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gen dichtete, ihre Verse hervorsprudelte, obne je daran zu feilen, gewöhnte sie sich an die verwegensten Ausdrücke und opferte dem Reim oder Rhythmus die Correctheit, da war sie aus der Dichterin eine Improvisatorin geworden, und nur die zwei Trauerlieder auf Friedrich's des Grossen Tod sind ihrer würdig

Schiller und Goethe. Ein Vortrag. Vom Oberlehrer Friedr. Regentke. Programm des Gymnasiums zu

Ostrowo. 1865. 16 S. 4.

Der Vortrag charakterisirt kurz und wesentlich die Unterschiede der beiden Dichter; er bezeichnet richtig Goethe als den grössten Lyriker und Epiker, Schiller als den grössten Dramatiker, so wie auch richtig die Ursachen angegeben werden, die beide auf ihren Weg führten.

Ideenentwicklung des Spazierganges von Schiller. Von Patriz

Anzoletti. Programm des Gymnnasiums zu Bozen. 1865.

50 S. 8.

Auf die schöne Abhandlung von H. Deinhardt über den Spaziergang in den Beiträgen zur Würdigung und zum Verständnisse Schiller's I, 155—197 nimmt der Verf. keine Rücksicht Dennoch ist es ihm gelungen, seine Schrift so weit auszudehnen. Er gibt nicht bloss eine Paraphrase, sondern mischt auch eine Fülle ureigner Reflexionen bei. Darüber ist nun nicht viel zu sagen, aber einige auffallende Ansichten kommen doch vor. So meint er, Schiller hätte gut gethan, wenn er das Griechenvolk nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hätte, das habe dem unmittelbaren Verständniss und der harmonischen Wirkung des sonst unvergleichlichen Gedichts Eintrag gethan. Der Beweis ist nicht beigebracht. Ferner rufe nicht die strenge Logik,' sonlern der angenehme Wechsel der Scenen auf dem Spaziergange die eine Idee aus der andern hervor, nicht der kalte Verstand, sondern die vom höheren Geiste der Kunst getragene Phantasie leite die Gedanken. Ebenso wunderlich. Elegie beisse das Gedicht, weil wir hier die schönsten Güter des Menschen und all sein Glück in wechselndem Bestande sehen; über alle Bilder sei ein Hauch der Wehmuth ausgegossen und die Grundstimmung sei tief elegisch. Welch eine absonderliche Vorstellung von Elegie klingt daraus hervor, und wer möchte wohl mit dem Verf. die wehmüthige Grundstimmung berausfinden, die sich durch das Ganze ziehen soll! Zeigt sich bieraus schon Mangel an Klarheit bei dem Verf., so nachher noch mehr in den mit den Haaren herbeigezogenen Digressionen, so folgt selbst eine Abschweifung über Schiller als Historiker, der natürlich abgekanzelt wird ob seiner total verkehrten Darstellung aller Geschichtshelden, eines Alba, Philipp, Oranien, Eginont, Gustav Adolf u. a., weiter über den Vers: Freiheit ruft die Vernunft und Freiheit die wilde Begierde, der Veranlassung gibt, Schiller's Widerspruch mit dem Christenthum zu erbärten; folgen dann Auszüge aus dem 2. Theil des Faust, einigen preussischen Schulprogrammen und der Abhandlung von Friedrich Schlegel über die Sophisten, die noch existiren sollen, wozu als Beweis die neuliche Anrede des heiligen Vaters Pius IX. in St. Athanasius citiert wird. Hiernach wird der schwierige Satz, dass, wenn die staatlichen Einrichtungen sich halten wollen, sie zum Wohle des Volkes beitragen müssen, durch die schöne Entwicklung des Franzosenkaisers Napoleon III. in seiner Geschichte Julius Cäsar's bewiesen. Wenn die Sprache der Kirche im Staate nur mehr der Stimme des Rufenden in der Wüste gleicht, dann wankt der Thron, Pfeiler um Pfeiler brechen dann zusammen, und die stehenden Heere und die Argosaugen der öffentlichen Sicherheitsbeamten und alle die reichbezahlien Federn der Zeitungsschreiber vermögen nicht das fallende Gebäude festzustützen.“ Hierauf folgt wieder eine Abschweifung über Schiller's Entwicklung als politischer Dichter von den Spielen seiner Kindheit an bis zum Wilhelm Tell hin, bis er dann zum Schluss als der Weltdichter anerkannt wird, dessen ein Zeugniss sei das Schillerfest von 1859. Dem wird gegenübergestellt das Dantefest von 1865, dessen schändlicher Missbrauch zu ersehen „aus der ganz besonderen Huldigung, welche dem Raubkönige Victor Emanuel mit dem prächtigen Degen von Pascia mit Inschriften aus Dante dargebracht wurde.“. Aber der Schluss des Spazierganges befriedigt nicht, die Natur kann nicht unsere höchste Lehrerin sein. „Aber es gibt eine Anstalt, die der Sohn des Höchsten selbst gegründet, welche alle streitenden Machte versöhnt und eine süsse Friedensbotschaft, ein sanftes Friede sei mit dir! in das Herz des Einzelnen, wie in die gesammte Menschheit hineinruft, und diese Anstalt ist die katholische Kirche. Hätte sich Schiller in diese geflüchtet, so wäre ihm der Friede geworden, nach welchem sein Herz sich rastlos gesehnt und welchen so mancher Harfenschläger der romantischen Schule wirklich gefunden. Nur ein treues Festhalten an Glauben und Gesetz, nur die herzinnige Liebe zur heiligen katholischen Kirche vermag den Einzelnen, die Familie, den Staat und die Gesellschaft zu verjüngen und

