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nach den damaligen Verhältnissen sich meist auf Reichthum und Gewinn bezogen, mit Opfern und Gelübden darzubringen. Und nun der Dichter, ein Priester der Musen, ein Schützling des Apollo, was soll er sieh erbitten? Die letzte Strophe der Ode spricht es aus, nachdem die vorhergehenden Strophen die Wünsche der Menge mit seliger Genügsamkeit hinweggewiesen; nichts anders erbittet der Dichter, als Gesundheit an Leib und Seele (mens sana in corpore sano) unter stetem Geleite seiner Dichtkunst, so lange er lebe.

v. 1. dedicatum, vom Tempel und Standbild übertragen auf den Gott selbst. 3. liquorem, Weinspende mit begleitender Intention. 4. Sardinien eine Art Kornkammer für Rom. 5. Calabrien mit seinen vorzüglichen Weidetriften.

7. Liris (jetzt (Garigliano) durchfliesst besonders das südliche Latium, mündend bei Minturnä; in der Nähe der Formianer Wein und die Campanischen Weine Massiker, Falerner, Calener. 12. Syra, gegen orientalische Waare erhandelt. 13. dis carus, so scheints nach seinem Glück bei den Handelsfahrten. 18. Latous, Sohn der Latona. Dones mihi frui degere. Verschiedene Erklärungen; in den Handschriften fast durchgehends „at precor“, statt et, während letzteres die einfachste Gliederung bietet und meist aufgenommen ist. Od. I, 32. Poscimur. Versmass Sapphisch.

Wort und Ton gehören beim lyrischen Dichter zusammen („du, meine Harfe, preise den Herrn!“ Klopstock). An die Leier wendet sich der Dichter, wenn er singen soll oder will, wenn er von aussen aufgefordert wird oder den innern Drang fühlt; beides begründet ein „rite vocare, womit die Ode so schön schliesst. Solch eine Hinwendung des „Romanae fidicen lyrae“ an die griechische Lyra für lateinische Worte, solch ein liebevoller Verehrungsgruss an dieselbe, während er eben unmittelbar in ihre Saiten greift, ist diese Ode, also ein selbständiges Ganze und jederzeit für unsern Sänger, und beziehungsweise für jeden Dichter, gültig, wie die letzte Strophe es ausspricht: „mihi cunque salve rite vocanti“. Nicht aber bildet die Ode ein Vorspiel für eine bestimmte andere noch zu machende Ode; dann hätte auf den Gegenstand derselben hingewiesen werden müs

In dieser Ode hat es der Dichter lediglich mit seiner Leier und seinem poetischen Herzen zu thun; und die Veröffentlichung der Ode sagt dem Publicum gleichsam: „Seht, so mach' ichs, wenn ich dichten will.“

v. 1. vacui sub umbra, recht nach Horazen's Weise. 2. tecum, personificirend; lusimus auf die leichtere Poesie, Horaz die seinige betrachtet (cf. Od. I, 6, 10 u, 20.). 5. Alcäus, als Hauptvorbild des Horaz; er sang „pugnas et exactos

sen.

wie

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tyrannos“ (od. II, 13, 31), aber auch gesellige Lieder, mitten zwischen seinen Kriegszügen.

10. puerum,

Amor. 11. Lycus, ein Liebling des Alcäus. 13. Vgl. ganz entsprechend Hom. Il. I, 603. 14. laborum , für die Menschenkinder. 15. mit dem herzlichen „salvedrückt er die Leier gleichsam an seine Brust, und mit dem „rite vocantischaut er sie verehrungsvoll als etwas Göttliches an.

