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dies wort? Das bret. born (s. ob.) steht zu einzeln im celt. da, um nicht verdacht der entlehnung aus d. franz. zu erregen.“ Unsere aufgabe ist es, eine wurzel zu finden, deren form in jenen wörtern ohne schwierigkeit aufgeht und deren bedeutung zugleich den keim zu den verschiedenen bedeutungen ihrer abkömmlinge, das motiv zu deren bedeutungen enthält. Die bedeutung „,einäugig" ist offenbar die jüngste; ihr vorher geht, leicht begreiflich, die des schielens," wofür ausser borne (s. ob.) auch noch das juradial. bournicler (schielen) und bornicle (schielendes auge) (Dict. génev. p. 42; s. D. I, 77) spricht; ferner, wie angegeben, trägt das der form nach hieher gehörige „bornier" die bdtg. lippire, triefäugig sein. Wollten wir der Diez'schen vermuthung der herkunft unsrer wortgruppe vom span. bornear (s. ob.) oder von dessen radix mit der bdtg. von einer richtung ablenken, drehen od. dgl." beitreten, so könnten wir diese bdtg. „triefäugig" erst auf schielend" folgen lassen, obwohl wir leicht einsehen, dass die bdtg. „triefäugig sein" eher zu der von „,schielen" führt (vgl. lippus), als umgekehrt, während jene sich nicht direct an bornear „krümmen“ anschliessen würde. Wir würden darum das motiv „biegen, krümmen“ besser fallen lassen und bei „triefäugig" vorläufig stehen bleiben. — Hier hilft uns ein in Schlesien (vermuthlich auch in Oesterreich,?) vom volke gebrauchtes wort: börnickel (auch wohl gesprochen bernickel, und oft anklingend an burnickel), womit eine kleine, rundliche, mit entzündung verbundene geschwulst am augenlide bezeichnet wird, die gewöhnlich,,gersten-, auch hagel- oder hirse-korn" genannt wird (s. Sander's wörterb. d. dt. spr. s. v. korn). Die form dieses wortes stimmt ganz auffallend zu der erwähnten juradial. bornicle, und dessen bedeutung „schielendes auge" lässt sich auch leicht von dem entzündeten, mit einer geschwulst versehenen auge herleiten, durch welche der damit behaftete am sehen behindert wird und den anblick eines schielenden gewährt. So sind wir nach der reihe von der bdtg. „einängig," schielend," "triefäugig" zu der mit geschwulst versehenes bei „geschwulst, anauge" hinaufgestiegen. Bleiben wir hierbei schwellung" als wurzel oder motiv der bedeutungen und suchen wir nun eine wurzel für die form! Allen jenen wörtern gehört als gemeinsamer factor ein bor" an. Diesen finden wir mit geringer vocalmodification und der geforderten bedeutung des „,anschwellens" im ahd. buxen, burren, burjan, altnord. byrja (sich erheben), (von welchem lelzteren worte nach D. II, 227 auch bourgeon (knospe,

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gesichtsfinne), engl. burgeon, stammt; vgl. ébourgeonner und éborgner!); ferner ahd. gaburjan (nhd. gebühren), mhd. börn, born, boren (erheben), mhd. nhd. bürzel (steiss, sot-l'y-laisse!); hierher auch: engl. bur (klette, von runder gestalt), burr (ohrläppchen, kolbenansatz bei hirschen, kalbsbröschen), burr-reed (stechapfel), burly (dickleibig, bauschig, ahd. purlih, burlih (was sich hebt); dieselbe wurzel in empor, em-pör-ung und wohl auch in wim-per (mhd. en-bor in die höhe); trefflich stimmt hierzu franz. dial. boure (auge des zweiges), und lombard. borin (brustwarze, knospe). Diese germanische wurzel ,,bur" also, mit der bdtg. „,sich erheben, anschwellen" würde den anforderungen, die man an eine wurzel stellen kann, genügen; - ob wir span. bornear (krümmen, ausweichen) und mit D. ital. borniola (falsches urteil) nun noch hierher ziehen können, darüber wage ich keinen entscheid: die bedeutungen beider wörter liessen sich vielleicht als quaternäre (mit rücksicht auf obige entwickelung der bedeutungen), mit der: „einäugig" gleichzeitig und divergirend aus der tertiären,,schielen" (das auge, (vielleicht übertragen das geistige auge), von der normalen richtung ablenken) ableiten. - Noch eins müssen wir vor schluss klären: nach Diez steckt in der endung „,icle" des juradial. bornicle und schweiz. bornicler das lat. oculus (vgl. D. II, 218: bigle für bis-igle aus bis-oculus, span. bis-ojo), wie ist nun das schlesische börnickel zu derselben endung gekommen? Ist vielleicht gar börnickel aus bornicle entstanden? wie sonderbar aber dann, rückgängig die bdtg. des „börnickel" aus der von „bournicler" resp. bornicle, zu ent. nehmen! Doch haben wir ja im deutschen das radical dem lat. wort gleiche aug-e (oc-ulus, goth. augo), woraus demin. äuglein, schles. äugel, eigel, îgel, welches erhärtet in der endung von börnickel stecken kann; die erhärtung zu „nickel“ ist vielleicht einer scherzhaften anspielung auf das schimpfwort nickel," als auf etwas unangenehmes, belästigendes zuzuschreiben; scherzhaft sagt man bisweilen auch pumpernickel für börnickel; einer in mir auftauchenden vermuthung, dass die erhärtung vielleicht durch einfluss des latein. furunculus (gerstenkorn, börnickel, franz. furoncle, engl. furnucle) in transponirter gestalt: fur-nuculus bewirkt sei, wage ich hier nur beiläufig zu gedenken. Das lat. furunculus ist seine, übrigens ansprechende, erkläruug aus fur (dieb) anders richtig, kann uns übrigens für die herleitung der bedeutungen von borgne, bornicle, und börnickel einen dienst leisten: wie wir von einem diebe (räuber) am lichte (fr. voleur) sprechen, so sprach

