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Erklärung der alten Ortsnamen in der Provinz Brandenburg.

Einige, die' meine Interpretationen der in der Beschreibung Germaniens von Tacitus vorkommenden Völkerschaftsnamen im Manuscript gelesen hatten, forderten mich vor einiger Zeit auf, eine, den Forderungen der altslavischen oder celtischen Sprache entsprechende Erklärung der alten Ortsnamen in der Provinz Brandenburg, welche Erzeugnisse dieser Sprache sind, zu schreiben. Diese Arbeit hatte für mich in 80 fern einige Schwierigkeit, als mir bei mehreren entfernten Orten ihre natürliche Lage, welcher die alten Ortsnamen ihre Entstehung verdanken, nicht bekannt, oder doch nur wenig bekannt war. In vielen Fällen unterstüzten mich jedoch die in Riehl's Beschreibung der Mark Brandenburg und des Markgrafthums Niederlausitz enthaltenen Andeutungen der besonderen, hervorragenden und in die Augen fallenden Naturgegenstände, an welchen die Städte dieser beiden Landestheile gelegen sind. Wo diese Andeutungen mangelten, habe ich die in Rede stehenden Namen nach den Regeln des sprachlichen Celtismus, der in uralter Zeit auf beiden Seiten der langen Linie vom Ost-Cap in Indien bis zum Cap St. Vincent in Portugall ohne Zweifel, wenn auch in mehreren, von einander etwas abweichenden Formen oder Idiomen geherrscht hat, interpretirt. Aus der (nachfolgenden) Erklärung der alten Ortsnamen in der Provinz Brandenburg wird man ersehen, dass ich die der altslavischen oder celtischen Sprache eigenthümliche fünffache Stufe der Wörter, die einen in der Natur von mehrfacher Ausdehnung und Grösse vorkommenden Gegenstand besonders bezeichnen, z. B. Gur, Gor, Gar, Ger, Gir; Run, Ron, Ran, Ren, Rin u. 8. w. nicht unbeachtet gelassen habe. So sehr diese Abstufung (Gradation) der Wör

Archiv f. n. Sprachen. XXXIX.

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ter, die das Alterthum machte, die genaue Bestimmung der Grösse eines in verschiedener Ausdehnung vorkommenden Naturgegenstandes förderte, so schwierig ist es, in unserer modernen ärmeren Sprache die Wortnüancen der celtischen Sprache mit einem Worte wieder zu geben, und z. B. den Unterschied zwischen Lug und Lag, und zwischen Log und Leg genau zu bezeichnen. Nicht minder schwierig ist es auch, die Bedeutung der Präpositional-Ortsnamen, die in der Provinz Brandenburg noch öfterer vorkommen als in Italien und Frankreich, mit einem einzigen Worte der deutschen Sprache vollständig und richtig auszudrücken.

Berlin. Der Name Berlin ist aus dem Adjectiv berole entstanden. Das Adjectiv berole, welches anderswo berowe lautet, stammt von dem Hauptworte Ber ab. Ber ist der vierte Grad der Wurzel Bur, d. h. hoher Berg, hoher Bergwald, bezeichnet einen kleinen Berg, einen Hügel, und berole eine Gegend, in welcher sich einige Hügel befinden. Berolin, zusammengezogen Berlin, ist ein kleiner (in) Ort, der auf und an niedrigen Anhöhen, Hügeln, gelegen ist. Der Name gehört der celtischen oder altwendischen Sprache an, und der Ort, den er bezeichnet, war ohne Zweifel schon viele Jahrhunderte vor der Zeit vorhanden, wo die Deutschen ihn occupirten und ihn zu einer Hauptstation ihrer Herrschaft machten. Der Name Berlin stammt nicht von dem Worte Bär (ursus) ab, aber eben so wenig auch von dem Beinamen des askanischen Fürsten, der den damit bezeichneten Ort eroberte.