Od. I, 34. Parcus deorum. Versmass Alcäisch. Die wahnwitzige Weisheit (insaniens sapientia) des philosophirenden Unglaubens, zu der auch Horaz sich langsam hingeneigt hatte, wird hier durch ein plötzliches Donnergeroll bei heiterm Himmel aufgeschreckt und zur Anerkennung einer waltenden Gottheit geführt, die, wie in der Natur, so auch im Menschenleben mit ihrer mächtigen Hand eingreife und ihre unvorhergesehenen Fügungen treffe. Die Ode selbst mag recht wie ein Donnerschlag für viele Herzen damals erklungen haben und immer erklingen. Und wie jene ungewöhnliche (wohl wirklich erlebte) Erscheinung, So sollte fortwährend die ganze Natur als Zeugniss Gottes empfunden werden; denn da „ist Allmacht alles und Wunder alles".

v. 1. die Theilnahme am Cultus nach Massgabe des Innern.

2. besonders die Epikureische Philosophie. 4. iterare vgl. Od. I, 7, 32. 5. Diespiter, Juppiter, mit feierlicher Gläubigkeit. 9-11. schöne Zeichnung der allseitigen Erschütterung. Taenarum mit einem Eingang (Höhle) zur Unterwelt (das heutige Cap Matapan) - 13. „die Mächtigen setzt er vom Throne und erhöhet die Niedrigen.“

14. гарах cum stridore etc. wie ein Raubvogel; hier vielleicht mit Beziehung auf die Parthischen Verhältnisse zwischen Phraates und Tiridates. Od. I, 35. O diva gratum.

Versmass Alcäisch. Diese Glanzode Horazischer Poesie knüpft durch ihre Stellung wohl absichtlich an die Schlussstrophe der vorhergehenden Ode an, an die Macht der Fortuna. Im J. 27 v. Chr. betrieb Augustus Rüstungen für zwei Haupt-Feldzüge, den einen gegen die Britten, den er selbst führen wollte, den andern gegen den Osten (die Parther) unter Aelius Gallus. Welch eine Erhebung für die Römer, nach den langen Bürgerkriegen einmal wieder einem echten Römerkampfe gegen äussere Feinde entgegen zu sehen, und welcher Drang, allen Segen des Himmels herabzuflehen für den, der solchen Umschwung der Dinge herbeigeführt! An die Fortuna, als die Trägerin der himmlischen Macht, an die ehrwürdige Göttin von Antium, wo sie einen der ältesten Tempel hatte, wird der Ausdruck jener Empfindungen gerichtet, indem, wie bei jedem Gebete, zuerst die Mo

2. prae

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tive des Vertrauens (hier die Anerkennung der Macht) und dann die Bitten selbst ausgesprochen werden. Nach der ersten Anrufungsstrophe bilden von den 9 folgenden je drei gleichsam einen musikalischen Satz: „0 mächtige Fortuna! zu dir nimmt jeder seine Zuflucht; denn von deinem Walten und Wirken hängt Alles ab; so nimm denn in deine Obhut diesen Anbruch einer neuen Zeit, wie wir der vorhergegangenen wegen unserer masslosen Frevel uns schämen.“

v. 1. Antium, alte Volscische Stadt in Latium, nahe am Meere, mit einem berühmten Tempel der Fortuna. sens, immer bei der Hand, also vermögend, mächtig. 4. „Triumphzüge und Leichenzüge.“ 7. Bithynien reich an Schiffsbauholz und Handel. 8. Carpathus, Insel zwischen Rhodus und Kreta. 9. Die Dacier, an der Donau in Ungarn, sehr kriegerisch. 11. orientalische Verhältnisse. 13. injuriosus, gewaltsam. 15. Revolution. 17 etc. scheint auf eine bildliche Darstellung (Gemälde) der Fortuna von Antium zu deuten. Die Symbole bezeichnen das Feste, Unabänderliche. cf. Od. III, 24, 5. 21. Hoffnung und treue Freunde weichen auch im Unglück nicht. 28. dolosi , das Joch mitzutragen sind sie zu listig und falsch, d. h. sie wissen sich zu entziehen. 33. eine Art von év did tplov, Narben aus frevelhaftem Kampf mit Brüdern. 37. alles gipfelt in der Gottesfurcht cf. Od. III, 6. 40. bei dem a- und as-Klange dieses Verses glaubt man den kampfzornigen Blick zu sehen.