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der Römer von dem gerstenkorn (börnickel) als von einem diebe am auge oder augenlichte, weshalb es gar nicht nöthig erscheint, wie Klotz es thut, furunculus, in der bedeutung von gerstenkorn und „, wilder überschössling (gleichsam dieb, schmarotzer) am weinstocke, von furere abzuleiten oder mit Döderlein aus fervunculus zu erklären. So stellen wir unter eine wurzel:

1) bourgeon, bourgeonner, bourgeonnement; ébourgeonnement; frz. dial. boure, lomb. borin.

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2) borgne, borgnesse; éborgner; bornoyer; altfr. borgnoier, bornier, borne; juradial. bornicle, bournicler; it. bornio, cat. borni, limous, borthé, borli, bret. born; ¿span. bornear, it. borniola?

ébourgeonner,

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Und, wenngleich wir hier von D. (II, 225) abweichen, ziehen wir wohl einfacher 3) das compositum bour souffler (aufblähen, auftreiben), mit seinen ableitungen (boursufflure, boursouflu, boursouflement, boursouflage) hierher, welches D. zu bouder stellt und aus boudsouffler oder das wall. bos-unflà verglichen aus borsa (geschwulst)

und inflare erklärt.

Endlich kann ich mich nicht enthalten, auch fr. borne (grenzstein), und borner (begränzen) hier einmal in's auge zu fassen. Nach D. (II, 224 u. 225; vgl. Df. goth. w. I, 300, B. 35, § C.) kommt es -mit rücksicht auf ein altfr. bonne, bonsne, neuprov. bouino aus dem gleichbedeutenden mlat. bódina, bódena, zusammengezogen: bodna mit übergang des d in r. Die wurzel zu bódina führt zu bouder, boudin; boudine (knöpfchen, afr. nabel), neuprov. boudôli (bützel), engl. bud (knospe) und lat. bot-ulus, und die wurzelbedeutung würde die von ,,ansch wellen" sein; dieselbe wurzel erstreckt sich weiter auf fr. bouton, it. bottone, mail. butt (knospe), oberdt. bütz (brustwarze), ahd. bozo (bündel), endlich auf botte, ags. butte, nhd. bütte und auf bozza (vgl. D. I, 99: bottare, botte, bozza). Schon Pott hat (etym. forsch. II, 212, erste aufl.) auf bret. born (s. ob.) als wurzel vom nfr. borne hingewiesen, und wir möchten auch in borne lieber die wurzel „bor" (woher nach unsrer entwickelung borgne, bourgeon etc.) als „bod“ finden. Uns scheint es, als habe sich neben der wurzel „bod" die andere gleichbedeutende „bor" parallel jener ausgebreitet; man vgl. ital. buttare, fr. bourgeonner, engl. bud und fr. bourgeon, oberdt. bütz (brustwarze) und lomb. borin (knospe u. brustwarze) u. s. w. Beide wurzeln tragen die bedeutung schwellen, anschwellen," und dem franz. borne würde sich dt. (thür-) schwelle (von schwellen), lat. umbo: etw.

