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mesbezeichnungen auch wohl mit der adj. Endung er und der polnischen ski. Als dritte Unterabtheilung der dritten Schicht fungiren die Namen von Eigenschaften, körperlichen und geistigen, weit weniger zahlreich; von diesen sind die interessantesten die imperativischen. Endlich sind zu erwähnen die Namen yon Gliedern und Körpertheilen, Kleidungsstücken, Speisen, Geräthen, * Thieren, Pflanzen, Naturerscheinungen.

Ueber einige volksthümliche Begriffsverstärkungen bei deutschen

und englischen Adjectiven. Von Dr. Alexis Dony. Im Programm der höheren Bürgerschule zu Spremberg. 1866. 20 S. 4.

Eine zahlreiche Menge der merkwürdigsten im Munde des Volkes üblichen Begriffsverstärkungen ist hier nicht bloss zusammengestellt, sondern auch, so weit es möglich war, erklärt, begründet, mit ähnlichen verglichen. Sie beruben alle zunächst auf dem Streben, recht anschaulich darzustellen, dem ja auch die beliebte Ausdrucksweise allgemeiner Sätze in Form von Beispielen ihren Ursprung verdankt, die selbst dann noch üblich sind, wenn ihr Sinn nicht Jedermann gleich klar ist (vgl. „schlafen wie eine Ratze,“ d. i. wie der Siebenschläfer, Haselmaus). Mit der Anschaulichkeit hängt die dem Hörer sich gleichsam mit Gewalt aufdrängende Hyperbel auf; das Volk wie der Dichter liebt sie. Diejenigen componirten Adjective, die den hohen Grad bezeichnen sollen, erscheinen nicht alle gleich auflösbar; „blitzschnell, blutjung, steinreich“ unterscheiden sich so. Wir sagen: blitzschnell, schnell wie ein Blitz, schneller als der Blitz, aber nicht: er ist ein Blitz; aber wohl: „er ist dumm wie ein Klotz“ und: „er ist ein Klotz.“ Der Sprachgeist ist also eigensinnig. Wir haben im Ganzen vier Formen: „stehlen wie ein Rabe, spiegelblank, nasser als eine Katze, Falkenauge.“ Die Formen der zweiten Art werden dann ausführlich betrachtet und zwar zuerst die zusammengesetzten Adjective, deren erster Theil aus einem Substantiv besteht. Es wird überall die niederdeutsche, englische, lateinische, griechische Sprache in ihren ähnlichen Erscheinungen berücksichtigt. Als Unterabtheilungen gilt, dass a) die Zusammenstellung auf dem Vergleiche der Eigenschaft beruht, welche das Adjectiv ausdrückt, mit einer charakteristischen Eigenschaft des durch das Substantiv bezeichneten Gegenstandes. So: baumfest, bombenfest, þaumlang, baumstill u. s. w., bildhübsch, blitzschnell (pfeilschnell, windschnell), bocksteif, blutroth, eisgrau, essigsauer, engelsgut, -rein, -süss, faustdick (fingerdick, knüppeldick, ellenhoch, meilenweit, handbreit u. a.), federleicht, feuerroth, gallenbitter, geisterbleich u. s. w., b) die Vergleichung nicht auf die charakteristische Eigenschaft eines Gegenstandes überhaupt geht, sondern auf die Beschaffenheit desselben, insoweit ihm auch die genannte Eigenschaft zukommt, so: krebsroth, d. h. nicht wie ein Krebs, sonderu wie ein rother Krebs; fadengrade, fuchswild, bundsmüde, nagelneu, funkelnagelneu (d. i. wie ein unmittelbar aus der Esse kommender Nagel), splitternackt u. a., c) das erste Wort der Zusammensetzung bestehe in einem Fluch oder bekräftigenden Ausruf, wie: blitzblau, kreuzbrav u. a., d) die Zusammensetzung eine freiere Zusammenziehung eines aus mehreren Begriffen bestehenden Ausdrucks sei und meist nur durch einen Satz aufgelöst werden könne, so: blutjung, fadennackt, hageldicht, mutterseelenallein (entstellt aus : mutterseligallein - so dass keine von einer Mutter geborene Seele, d. i. kein Mensch da ist), spinnefeind u. a., e) das Substantiv ohne begrifflichen Zusammenhang mit dem Adjectiv reine Verstärkung sei, so: baarscharf, steinalt, stockblind u. a., f) im Substantiv ein adverbialischer bekräftigender Zusatz enthalten sei ohne vorhandenen Vergleich, so: bombenfest, grundböse, herzinnig, kerngesund, menschenmöglich u. a.;

