desselben; dadurch wird dem Apollocult und dessen Einführung in die Säcularfeier Vorschub geleistet, während früher die Götter der Unterwelt dabei verehrt wurden; gleich die erste Strophe zeichnet die würdigsten Züge eines staatlichen Schutzpatrons.

v. 1. die bekannte Sage von Niobe und ihren vielen Kindern. 2. Tityos, wollte mit Gewalt die Latona entführen (raptor). 3. Achilles, Sohn der Meergöttin Thetis, aus Phthia in Thessalien gebürtig. 5. „allen im Kampf überlegen, nur dir nicht gewachsen.“ 11. procidit, durch die Pfeile des Apollo (von Paris abgeschossen). 12. Teucro, i. e. Troico. 12 etc. „Achilles würde nicht durch List bei Nacht die Trojaner überfallen, sondern gewaltsam alles vernichtet haben, so dass niemand entkommen wäre“, also auch Aeneas (Sohn der Venus) nicht, der Stammvater des römischen Volkes.

23. potiore alite, melioribus auspiciis. 25. hi erst beginnt die nähere Beziehung Apollo's zum Dichter. argutae, bedeutungsreiches Adjectiv zur Charakterisirung der griechi

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schen Poesie, hier durch Thalia repräsentirt. 26. Xanthus in Lycien, wo der Apollocult blühete: lavis, von lavěre. — 27. Dauniae, Apulien (Rom, Horaz). 28. Tēvis, imberbis, immer jugendlich; Agyieus als Schutzgott der Strassen (äyulai), an denen, besonders zu Athen, seine Bilder standen. 29. dichterische Begeisterung, dichterische Darstellungskunst, und somit Dichterruhm; vgl. Od. IV, 3, 24. 31. primae, die auserwähltesten; s. Carm. saec. 35. Lesbium, die äolische Poesie von Alcäus und Sappho. 38. Noctilucam, Diana als Mondgöttin. 41. schöner Schluss für die Natur junger Mädchen. 42. doch gewiss nicht nach 110 Jahren! sondern bei ernenierten grossen Festlichkeiten im Laufe des neuen Saeculum.

Od. IV, 7. Diffugere nives. Versmass Archilochisch; Hexameter mit dactyl. Trimeter catalect. in syllabam. Diese Ode an Torquatus (wohl derselbe wie Epist. I, 5, übrigens nicht näher bekannt) hat viel Verwandtschaft, sowohl in ihrer ganzen Anlage, als sogar in einzelnen Wendungen und Ausdrücken mit Od. I, 4 (Solvitur acris hiems), ist gerade wie jene an den Eintritt des Frühlings geknüpft und geht ebenso über in eine Betrachtung der Eitelkeit und Vergänglichkeit alles Irdischen mit einer daran geknüpften Mahnung zu raschem, heiterm Lebensgenusse, der denn natürlich nicht in Saus und Braus, sondern für eine höhere geistige Auffassung in einem weisen und thätigen Ergreifen und Benutzen des Augenblicks besteht, ohne langwierige Pläne und Sorgen für bloss irdische Zwecke, welche letztere sich am schärfsten in Habgier und Geiz abprägen und darin auch bei Horaz gewöhnlich ihr Bild finden. Die Aehnlichkeit der beiden Oden geht so weit, dass selbst die Stelle der Anrede, Sesti, Torquate“ übereinstimmt.

V. 1. nives im Gegensatze zu dem Grün des Grases und Laubwerks. 3. mutat vices, mutatur per vices, wechselt ihre Gestalt.

4. praetereunt, treten also nicht über. 5. 8. Od. I, 4. 10. simul, simulac. 13. die Mondwechsel. 19. amico animo, dem eigenen lieben Herzen (genio indulgere).

21. splendida, wegen der Erlauchtheit des Minos, gleichsam majestätskräftig. - 26. Hippolytus, welcher den Nachstellungen seiner Stiefmutter Phädra entging und darum ein Liebling der jungfräulichen Diana war. 28. Pirithous, welcher die Proserpina entführen wollte und darum in unterirdische Bande geschlagen wurde; also gegentibergestellt der Freyler und der Fromme, der Heros und die Göttin.

Od. IV, 8. Donarem pateras. Versmass Asclep. I.

Auch bei den Römern war es Sitte, sich gegenseitig Geschenke und Angebinde (strenae), ursprünglich ganz einfache, später sehr kostbare, namentlich Kunstwerke, darzubringen,

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