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Die E poden. Die Epoden gehören mit den Satiren zu den frühesten Gedichten des Horaz. Das Nähere darüber, sowie über den Namen, s. im Leben des Dichters S. 7.

Epod. 1. Ibis Liburnis. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Mäcenas, dem auch hier das erste Gedicht der Sammlung gewidmet ist, wollte den Augustus bei dem Feldzuge gegen Antonius und Kleopatra (31 v. Chr.) begleiten; der Dichter will sich lieber trotz der Gefahren mit anschliessen, als getrennt von Mäcenas seiner Musse leben. Uebrigens blieb auch Mäcenas zurück, indem er für die Abwesenheit des Augustus die Verwaltung Roms und Italiens übernahm. Der Schluss des Gedichtes wirft einen iambischen Seitenblick auf die schmähsüchtigen Neider des Dichters. v. 1. Libur. nis, leichte, behende Schiffe, die den grossen ägyptischen Schiffsbollwerken (propugnacula) in die Seite stiessen. 27. Die heissen Calabrischen Weiden wurden zur Zeit der Hundstage (sidus fervidum) mit den kühlen Lucanischen gewechselt. 30. Tusculum, von Telegonus, dem Sohne der Circe, erbaut.

33. Chremes, ein alter Geizhals in einer Komödie des Menander.

Epod. 2. Beatus ille. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Lob des Landlebens, im Einzelnen mit schönstens gezeichneten ländlichen Bildern, aber aus dem Munde eines städtischen Kapitalisten und Wucherers (Alphius v. 67), den in Folge geschäftlicher Verdrüsslichkeiten die Lust zum Landleben anwandelt, freilich nur als vorübergehende Laune, wie das ja auch heutzutage noch vorkommt. Nur paradiesisches Vergnügen und Behagen, mit einiger vergnüglichen Beschäftigung, wird gesucht, und der kundige städtische Küchenzettel (v. 49-54) lässt voraussehen, dass auch der städtische Appetit bald wiederkehren wird, der sich ohnehin schon bei dem feinen Obst und dem erjagten Wildpret angekündigt. Ein Wucherer Alphius aus dieser Zeit wird bei Columella (,,de re rustica“) erwähnt. v. 21. Priapus, Schutzgott der Gärten, Silvanus der Felder und Triften. - 49. fette Austern aus dem Lucrinersee. 51. Fische aus dem orientalischen (Eois) Gewässer durch Sturm in's tyrrhenische Meer verschlagen. 69. Calendae und Idus die zwei Haupttermine des Monats für Einziehen und Anlegen der Gelder.

Epod. 4. Lupis et agnis. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Ein echtes Wurfgedicht gegen einen stolzen hochfahrenden Emporkömmling, der es durch Glück aus dem Sklavenstande bis zum Kriegsobersten und zu grossem Reichthum gebracht hat, aber nicht zur wahren Noblesse. Zu einer Zeit,

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wo ein Sextus Pompejus, seine Flotte mit Seeräubern und Sklaven bemannte, mochte es solcher Emporkömmlinge wohl viele geben, daher es eigentlich überflüssig ist, zu fragen, ob ein gewisser Vedius Rufus, oder der historisch bekannte Pompejus Mena hier gemeint sei, wenn die damalige Zeit auch mit Fingern auf ihn zeigte. v. 3. Ibericis, von spanischem Pfriemengras. 7. Sacra via, breite Strasse vom Amphitheater zum Forum und weiter zum Capitol, immer besucht von Spazierenden. 8. das handschriftliche bis ter zuerst von Barth (1587-1658) in bis trium geändert, also einfach als grammatischer Schnitzer behandelt, was immerhin bedenklich; (vielleicht lässt der Begriff von ulna auch MultiplicativAuffassung zu, quoties ?). - 11. die triumviri capitalesverfügten über schwere Verbrechen und Körperstrafen. 12. praeco, der Ausrufer des Verbrechens und der Strafhiebe. 16. Otho, Volkstribun 67 v. Chr. setzte den Census für die Ritterplätze im Theater fest (400,000 Sest. = 20,000 Thlr.) contempto; despectirlich, weil sein Vermögen viel grösser war.

Epod. 6. Quid immerentes. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Gegen einen frechen Schmähsüchtigen, der überall angreift, wo er keinen gewachsenen Gegner vermuthet und so lange ihn nicht Eigennutz zurückhält. Daher fordert ihn der Dichter heraus, es einmal mit ihm zu versuchen; er werde ihn zu hetzen wissen, wie ein Molossischer oder Lakonischer Hirtenhund, und werde ihn zur Verzweiflung bringen, wie Archilochus mit seinen Iamben den Lykamves, der ihm seine Tochter versagt hatte, und wie Hipponax mit seinen Hinkjamben (Choliamben) den Bildhauer Bupalus, der ihn als hässliche Carricatur dargestellt hatte. Ob in der Epode der von den Scholiasten angegebene Redner Cassius Severus gemeint sei, bleibt fraglich.