wozu dann g) Varia kommen: eheleiblich, hundsgemein, kunterbunt u. a. Die zweite Classe sind die Adjective, deren Verstärkungswort ein Verbum ist: bettelarm, brühewarm, klapperdürr, knallroth u. a., die dritte, deren Verstärkungswort ein denselben Begriff wie das verstärkte Adjectiv ausdruckendes Adjectiv ist, wie: buntscheckig, belllicht, lichterloh, wildfremd u. a., die vierte, wo es ein Adverb ist, wie: bitterböse, bitterkalt u. a., die fünfte Pronomen und Adjectiv, wie: allein, allbereits u. a., die sechste Präposition und Adjectiv, wie: extrafein, superfein, überselig, urgemüthlich u. a., die siebente zweifelhafte Bildungen: brandroth, piekfein, dundersnett, die achte mehrere Verstärkungen neben einander: pechrabenschwarz, sternhagelvoll

, splitterfasernackt u. a.

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Ueber die deutsche Sprache in dem polnischen Oberschlesien.

Von Professor Heim brod. Programm des Gymnasiums zu Gleiwitz, 1865. 23. S. 4.

Die vorliegende Abhandlung beschäftigt sich nicht, wie der Titel erwarten lässt, mit der Eigenthümlichkeit der deutschen Mundart in dem genannten Theile Schlesiens, sondern enthält nur einen Bericht der Bemühungen der preussischen Regierung um die Verbreitung der deutschen Sprache daselbst. Wir erfahren daraus, dass die Verordnungen im vorigen Jahrhundert sehr wenig Erfolg hatten, dass es erst in unserer Zeit besser geworden ist, dass namentlich die Stiftung des Gymnasiums zu Gleiwitz sehr günstig gewirkt hat, aber auch noch gegenwärtig es auf dem Lande sehr an Kenntniss der deutschen Sprache fehlt, also noch sehr viel zu thun gibt.

Zu Konrad's von Fussesbrunnen Kindheit Jesu. Von Dr. Alb.

Gombert. Programm des Gymnasiums zu Königsberg i. d. N. 1866. 17 S. 4.

Konrad schrieb im 13. Jahrhundert; das folgt aus der deutlichen Nachahmung Hartmann's, namentlich des Erec und des Gregorius. Seine Heimath suchte schon Pfeiffer in Niederöstreich. Diemer bat einen Konrad von Fussesbrunnen in Urkunden in der Nähe von Krems gefunden, der wahrscheinlich der Dichter ist; nach ihm ist Konrał zwischen 1160 und 1165 geboren. Darnach hat Konrad in reiferem Mannesalter die Kindheit Jesu geschrieben; früher schrieb er weltliche Gedichte und wollte den ihm daher nach seiner Meinung anbängenden Sündenfleck durch das geistliche Gedicht tilgen. Sein Muster ist also jetzt die milde und massvolle Schreibart Hartmann's, aber er ahmt ihn nicht ungeschickt und sklavisch nach, seine Verse fliessen leicht, nur mitunter durch die unpoetische Ueberlieferung gehemmt. Er erreicht ihn in Reim, Versschluss und überbaupt der metrischen Form nicht, aber verdiente von Rudolf von Ems nicht bloss gelobt, sondern auch im Wilhelm

und Barlaam nachgeahmt zu werden, wie denn sein Ansehen daraus erhellt, dass ein grosser Theil seines Gedichts später in das Passional übergegangen ist. Seine Quelle ist das Pseudevangelium Mattbäi, er schiebt oft lateinische Verse ein, besonders in der ersten Hälfte, die spätere Erzählung, mehr weltlichen Charakters, ist von den kanonischen Evangelien unabbängig. Weil hier daher solcher Citate weit weniger sind, darf man daraus