Die katholische, sie ist die den Protestanten verlorengegangene Kirche, deren dumpfes Läuten wohl von jedem Redlichen oft vernommen, aber kaum mehr von der Sage recht geileutet wirit. Uhland vernahm wohl deutlich den Klang der verlorenen Kirche; nur die wahre, d. h. die katholische Kirche, kündigt uns das Evangelium, die gute Nachricht, und sie allein ist jene heilige Anstalt, welche züchtig und fromm das alte Gesetz ehrte und ehrt, die sich im Laufe der Zeiten nie geändert, welche niemals gealtert u. s. w."

zu erneuern.

Zur Entwicklungsgeschichte der deutschen Historiographie. Von

Dr. A d. Ì. Hora witz. Programm des Josephstädter
Gymnasiums. 1865. 45 S. 8.

Die Abhandlung bezieht sich auf die Geschichtswissenschaft unseres Jahrhunderts. In etwas stark pathetischer Redeweise setzt der Verf. aliseinander, wie unter dem äussern Druck eine nationale Geschichtschreibung entstand. Bahnbrechend ist das Werk Niebuhr's, es hat den Ernst der Forschung und die Kritik geweckt, die Vaterlandsliebe und liberale Grundsätze wurden verbreitet durch die Werke von Luden und Rotteck, so viele Mängel sie auch sonst haben mögen. Auf die Entwicklung der deutschen Geschichtwissenschaft wirkte bedeutend ein das Unternehmen des Freiherrn von Stein, die deutschen Geschichtquellen kritisch zu bearbeiten; an diesem bildeten sich G. H. Pertz und L. Ranke heran, dann deren Schüler Waitz, Wattenbach, Köpke, Abel u. 8. W.; Stenzel und W. Giesebrecht bearbeiteten einzelne Theile der Kaisergeschichte. Vorher schon war Schlosser aufgetreten, der die Geschichte populär machte und zu einer Lehrerin für Gegenwart und Zukunft; er hat den nachhaltigsten Einfluss auf die moralische Weltbetrachtung und das politische Urtheil des Volkes ausgeübt. Eine vermittelnde Stellung zur Ranke'schen Schule nehmen Aschbach, Gervinus, Häusser, Lappenberg, Stenzel und die andern Verfasser der Werke der Heeren-Uckert'schen Sammlung ein; in der Behandlung der Quellen nehmen Lappenberg und Stengel besonders eine hohe Stelle ein. Besonders auf das Politische haben ihren Blick gerichtet die zwei Historiker Raumer und Dahlmann. Niebubr's Werk der Kritik setzte Ranke fort, indem er die leitenden Grundsätze für die historische Forschung aufstellte und in seinen bedeutenden Werken praktisch durchführte; für Entwicklung von Verhältnissen und Charakteristik von Persönlichkeiten besitzt er eine besondere Begabung; er ist der Vater der rein objektiven Darstellungsweise geworden. Als seine Schüler lassen sich bezeichnen Waitz, Mommsen, Droysen, Dunker, v. Sybel, Curtius, W. Giesebrecht, Wattenbach, G. Voigt, Hirsch, Köpke, Büdinger, Hegel.