Epod. 7. Quo, quo scelesti. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Mahnruf an die Römer im Getümmel der Bürgerkriege, die wie unter schwerem Verhängniss, gleichsam als Blutschuld für den Brudermord des Remus, womit Roms Gründung begonnen, sich immer wieder erneuerten. Welcher Moment eines neuen drohenden Ausbruchs hier gemeint sei, bleibt unsicher und ist zum Verständniss nicht nöthig.

Epod. 9. Quando repostum. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Wie die Ode „Nunc est bibendum“ (1, 37) auf die Nachricht von dem Tode der Kleopatra gleichsam zum bacchantischen Ausbruch kam, so ist diese Epode auf die erste Nachricht vom Siege bei Actium entstanden, wo die Verfolgung des Antonius nach Aegypten noch nicht in's Werk gesetzt war. Wo Horaz verweilt, ist nicht ersichtlich; viel

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V. 3.

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leicht an einem Badeorte, wo er für sein gutes Geld die flotten Weinbefehle am Schlusse der Epode) ertheilen kann. Sein Hauptverlangen aber im Vollmass der Freude über die glückliche Nachricht ist nach Mäcenas gerichtet, dem die Epode gewidmet wird; der dortige Cäcuber (v. 1), an des Freundes Seite und für solches Freudenfest besonders verwahrt, wird anders munden als der Cäcuber in v. 36. domo sc. Maecenatis. 7. Neptunius , Sextus Pompejus, der sich Sohn des Neptun nannte, von Agrippa im J. 36 bei Messana geschlagen. 10. servis, womit er seine Schiffe bemannt hatte. 11. Romanus, allgemein: „ein Römer!" 12. feminae, Cleopatra, in deren Umgebnng zugleich einflussreiche Eunuchen (spadones). 18. Galli , die von Antonius abfallenden Galater. 20. aus dem Hafen von Actium links nach Süden.

24. ducem , Marius. 26. sepulcrum, bildlich. 27. hostis, Antonius. punico, purpurn.

30. suis, secundis, amicis. 35. fluens nausea, vomitus in Folge des vielen und süsslichen Weines; Gegenmittel der kräftige Cáchuber. Epod. 10.

Mala soluta. Versmass iamb. Trimeter mit Dimeter. Nachruf an den elenden Dichter Mävius (ein desgleichen war Bavius), als derselbe eine Seereise antrat. Die Stärke der Verwünschungen zeigt, dass mehr Laune und literarisches Gericht, als 'eigentlicher Hass obwaltet. Die beiden Namen Mävius und Bavius sind zu typischen Gattungsnamen für schlechte, eingebildete Dichter geworden. Bei Virgil in der 3. Ecloge heisst es: Qui Bavium non odit, amet tua carmina, Maevi. v. 1. mala alite, sc. omine. 14. Ajacis, Oileus Sohn, der Verfolger der Cassandra; daher impiam. 21. praeda sc. corpus, cadaver Maevii. 23. als vollgültiges Dankopfer.

Epod. 13. Horrida tempestas: Klangvolles Versmass; Archiloch. II; 1. Hexameter, 2. iamb. Dimeter mit daktyl. Trimeter catalect. in syllabam. Die Verse 7-8 zeigen, dass das Gedicht sich an bestimmte missliche Verhältnisse knüpft, worüber ein Kreis von Freunden, sei es bald nach der Schlacht von Philippi, oder später bei Mäcenas vor den Rüstungen gegen Antonlus und Kleopatra, sich in trüben Gesprächen verliert. Damit harmonirt denn auch das düstere stürmische Winterwetter; der Dichter aber, der weiter schauet, benutzt gerade dieses zur Aufforderung, alle trüben Gedanken wegzuscheuchen und dem unfreundlichen Wetter gegenüber sich einem festlich heitern Gelage hinzugeben; zur rechten Zeit werde schon alles wieder in die rechte Ordnung kommen. Verwandt ist Od. I, 9. — v. 6. tu, derjenige, wobei die Freunde

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versammelt sind, der Thaliarch. Torquato, unter dessen Consulate Horaz geboren war. 8. Achaemenio, Persisch, für kostbar orientalisch überhaupt. 9. Cyllenea, weil Merkur auf dem arkadischen Berge Cyllene geboren. 11. Centaurus, nämlich Chiron, der Erzieher des Achilles, Sohns der Meergöttin Thetis.

13. parvi; aber wie er als Bergstrom anschwellen kann, hat Achilles erfahren; Il. 21.