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nicht mit dem Herausgeber Feifelik folgern, dass die von ihm ausgelassenen, in der von ihm mit Unrecht zu Grunde gelegten Handschrift A fehlenden 1100 Verse unecht seien. Seine lateinischen Citate übersetzt Konrad bald wörtlich, bald frei. Da sein Stoff bekannt war, verweist er für die frühere Lebensgeschichte der Jungfrau auf zwei deutsche Darstellungen, auf Meister Heinrich's Lied von unser Frauen, und auf eines Ungenannten Anegenge; beide sind verloren, für das letztere ist nicht mit W. Wackernagel das in Habn's Gedichten S. 1–40 abgedruckte sehr mangelhafte Gedicht zu halten. Ebenso wenig ist mit Wackernagel anzunehmen, dass das Gedicht Urstende (bei Hahn Ged, des 12. und 13. Jahrb., S. 103—28) von Konrad herrühre; dies ist vielmehr ein Gedicht des Konrad von Heimesfürte, der von unserm Konrad zu trennen ist. Somit ist das einzige uns erhaltene Werk Konrad's von Fussesbrunnen die Kindheit Jesu. Da der letzte Herausgeber Feifelik (1859) mit Unrecht die Handschrift A zu Grunde gelegt hat, so theilt den Anfang des Gedichts schliesslich der Verf. nach der allein zu Grunde zu legenden Handschrift B, die auch Hahn abdrucken liess, mit; von der dritten ebenfalls mit Vorsicht zu gebrauchenden früber Lassberg'schen Handschrift C ist ihm für eine beabsichtigte vollständige Ausgabe eine Abschrift von F. Pfeiffer zugekommen.

Ueber das Redentiner Osterspiel. Vom Oberlehrer Drosihn.

Im Programm des Gymnasiums zu Neustettin. 1866. 36 S. 4.

Das im Jahre 1464 zu Redentin bei Wismar aufgeführte niederdeutsche Spiel ist der einzige Repräsentant dieses Zweiges der niederd. Volkspoesie, ein Beweis, dass die Osterspiele auch in Niederdeutschland Eingang gefunden, zuerst von Monc in den Schauspielen des Mittelaltters, dann von Ettmüller unter dem Titel „dat spil fan der upstandinge" herausgegeben. Es ist die Frage, ob das Spiel Original, oder mit andern Worten: ob es in den Bereich der Volks- oder Kunstpoesie gehöre. Die Frage zu beantworten, verfolgt der Verf., ausführlich in den Inhalt vieler Stücke eingehend, die Geschichte der Osterspiele. Die ältesten sind die lateinischen Osterspiele. Ihr Keim findet sich seit der Mitte des 12. Jahrh. in den Klöstern Süddeutschlands. Mit der damals üblichen Osterfeier stimmt im Wesentlichen die in Frankreich im 13. Jahrh. gebräuchliche überein. Solche lateinische Osterspiele finden sich in Süddeutschland bis gegen Ende des 14.- Jahrh. Ibr Gegenstand war die Engelsbotschaft von der Auferstehung Christi und die weitere Verkündigung dieser Botschaft an die Jünger. Dann regte sich das Bedürfnis nach deutscher Predigt. Ihm kamen besonders die Brüder vom gemeinsamen Leben entgegen. Die ausgebildete deutsche Kunstlyrik, die weltliche und die geistliche und zwar besonders die Mariendichtung waren von Einfluss auf die weitere Entwicklung der Osterspiele; die deutschen Marienklagen haben schon viel dramatisches Leben. So kommen wir zu den lateinisch-deutschen Osterspielen des 13. Jahrh., dem Lichtent baler, dem ludus paschalis Buranus, d. i. von Benedictbeuern. Hierauf zu den deutschlateinischen Osterspielen. Die Zahl der auftretenden Personen bat sich bedeutend gemehrt, daher sind Laien zur Aufführung mit nothwendig; neben dem lateinischen Texte geht eine deutsche Paraphrase, neben der Erbauung soll auch für Unterhaltung gesorgt werden, das komische Element dringt ein, der Krämer, der an Maria die Salben verkauft, wird zu einem marktschreierischen Quacksalber. So das Osterspiel bei Monc S. 109—144, aus der Mitte des 14. Jahrh. In allen deutsch-lateinischen Osterspielen kommen Prügelscenen zwischen den Dienern des Krämers vor. Solche Scenen machten es nothwendig, dass die Aufführung nicht mehr in der Kirche, sondern

