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1871

LEN

G H

DEM FREUNDE

UND GENOSSEN SEINER JUGEND

HERRN

PROFESSOR DR. F. DIETRICH

ZU MARBURG

WIDMET

DIESE SIEBENTE AUFLAGE

IN LIEBE UND FREUNDSCHAFT

DER VERFASSER.

VORREDE.

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Von der sechsten Auflage meiner Erklärung der Oden und Epoden des Horaz sind mir drei Recensionen bekannt geworden: in den Heidelberger Jahrbüchern 1868 Nr. 25, in der Wiener Allgemeinen Literatur - Zeitung 1869 Nr, 31, und in der Berliner Zeitschrift für das Gymnasialwesen XXIII. 135—145 und 349–358. Diese letzte Recension, verfasst von dem Herrn Professor Dr. Hirschfelder in Berlin, habe ich vom Anfang bis zum Ende mit steigender Verwunderung gelesen, und will derselben jetzt etwas näher treten. Denn ich erachte es für geboten, diese Recension einmal in ähnlicher Weise zu beleuchten, wie ich es vor funfzehn Jahren mit der Recension der ersten Auflage gethan habe, welche anno 1854 in ebendieser Zeitschrift ebenfalls ein Professor veröffentlicht hatte. Damals konnte man sehen was manche Recensenten über ein neues Buch, das noch nicht bekannt ist, in die Welt zu schreiben wagen; heute sehen wir was auch noch über ein Buch berichtet werden kann, das bereits in einer Reihe von Auflagen, deren Stärke sich allmählich verdoppelt hat, vorliegt.

Herr Prof. Hirschfelder vergleicht mein Buch mit der Schulausgabe des Horaz von Düntzer, und spricht zunächst von der Orthographie. Er rühmt die Sorgfalt und Consequenz, mit der Herr Düntzer die neuesten Forschungen auf diesem Gebiete nutzbar gemacht habe. Kaum wüsste er hier etwas nachzutragen. Mir dagegen wird es zum Vorwurf gemacht, dass ich bei der Gestaltung der Orthographie auf halbem Wege stehen geblieben sei: dass ich zwar Phrahates, Polio schreibe; nicht aber umor Danuvius harena, nicht autumnus urguere quotiens, nicht die Accusativi Plur. wie Thessalosque ignis und Anderes. Hier traute ich nicht meinen Augen: denn Düntzer schreibt Phraates, Pollio nach alter Weise; gleich mir dagegen (in den bisherigen Ausgaben 1–6) humor Danubius arena, gleich mir auctumnus urgere Thessalosque ignes; quotiens aber steht bei mir ebenso wie bei Düntzer dreimal, quoties bei Düntzer ebenso wie bei mir einmal. Hiernach habe ich Herrn

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Hirschfelder ersucht sich das recensirte Buch noch einmal anzusehn, und seine falschen Angaben zu berichtigen; aber diese Ansicht ist wieder so unzulänglich gewesen und die Berichtigung (auf S. 358) so unvollständig ausgefallen, dass ich sie nun doch, was ich lieber vermieden hätte, selbst geben musste. Sollte übrigens Herr Professor den Wunsch haben, zu wissen was er bei Düntzer etwa nachtragen könnte; so würde ich ihm beispielsweise glaeba und querella, Bais und Hister, totiens und deciens, iniciat obicere adiciant nennen.

Was ferner die Gestaltung des Textes betrifft, so meint Herr Hirschfelder: es mache oft einen fast komischen Eindruck, wenn man die Begründung der von mir und von Düntzer gewählten Lesart einander gegenüberstelle. Dann macht er folgende Gegenüberstellung: *C. II. 10. 9 sagt Düntzer: Saepius ventis agitatur ingens pinus. Es kommt eben darauf an, was am häufigsten dem Sturme ausgesetzt ist. Daher nicht saevius. Dagegen hat Nauck folgende Anmerkung: Saevius, nicht Saepius. Nicht auf die Häufigkeit der Bewegung, nur auf die Heftigkeit kommt es an.' Aber nicht Düntzer sagt, und dagegen hat Nauck: sondern Nauck sagt (1854), und dagegen hat Düntzer (1868). Zweitens habe ich meine Ansicht begründet, während Düntzers Widerspruch wie auch sonst nicht begründet ist: aber was Düntzer sagt wird vollständig mitgetheilt, von meiner Anmerkung der zwölfte Theil. Wesshalb dies, Herr Professor ? wer oder was ist nun hier komisch?

Weiter wird von prosodischen und metrischen Gesetzen erzählt, und Herr Hirschfelder wundert sich, C. I. 28. 24 nach der Bemerkung von Lucian Müller, und nach der Vertheidigung der handschriftlichen Lesart durch 0. Keller, immer noch bei mir zu lesen: der Hiatus sei auffällig, wenigstens habe noch Niemand ein entsprechendes Beispiel beigebracht (diese Worte standen bei mir in Parenthese), und sehr annehmbar [sei] die Conjectur intumulato. Aber wenn Lucian Müller für eine Freiheit einen Milderungsgrund aufstellt, erkennt er da nicht eine auffällige Härte an? und hat denn Jemand ein entsprechendes Beispiel beigebracht? und wird das Auffällige durch die Conjectur etwa nicht beseitigt? Wie wird sich Herr Hirschfelder erst wundern, wenn er liest bei K. Lehrs: ‘Den Hiatus capiti inhumato würde Meineke wol heute nicht mehr als Horazisch vertheidigen. Peerlkamp vermuthete intumulato. Und mich dünkt, über diesen Hiatus wird es sehr fraglich bleiben ob

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