hervorragendes, buckel des schildes und bei Statius: grenzstein, ebenso fr. marquer vergleichen lassen. Allerdings müssen wir so das altfr. bonne, bousne etc. neuprov. bouino, welche offenbar auf mlat. bódina zurückleiten, von borne und it. borni (bei Dante Inf. 26, 14) zurückweisen, doch, sollte es nicht möglich sein, dass bis jetzt altfr. wörter mit der bdtg. grenze und der wurzel bor, bur uns bloss nicht bekannt oder ganz verloren gegangen sind? Vielleicht bildete man, zufrieden mit bonne, bousne etc. für „grenze," ein zweites wort derselben bdtg, aus der wurzel „bor“ für den schriftgebrauch gar nicht aus, sondern überliess ein solches wort der volkssprache, die es schliesslich, das altfranz. schriftwort verdrängend, dem neufranz. in borne und dem ital. in borni abgab. Man erwäge und richte!

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2) trancher.

Zu trancher sind zu stellen (s. D. I, 423) it. trinciare, sp. port. trinchar, cat. trinxar, pr. trencar, trinchar, pic. trinquer, altfr. trenchier, ferner wohl (nach D.) sic. trincari (steine loshauen), span. trincar (zerstücken), nfr. détrancher, prov. detrencar. Schon vielfach zu erklären versucht. Diez negirt einfach und weist ableitungen von truncare, transscindere, transsecare als formell unvereinbar zurück; für die herleitung vom dt. trennen gebricht es an dem vorhandensein einer ableitung: trennicare. Langensiepen stellt interimere, interimicare als mögliches etymon auf; näher nach D. liegt internecare (bei Prudentius: zu grunde richten), woraus prov. entrencar (lo cim, lat. culmum internecare) entstanden sein könnte. Schon die erzwungene weise, die anwendung der äussersten und letzten mittel der etymologie, die gewaltigen zusammenziehungen und verschneidungen, die in den meisten der angeführten wurzelwörter angewandt werden müssen, um zu dem resultat der obigen roman. wörter zu kommen, schrecken von der annahme einer derselben ab. Vielleicht gelingt es uns das etymon einfacher herzustellen. Ital. avanzare, sp. pr. avanzar, fr. avancer u. s. w. (vgl. Diez I, 27) sind zweifelsohne directe abkömmlinge einer (zusammengesetzten) praeposition: von ab-ante, it. avanti, ebenso devancer von devant aus de abante; (beiläufig bemerkt: wie wäre es damit, auch das ital. andare, pg. sp. andar, cat. prov. anar, fr. aller etc. (s. D. I, 22), welche wortgruppe nach mannigfachen versuchen anderer, Diez mit Muratori auf ein lat. aditare verweist, auch als ausläufer dieser praepositionellen wurzel (ante, od. ad-ante) zu betrachten? - vgl.

auch Littré, hist. de 1. langue fr. I, 39 ff.). Gestützt auf dieses analogon möchte Scheler dict. étym. das franz. percer von der praep. per oder vielmehr von per-s (mit adverbialem s) herleiten, obwohl man sich dieser, an sich nicht verwerflichen conjectur (die Scheler selbst als une modeste conjecture betrachtet wissen will) verschliessen müssen, wird zu gunsten der von D. s. v. pertugiare hergestellten (nach Sch. un peu hardie) von pertusiare von pertusus, pertundere, die zwar nur durch starke contraction zu percer zu gelangen vermag, doch den stärksten zeugen die geschichte (des wortes) für sich hat. - Unter vorausstellung der analogie von avancer, devancer möchten wir den blick der etymologen für die vorliegende wortgruppe auf das goth. thairh (durch; gadh. trvinth, cymr. trwy) richten, wovon das subst. thairko (loch, oehr), (ags. thyr, ahd. derha, durchel) stammt. Doch nicht unmittelbar die goth. praep. thairh wollen wir den romanischen wörtern als wurzel unterbreiten, sondern eine verbalableitung von dem aus jener praep. entstandenen oder ihr radical verwandten subst. thairko, nämlich ein goth. thairkjan (vgl. augjan von augo, bondvjan von bandvo, wathjan aus watho), dessen dagewesensein wir wohl vermuthen können: wie sollte uns auch in den wenigen goth. fragmenten, die wir haben, der ganze goth. wortschatz vorliegen?! Aus diesem conjicirten verbum thairkjan konnte sich durch transposition des r (thraikjan, oder nun thrikjan?, vgl. das celt.) und durch nasalirung unsrer meinung nach jene romanische wörtergruppe der form nach sehr wohl heranbilden; und die bedeutung durchlöchern führt, meinen wir, auch unschwer zu der des durchhauens, trennens.

Felix Atzler.

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