Od. I, 37. Nunc est bibendum. Versmass Alcäisch. Die ganze Ode ist eigentlich nur ein einziger Satz, ein hervorbrechender, hinrollender Jubelruf bei der Nachricht von Cleopatra's Tode, wodurch der siegreiche, das Schicksal Roms entscheidende Feldzug des Augustus gegen Antonius zum völligen Abschluss kam. Nach dem, man könnte sagen burschicos aufspringenden Anfang welch ein Standpunkt, von welchem aus man den ganzen Feldzug und seine Bedeutung in Prachtbildern vorüberziehen sieht bis zu der Todesscene der Kleopatra und der versöhnlichen Reflexionsstimmung: „Wahrlich kein gemeines Weib!“ Die Nachricht kam im September 30 v. Chr. nach Rom; Cicero's Sohn verkündigte sie als Consul im Senate; gewiss eine Art von Genugthunng für seinen Vater.

v. 2. Saliaribus, die köstlichen Festmahlzeiten der Salier, Priester des Mars. 7. Kleopatra hoffte durch Antonius Königin von Rom zu werden. 9. gleichsam eine räudige Herde; geht auf die entstellenden orientalischen Krankheiten, wie Aussatz u. dgl. 10. impoteus sc. sui, also masslos. 13. der Flottenbrand bei Actium. 14. Mareoticum, gewürziger berauschender Wein am Mareotischen See in Unterägypten.

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16. ab Italia volantem, nach der Schlacht bei Actium. 21. quae, nach monstrum gerade vor generosius schöner Uebergang ins natürliche Geschlecht. 24. „sie verschaffte sich keine Schlupfwinkel". 28. corpore, nicht mit dem Munde.

29. psychologische Wahrheit. 30. die schnellen Liburnerschiffe des Augustus entschieden den Sieg; cf. Epod. I, 1.

Od. I, 38. Persicos odi. Versmass Sapphisch. Nach der vorhergehenden Prạcht- und Schwungode folgt nun zum Abschluss des Buches ein kleines unscheinbares Meisterstückchen, worin der Dichter wie in einem Bildchen sich selbst vorführt, als wollte er sagen: „Ihr meint wohl, wenn ich solche Oden machte, sässe ich da wie ein Gott, mit feierlichem Gepränge; o nein! das geht äusserlich ganz gemüthlich und genüglich her; seht mich hier unter einer schattigen Weinlaube mit einem Fläschchen Wein sitzen, einen einfachen Myrtenzweig ums Haupt, den mir mein Diener gebracht hat.“ Und nun beachte man die Geschäftigkeit des Dieners, als der Dichter sich Wein in den Garten bestellt hat. „Heut machen wir eine Prachtode“, denkt er wohl, und trifft festliche Zurüstungen, bringt vielleicht Diwans herbei, läuft im Garten umher, um noch irgendwo Rosen zu finden (etwa im September, bald nach der vorhergehenden Ode) und dem Dichter einen Kranz zu binden, während er selbst einen Myrtenzweig sich ums Haupt schlingt; aber „Persicos odi apparatus.Welch ein Leben in den acht Zeilen! Gewiss eine schöne und bedeutungsvolle, den Dichter charakterisirende Vignette zum Schlusse des Buches! v. 1. Persicos, für orientalisch überhaupt.

2. nexae; zweierlei Arten von Kränzen, aus einem einfachen Zweige (Myrte, Epheu etc.) oder gebunden (nexae) aus zusammengereiheten Blumen, namentlich Rosen. 6. sedulus, vgl. Epist. I, 13, 5.