Cöln. Cöln ist nicht aus dem lateinischen Worte colonia entstanden, sondern aus der Wurzel Kul, die im vierten Grade Kel lautet. Kel ist ein kleiner, sanft ansteigender Berg, oder ein Hügel, und Kelin contracte Keln ein Ort, der auf einem, oder an einem Hügel liegt. Wenn das o in dem Namen Cöln eine Geltung hat, so ist anzunehmen, dass die Anhöhe, welche dem Orte den Namen gegeben hat, auch Kol genannt wurde, und dass die Namen Kelin (Keln) und Kolin neben einander bestanden. Potsdam. Die in einer Urkunde des Kaisers Otto des Dritten vorkommende Benennung „Pots-Dupini,“ von der Viele den Namen Potsdam abgeleitet haben, bezeichnet ohnstreitig ein Terrain oder einen District, in welchem ein Dorf, oder eine Stadt liegen konnte, und der den Namen Potsdubini (nicht Dupini) führte. Die Benennung Potsdubini (richtiger pod Dubini) d. h. unter dem Eichwalde, hat Aehnlichkeit mit den Benennungen PodJydlini, d. h. unter dem Tannenwalde, und Pod-Brieseni, d. h. unter dem Birkenbusche. Es ist die Frage, ob in dem Originale der erwähnten Urkunde Pots gestanden hat. Wahrscheinlich ist das sprachwidrige s später zu der Präposition pod, d. h. unter, die auch pot lauten konnte, hinzugefügt worden, um die in dem Namen Potsdam vorkommende Sylbe Pots zu gewinnen. Der Name Potsdam ist nach meiner Meinung auf folgende Weise entstanden. An dem grossen Wasser, an dem Havelflusse, bauten sich celtische oder altwendische Fischer (Kiezer) an, und gaben dem, von ihnen angelegten Orte den Namen Pota, welcher Name aus der Präposition po, d. h. an, bei

, und aus dem Hauptworte Ota, dem zweiten Grade der Wurzel Uta, d. h. das grosse Wasser, der Strom, zusammengesetzt, und dem Ortsnamen Buda (Ofen an der Donau) ähn

Das po und Ot verband man zu einer Sylbe, wie dies auch in Buda und Budissin so wie in Putlitz geschehen ist. Obgleich aber Pot schon an sich ein grosses Wasser, oder Etwas an dem grossen Wasser bedeutet, so wurde doch in der späteren Zeit dieses Wort noch augmentirt, und durch die Augmentation erhielt man aus Pot oder Pota Potiza, und dieses Wort wurde dadurch dem Worte Budiza ähnlich. Das z in den wendischen Vergrösserungswörtern verwandelte man oft in

Durch diese Umwandelung lautete nun Potiza und Budiza, Potisa und Budisa oder Budissa. Budisa oder Budissa erhielt die Endung in (Budissin), was aber bei Potisa nicht geschah. Hier warf man bei der Zusammenziehung des Wortes (Potiza) in der zweiten Sylbe das i und am Ende das a fort, und erhielt auf diese Weise das einsylbige Pots. An dieses Wort hing man Dam, welches mit dem celtisch-gallischen Dunum (Lugdunum, Vallodunum) gleichbedeutend ist, und so wie

lich war.

& oder ss.

ser.

in Amsterdam, Rotterdam durch Stadt, Burg übersetzt werden kann.

I. Der Teltow'sche Kreis.

Charlottenburg mit Lützow.
Luża, Lusa ist eine Lache, ein Sumpf, ein stehendes Was-

Das Wort Luża wird mit einem durchstrichenen 1 (t) geschrieben, was andeutet, dass das Wort an manchem Orte auch Wuża gesprochen wird. Lużow ist ein Ort, der in einer niedrigen wasserreichen Gegend liegt. Das slavische ż repräsentirt in Lützow das tz. Das Wort Luža oder Wuža, Lusa oder Wusa kommt in der altwendischen Sprache in allen 5 Graden (Lusa, Losa, Lasa, Lesa, Lisa) vor. Von diesem Worte rühren viele Ortsnamen in der Lausitz (Lusatia) und im Brandenburgischen her. Eine härtere Form von Luža oder Lusa ist Luta (Lutetia Parisiorum). Der Name Lützow ist im Wendischen wie die Namen Berlin, Potsdam männlichen Geschlechts (ton Lützow).