Während der Verf. der Ranke’scheu Methode vor der Schlosser's den Preis zuerkennt, hebt er wegen der Verbindung des eingehendsten Quellenstudiums mit dem warmen Gefübl für alles Menschliche vor Allem Gervinus hervor.

Gefördert ist die historische Wissenschaft in neuester Zeit durch die Arbeiten der vielen Geschichtsvereine und die Herausgabe der UrkundenAuszüge, zuletzt durch die Gründung der historischen Commission in München. Die Culturgeschichte liegt trotz einzelner tüchtiger Arbeiter noch sehr darnieder. Das Verdienst Gustav Freytag's hebt der Verf. mit Recht hervor.

So gibt diese Abhandlung eine fassliche Uebersicht über die wichtigsten historischen Erscheinungen. Der Verf. zeigt eine liebenswürdige Begeisterung für die rüstige historische Arbeit unserer Tage. Wenn er aber unserer Geschichtswissenschaft nachrühmt, dass sie mehr als die englische auf die Bildung des Volkes schon gewirkt habe, so möchte er sich doch wohl in einem Irrthum befinden. Herford.

Hölscher.

Miscellen.

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Mundartliche Proben aus der älteren Nürnberger Volkssprache.

In einem Nürnberger Trachtenbuch quer 4° des 17. Jahrhunderts finden sich unter den Figuren Reimereien.

Unter der „Milchbäu erin“ mit dem Rückenkorbe und dem Teller mit Butter steht:

Kaaft gouta milch, ihr weiber!
Schöina schmooltz, gouten keesi (?)

Gouta Buttermilch!
Eine Reihe Bauerntänze sind bildlich dargestellt; unten jedesmal ein
Liedlein.

Das Hochdeutsche steht über der Linie klein gedruckt; ich hebe nur die erklärenden Wörter heraus.

1.
Die Gröitl und der Hanssl.
Ihr schnodert*) dou an hauffn hea
Von kochn und viel schwänkn
Eha wenn a ana drunter wöa,
döi möcht öns böthn denkn.

2. .
Die Maigl und der Stoffl.
Su laust as haltas lusti sayn
In umsern gunga gourn **)
Die Fräud vergöit wuhl mit der zait
Bey unnern groubn hourn.

3.
Der Poiter und sein Mila.
Das böthn soll für alln sagn
Die arbet a darnöbn;
Und wenn döj zwaa soyn wuhl verricht
Su kon ih lustj löben.

4.
Der Sixla und sein Öltz.
Ih spring oiz immer wadli ***) drain
mit meiner loibn Ölzn (Ölse)

*) schnattert.
**) in unsern jungen Jahren.
***) wacker.

Ih wäiß wenn ih soll lustj sayn
Und wenn ih Böum soll peltzn.

5.

Die Durl und jhr Görg.

Mir säyn halt denist g'steifta *) Leut
Mia böthn in der körchn

Und wenn mein arbet ist verricht
Su danz ih mit n Görgn.

6.

Der Fritz und sein Zusl.
Und ih bin aml a kein Narr
Kan foechten (ausgerissen) mitn
Fritz umr a Zusl in d'händ
Fast wacker Schlegl.

7.

Der Sima und die Kethl.

Denk wuhl! wöi solls denn annerst säyn?
Es haut all ding säyn zeit

Und wenn a mensch prav g'arbet haut
Su schaffern halt a fraud.

8.

Die Appel und der Velta.

Potz plunder, Fritz, doss gfällt mer wuhl!
du konst die madla lubn

Koin möyh mi nit verdrößn soll
denn jugend mouß verdubn.

9.

De Steffa und sein Annala.
Eha brouder du bist rôcht wuhl dron
dain mainung gfällt mer wuhl,
denn wer sih su drain schikn kon
Ist glück und sögns ful.

10.

Die Lisl und ihr Gouckl. (Jacob).
Pfeiff Pfeiffer auf! pfeiff wacker drauff!
Und thou den Sock prav trückn
Hebt mj der Gouckl wadlj auf,
Dass kon mein bloot erquikn.

Ein anderes Blatt trägt den Titel: „ein (in)-ländischer Baurendanz mit einem beigefügten bäurischen Hochzeit Disconos, bey welchem euch die teutschen Buchstaben die bäurischen Reden anzeiget und durch die lateinischen erkläret werden."

1.

*) brave.

Der Schalmeyen pfeiffer fängt an zu reden.

Su bald als ih ins maul nain schöib

den Stiel mainer Schalmaya;
Dau thörna sih die Gröitla schon
Afs gumpn wadli fräyä.

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