auf dem Markte stattfand. Weiter wurde in den Kreis des Osterspieles auch die Höllenfahrt Christi und die Erlösung der Altväter aus der Vorhölle und dabei ein komisches Teufelspiel hineingezogen. Für die Höllenfahrt war Grundlage das auf dem apokryphischen Nicodemus-Evangelium berubende Ritual. Beispiele bei Mone. In der ganzen Anlage stimmt mit denselben das Redentiner Spiel. Für dasselbe ist nicht der Bericht des Nicodemus-Evangeliums unmittelbare Quelle, sondern ein oberdeutsches Spiel. Gemeinsam ist demselben mit den oberdeutschen Spielen die Gruppirung der Begebenbeiten, so wie die Uebertragung deutscher Sitten auf die Fremde, Land und Leute; eine Consequenz derselben ist die Verlegung des Schauplatzes nach Redentin. Eigenthümlich ist der Reichthum an Sprichwörtern und sprichwörtlichen Redensarten. Das Resultat der Untersuchung ist also, dass das Redentiner Spiel kein originelles Spiel ist, sondern nur eine besondere Phase innerhalb der Entwicklung der volksmässigen Osterspiele.

Zur Kritik und Erklärung des Reineke Vos, von Dr. Friedr.

Latendorf. Programm des Gymnasiums zu Schwerin.

1865. 35 S. 4.

Die Abhandlung bezweckt, den Text des Gedichts in vielen Stellen zu seiner ursprünglichen Reinheit zurückzuführen und dasselbe besser zu erklären. Sie erreicht diese Zwecke in hohem Grade. Der Verf. stellt den Grundsatz an die Spitze, dass allein die Lübecker Ausgabe von 1498 þandschriftlichen Werth hat, dass keine der ihr bis jetzt gefolgten Ausgaben eine kritische Textrecension zu beissen verdient. Die Ausgaben des 16. und 17. Jahrh. verschlimmerten immer mehr den Text. Im 18. Jabrh. ging Hartmann von Helmstadt auf den Lübecker Druck von 1498 zurück; seine Ausgabe ist noch unentbehrlich. Werth der Ausgabe Hoffmann's von Fallersleben liegt mehr in der Erklärung als in der Textesconstituirung. Er weicht öfters vom Originaldruck ab, öfter als er angibt. An 42 Stellen ist die Abweichung vom Lübecker Text gleich für's Auge ersichtlich; diese Aenderungen gehen fast sämmtlich auf den Rostocker Druck von 1539 z11ruck, kaum ein Viertel derselben aber ist nothwendig oder wahrscheinlich. In den Versen 199, 2193, 2385, 5318, 6046, 6493 scheint dem Verf. eine Aenderung wahrscheinlich, die andern 33 Aenderungen aber als unbegründet, wie des Weiteren erörtert wird. Die von Hoffmann nicht angegebenen Abweichungen im Texte betrachtet der Verf. mit gleichem Misstrauen; schon weil seine Anführungen aus der unkritischen Rostocker Ausgabe von 1539, mit der die von 1549 identisch ist, unvollständig sind. Andere Aenderungen billigt er, die meisten aber verwirft er, weil die grammatische Begründung falsch sei. Zum Beweise bestreitet er mit zahlreichen Beispielen die Behauptungen Hoffmann's, dass das schwache Adjectiv nicht verbunden werde a) mit dem Femininum, b) mit dem Neutrum, c) mit dem Masculinum. Für die literargeschichtliche Frage, schliesslich sich an Goedeke's Urtheil anschliessend, modificiert der Verf es dahin: Der ursprüngliche niederländische Reinardt gehört in's 12., nicht 13. Jahrh. ; er wurde im 14. Jahrh. überarbeitet und fortgesetzt. Im 15. Jahrh. erhielt die Ueberarbeitung Capitelüberschriften und eine prosaische Glosse, die auf Hinrik von Alkmar zurückgeführt werden, wovon sich Bruchstücke erhalten haben. Aus derselben Quelle, aus der das niederländische Volksbuch entlehnt hat, hat der Reineke geschöpft. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass der gedruckte latein. Reinardus vulpes auf Hinrik von Alkmar Einfluss gehabt hat. Die Glosse des Reineke weist deutlich auf niederl. Ursprung. Dass der niederl. Ueber

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setzer mit der westfälischen Sprache bekannt gewesen sei, ist nicht anzunehmen. Der niederdeutsche 'Uebersetzer ist in Lübeck zu suchen; sein Name ist aber unbekannt, weder Nic. Baumann noch Herm. Barckhusen sind als Autoren anzusehen.