Mittenwalde. Diejenigen, welche wähnen, dass viele alte Ortsnamen in der Provinz Brandenburg ein Erzeugniss der deutschen Sprache sind, behaupten, dass Mittenwalde einen Ort bezeichnet, der mitten im Walde gelegen ist, oder gelegen war. Diese Erklärung des Namens Mittenwalde ist ohnstreitig unrichtig. Das, dem Worte Mitten angehangene Walde rührt nicht von dem deutschen Worte Wald her, sondern ruht nur mit demselben auf einer und derselben Wurzel, nämlich auf Wul, welches im dritten Grade Wal lautet, und welches eine Erdanhöhe, einen (mittelmässigen) Berg bezeichnet. Waleta oder Waleda, contrahirt Walda (Walde) bedeutet Dorf, einen kleineren Ort, wie Werda, Felde, und ist weiblichen Geschlechts. Welche Bedeutung hat aber das Wort Mitten, welches im 14. Jahrhunderte Midden lautete? Es ist unzweifelhaft, dass in diesem Worte w mit m vertauscht worden ist, wie dies in mehreren altslavischen (celtischen) Ortsnamen geschehen ist. Z. B. in Mogolz (wo Golz), Mukwar (Wugwar), Mückenberg (Wükenberg), Mietau (Wietau) in Curland, Niemitsch (Niewitsch) u. 8. w. Auch in dem italischen Milano (Mailand) ist das v oder w in m übergegangen und aus Vilano oder Wilano (medio Lanum) Milano entstanden. Vertritt in dem Namen Mittenwalde das m die Stelle des w (Wi-Itin), 80 ist Mitten mit Widdin, Wettin, Witten-Berg gleichbedeutend, und bezeichnet einen Ort, der an Gewässern, Flussarmen liegt. In der Nomenclatur der wendischen Ortsnamen, die sich in der Hauptmann'schen Grammatik findet, wird bemerkt, dass die Wenden Mittenwalde Chudowina oder K-Udowina, von Udowe oder Wudowe, d. h. wasserreich nennen. Dies spricht auch dafür, dass Mitten das, was Witten bedeutet. Witten im Ortsnamen Witten-berg bezeichnet die beiden Bäche, welche durch die Stadt fiessen.

Teltow. Dieser Name ist zusammengesetzt aus der Präposition ti, welche anderswo si, schi, tschi, in der Oberlausitz auch pschi lautet, und an, bei bedeutet, und aus Let, welches die vierte Stufe der Wurzel Luta (Luża) ist, und eine Lache, eine nasse Niederung (hier den Rand der Telte-Bæke) bezeichnet. Die Präposition ti hat sich dem e in Let assimilirt, und die Endung ow deutet an, dass Teltow in alten Zeiten zu den grösseren Orten der Gegend gehörte. Teltow ist männlichen Geschlechts, ton Teltow. Teltow hat seinen Namen von der Beschaffenheit des Terrains, an welchem oder auf welchem der Ort liegt, und nicht von Tschelata, d. h. Kälber, und eben so wenig von Zelten. Höchstwahrscheinlich existirte Teltow schon viele Jahrhunderte, als Carl's des Grossen Sohn im Jahre 806 in der Gegend von Barby mit einem Kriegsheere über die Elbe ging, um die Wenden an der Ober-Elbe und die Böhmen zu bekriegen.

Teupitz. Dieser Ort hiess in früheren Zeiten Tewpez. Der Name ist nicht von Dub, d. h. die Eiche, abzuleiten, sondern von dem weit verbreiteten Worte Wupa (Upa), welches in allen 5 Graden in verschiedenen Formen vorkommt, und einen Fluss, einen Strom (Oby), einen See, auch bisweilen das Meer bezeichnet. Das Wort Wupa wird, wie bekannt, bisweilen mit einem durchstrichenen 1 (1) geschrieben, welches andeutet, dass an manchen Orten das W wie L gesprochen wird. Das W wird bisweilen mit dem darauf folgenden Vocale amalgamirt, und in diesem

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