Epod. 16. Altera jam teritur. Versmass Pythiambic. II. Hexameter mit iamb. Trimeter. Voll Unmuths über die sich immer erneuernden Bürgerkriege, wodurch das von aussen unbezwingliche Rom sich selbst zu Grunde richte, fordert Horaz die Römer, oder doch den bessern Theil derselben (v. 37), auf, lieber auszuwandern, wie einstens die Phocäer (welche um 600 v. Chr. Massilia gründeten), und zwar unter schwerem Eidschwur, nie wieder zurückzukehren, wogegen der Dichter ein Land verspricht, das als ein paradiesisches Utopien (die seligen Inseln) geschildert wird, wodurch denn natürlich die Idee der Auswanderung ihren Ernst verliert und nur als Ausdruck des höchsten Unwillens über das Treiben in Rom sich offenbart. Ein wirkliches Verlassen der ewigen Roma konnte kein Römer sich denken. v. 1. altera, nach Marius und Sulla. 7. caerulea, geht auf die Augen. 13. Quirini; ein Grab des Romulus wurde auf dem Forum nahe bei der Rednerbühne gezeigt. 28. Matinus, Berg in Apulien, also weit und scharf getrennt vom Po. 53. die Argonautenfahrt; Colchis, die Medea. 55. Sidonii ; die phönicischen Handelsfahrten.

Erstes Buch der Satiren. (Ueber Name, Charakter und Abfassung der Satiren s. in Leben des Dichters S. 6. u. 7.)

Sat. I, l. Qui fit Maecenas. Die erste Satire ist dem Mäcenas gewidmet, gleich der ersten Ode, Epode und Epistel. Sie handelt über die Unzufriedenheit der Menschen und über deren Quelle, die Habsucht. Die Anlage ist folgende: ,Wie kommt es doch, dass niemand mit seinem Loos und Stande zufrieden ist? jeder wünscht sich einen andern Stand (Beispiele), und doch würde er ihn schwerlich annehmen, wenn der Wechsel ihm angeboten würde, Fragt man nun den Einzelnen, warum er sich in seinem Stande so abmühe, so heisst es: „Um mein Auskommen im Alter zu haben. Aber das ist der wahre Grund nicht; je mehr erworben wird, desto grösser wird die Begierde nach Mehr, und desto tiefer wurzelt sich das unselige, verstockte Laster der Habsucht ein. Und so

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ist Habsucht allein die Quelle der Unzufriedenheit (v. 108), nach welcher v. 1. gefragt wurde.“

v. 1. quam, sc. illa sorte, quam. 2. ratio, Ueberlegung, also freie Wahl. 8. „in der Schlacht schneller Tod oder Sieg“. 10. Vor Tagesanbruch kommen schon Rathfrager. – 11. datis vadibus, wegen gestellter Bürgschaft muss die lästige Reise zur Stadt gemacht werden. 14. Fabius, ein nicht näher bekannter Stoiker, mit weitläufiger Schreibart. 21. „vor Zorn die Backen aufblasen.“ 23. qui jocularia sc. percurrit. 27. seria, also ernstlich nach dem wahren Grunde suchen; was im Folgenden mit philosophischem Ausholen und einer „,deductio ad absurdum" geschieht. 29. perfidus, durch Uebervortheilung; der caupo hier vielleicht absichtlich statt des gleich geldgierigen juris consultus in v. 17. nautae sc. mercatores. 30. mente, Absicht. 33. magni laboris, laboriosa. 36. die trübe Winterzeit, wann die Sonne in's Zeichen des Wassermanns (Aquarius) tritt, nach Neujahr, Jahreswende. „Die Ameise handelt recht, aber du (v. 38) kommst nie zu weisem Gebrauche, bleibst ewig am Sammeln, damit nur ja keiner reicher sei als du." 40. dum, modo, dummodo. 42. redigatur sc. illud argenti pondus et auri, „da möchte das Gold wohl bald zum As werden.“ 45. millia sc. mediorum, Scheffel.

47. die Sklaven, die das Brodnetz tragen, erhalten bei der Austheilung, picht mehr, als die übrigen. 51. At; „nun ja, es soll auch Gebrauch vom Besitz gemacht werden; aber es ist doch angenehm, einen grossen Vorrath dafür zu haben.“ 52. dum, dummodo. 53. cumerae, kleinere Kornbehälter; granaria, grosse Kornspeicher. 55-58. Bildlich: Wer lieber aus grossen Strömen, als aus kleinen Quellen trinkt, der läuft Gefahr, trübes Wasser zu trinken, oder gar vom Strome mitfortgerissen zu werden.“

59. eget subjectiv, daher „begehren", opus objectiv. – 61. „Die Hab

; sucht verblendet bis zu dem Wahne, als ob der Mensch nur so viel werth sei, als er besitze. Einem solchen verstockten Wahne ist nicht beizukommen; man muss ihn seiner eigenen Qual überlassen, die wie eine Tantalusqual ist, der da Wasser genug vor sich sah, aber es sich nicht zu Gemüthe führen konnte.“ 75. naturgemässe Bedürfnisse. 80. „Bei Gesundheit in Aengsten, bei Krankheit keine liebende Pflege.“ 88. „Verwandtschaft gibt die Natur; aber um treue Liebe der Verwandtschaft muss man sich bemühen; oder meinst du, ein solches Bemühen sei umsonst, und deine Verwandten seien wie Eselchen, die man für die Rennbahn zurichten wolle? o nein! sie werden wie edle Rosse dein Bemühen entgelten und deinen Wünschen entsprechen“. 91. parentem, obedientem,

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