Lobspruch der Stadt Gross-Glogau, zum ersten Male nach einer

Handschrift aus dem 16. Jahrhundert vollständig herausgegeben vom Oberlehrer F. W. von Razcek. Programm des kathol. Gymnasiums zu Glogau. 1865. 18 S. 4.

Die Handschrift befindet sich in der Glogauer Gymnasialbibliothek. Das Gedicht beschreibt die Stadt Glogau von einem Ende zum andern und knüpft daran bistorische Notizen; es ist poetisch nicht werthvoll, aber wohl für die Geschichte. In der Handschrift schliesst sich an das Gedicht eine Chronik. Den Versen steht zur Seite die Inhaltsangabe. Der Verfasser war ein Geistlicher, wahrscheinlich ein geborner Glogauer, er bat nicht über 1611 hinaus gelebt, das Gedicht ist innerhalb der Jahre 1570 und 1580 geschrieben, Einzelnes aber später nachgetragen. Die Anzahl der Verse beträgt 1686. Da Lobsprüche auf Städte nicht viele erhalten, wenigstens noch nicht bekannt gemacht sind, ist die Veröffentlichung dieses Gedichts in einem Schulprogramm genug gerechtfertigt.

Anna Luise Karschin. Eine biographische und literaturgeschicht

liche Skizze vom Oberlehrer Theodor Hein ze. Programm des Gymnasiums zu Anclam. 1866. 20 S. 4.

Der Verf. bat mit Sorgsamkeit das Material für das Leben der einst viel gepriesenen Dichterin nicht bloss zusammengestellt, sondern auch den richtigen Massstab für ihre Würdigung angelegt. Die traurigen Schicksale ihrer Jugend, zum Theil freilich durch ihre eigene Lebensunerfahrenheit veranlasst, lassen um so mehr die nie unterdrückte Strebsamkeit ihres Geistes anerkennen. Ihr Leid nahm erst ein Ende, als sie von ihrem Manne Karsch befreit war und 1761 in Berlin anlangte. Aber ihre Geldverlegenheit hörte doch nicht auf, und hätte Gleim ihr nicht zur Seite gestanden, sie wäre auf sich allein angewiesen gewesen; denn wie karg der grosse König gegen sie blieb, ist bekannt genug. Endlich erhielt sie von König Friedrich Wilhelm III. ein bescheidenes Haus geschenkt; sie starb aber bald darauf 12. Okt. 1791.

In Berlin war sie Sulzer und Ramler näher getreten; Ramler übernabm die Feile an ihren grammatisch und metrisch fehlerhaften Gedichten; Lessing bekümmerte sich nicht um sie. Sulzer bewunderte sie zuerst sehr, nachher ist sein Lob eingeschränkt; auch Klopstock zollte ihr Beifall. Die Gedichte ihrer ersten Periode, bis zur Ankunft in Berlin, zeugen von leichter Versification, aber die Sprache wird misshandelt. Sie las was ibr in die Hände fiel, und dadurch wurde ihr Geschmack oft irregeleitet, aber oft bricht ein reines und starkes Naturgefühl hervor. Als sie zu den gelehrten Männern nach Berlin kam, suchte sie sich hinaufzuschrauben; die historische und mythologische Gelehrsamkeit, die sie sich aneignete, passte schlecht zu ihrem Wesen; dazu verliessen sie ibre Kenntnisse nicht selten. Aber wenn sie ein erhabenes Lied singt, erkennt man doch die geborne Dichterin. Nur als sie mehr nachahmte und nachbildete, entfremdete sie sich ihrer eigenen Natur, und in der letzten Periode, etwa seit 1767, als sie des Erwerbs we

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