Zweites Buch der Oden. Das zweite Buch (worin bei den 11 ersten Oden das Alcäische Versmass mit dem Sapphischen alternirt) enthält vorzugsweise Oden an Freunde und Gönner. Nicht ohne Absicht steht an der Spitze des Buches Asinius Pollio, einer der gebildetsten und bedeutendsten Männer seiner Zeit; er war es, der dem Virgil sein Gut wiederverschaffte und schon durch diesen auch gewiss früh ein Gönner des Horaz wurde.

Od. II, 1. Motum ex Metello. Versmass Alcäisch. Wie sich in der zweiten, also eigentlich ersten Ode (s. S. 223) des 1. Buches der Rückblick auf die Bürgerkriege an Augustus als den Retter aus denselben knüpft, so eröffnet sich hier dieser Rückblick durch Pollio als den Geschichtsschreiber derselben. Pollio, wie die Ode selbst ihn vorführt (v. 9-16), war als TraLatein-Dichter, III.

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gödiendichter, als Redner und Sachwalter, als Staatsmann im berathenden Senate thätig und hochgeehrt, und hatte als Feldherr sogar einen Triumph gefeiert. Und nun wieder ein neues Feld betreten, die Geschichtsschreibung, und das mit einem so schwierigen und gefährlichen Unternehmen, mit einer Geschichte der Bürgerkriege, wovon die Funken noch glimmten und wobei so manche Persönlichkeiten leicht verletzt werden konnten! Die bewundernde Theilnahme für diese neue Thätigkeit von Pollio's Geistesgrösse ist das lyrische Motiv der Ode, die dann einerseits den pragmatischen Gehalt und die Kunst der Darstellung, wie sie von einem Pollio zu erwarten, im voraus charakterisirt, und anderseits des Dichters eigene Empfindungen über die Gräuel des Bürgerkrieges so gewaltig zum Ausbruch drängt, dass er nur durch plötzliche Hinwegwendung sich ihrer erwehren kann. In feinster Weise lässt dieser plötzliche Schluss der Ode durch das „leviore plectro" zugleich das „majus plectrum s. ingenium" des Pollio durchfühlen. Asinius Pollio, geb. 75 v. Chr., stand auf Seiten Cäsars gegen Pompejus, machte Feldzüge in Gallien und Spanien, verband sich nach Cäsars Tode mit Lepidus und Antonius, vermittelte den Frieden von Brundisium, war im J. 40 Consul, feierte 38 einen Triumph nach einem Siege über die Dalmatischen Parthiner und stiftete aus der Kriegsbeute die erste Bibliothek in Rom. Von da an zog er sich vom Kriegswesen zurück und lebte später ganz seinen Studien bis zum 80. Lebensjahre. Die berühmte 4. Ekloge Virgils trägt seinen Namen.

v. 1. Metellus, Consul im J. 60, also vom ersten Triumvirat an. 2 etc. Charakterisirung der pragmatischen Geschichtschreibung; vitia Fehler, Missgriffe. - 4. amicitias, die Verbindungen der Häupter, Triumvirate. — 5. „noch nicht gesühnt“, besonders durch äussere Kriege. - 11. ordinaris, das Geschichtswerk bis zur hergestellten Ordnung abgeschlossen.

17. jam nunc; ohne Zweifel hatte er den Freunden einzelne Stellen vorgelesen. 24. Cato wollte lieber sterben, als von der Republik lassen und sich vor Cäsar beugen; er tödtete sich in Utika nach der Schlacht bei Thapsus (46), wo_10,000 Pompejaner fielen (victorum nepotes) gleichsam als Todtenopfer für den im J. 106 überwundenen Jugurtha. 26. die Schutzgötter wichen vor dem Ausbruch des Verderbens. 32. Hesperia, gegenüber dem Osten (Medis). 34. Daunia, zunächst Apulien, des Dichters Vaterland. 38. Simonides von der Insel Cea, zur Zeit der Perserkriege, verfasste Nänien (prvou) Trauergesänge. Munera wie oben 11. munus. 39. Dione, Mutter der Venus, die überhaupt das heitere gesellige Element vertritt.

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