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Od. II, 2. Nullus argento. Versmass Sapphisch. Dieser Salust war Schwestersohn des bekannten Historikers; er hatte grosse Reichthümer, besass Bergwerke, war thätig in Staatsgeschäften, hochangesehen bei Augustus, wollte aber, wie Mäcenas, nur einfach im Ritterstande ohne Ehrenstellen bleiben. Dass er seinen Reichthum nicht geldgierig häufte, sondern vielseitigen, auch Andere erfreuenden Gebrauch davon machte und entsprechenden Glanz entfaltete, ist der Standpunkt für diese Ode, die dann natürlich auch in solcher Handlungsweise bestärken und vor dem Gegentheil warnen mag. Dieses Gegentheil empfängt sein abschreckendes Porträt gerade am Schlusse der Ode, so dass sie uns gleichsam vor demselben stehen bleiben lässt; das Wort „irretortoerweckt nämlich lebhaft zugleich die Anschauung eines „oculus retortus“ und somit der ganzen malerischen Haltung eines Geldgierigen beim Anblick von Geldhaufen. Die Composition der Ode lässt nach verschiedenen Seiten die schönsten Gliederungen vornehmen.

v. 2. offenbar mit Anspielung auf die Bergwerke des Salust, aber auch mit Beziehung auf das Geldbergen des Geizigen. inimice, sc. nisi etc. 4. Proculejus, Vertrauter des Augustus, repräsentirt hier einen besonders edlen „usus; er hatte sein Vermögen abermals mit seinen zwei Brüdern getheilt, nachdem dieselben ihre Erbtheile durch die Bürgerkriege verloren hatten.

7. metuente solvi, also innerer Lebenstrieb, unlöslich. 11. zwei Welttheile; Punior in Africa und Spanien. 13. hydrops, die Wassersucht, wird personificirt, als würde sie durch Wassertrinken immer noch durstiger. 17. Phraates, König der Parther im alten Persergebiet, durch Tiridates vertrieben, aber durch Hülfe der Scythen wieder in sein Reich zurückgeführt. – 17. „nur die Tugendhaften sind die wahren beati, nur die Leidenschaftslosen, die wahren Kronenträger, nicht diejenigen, die das gemeine Volk dafür hält“.

Od. II, 3. Aequam memento. Versmass Alcäisch. Der Hauptgedanke der Ode ist die bei Horaz oft wiederkehrende Mahnung, in allen Lagen des Lebens den Gleichmuth zu bewahren, die kurze Lebensfrist nicht durch Trübsinn zu verbittern, sondern mit Heiterkeit zu geniessen, da der Tod unvermeidlich und Allen gemeinsam sei. Dellius, an den diese Mahnung zunächst gerichtet ist, war während der Bürgerkriege sehr wankelmüthig von Partei zu Partei, zuletzt natürlich zu Octavian übergegangen, so dass ihn der Redner Messala einmal „desultor (ein von Pferd zu Pferd springender Kunstreiter) bellorum civilium“ nannte. Wenn er nun auch äusserlich um diese Zeit zu ruhigem Lebensbesitz gekommen war, so mochte er doch, wie es solchen Charakteren eigen ist, oft in trübsin

nige Stimmungen und neue Schwankungen gerathen, und einem solchen Momente gegenüber gilt diese Ode, wie gleich der nachdrucksvolle Anfang: „Aequam mementoerkennen lässt. Eine poetisch, anschaulich momentane Situation, in die man nothwendig durch das Wort huc (v. 13) versetzt wird, baut sich in den drei Mittelstrophen auf. Wir können uns etwa denken, Horaz befinde sich auf dem prächtigen Landgute des Dellius, wandle mit ihm in den schönen Anlagen umher, und Dellius habe in seinen Gesprächen mit allerlei trübsinnigen Bedenklichkeiten zu schaffen; Horaz redet ihm zu mit den allgemeinen Wahrheiten, welche die Ode enthält, und sucht dann plötzlich den trüben Gesprächen ein Ende zu machen, als sie sich eben an einem schönen schattigen Plätzchen neben einem rieselnden Bächlein befinden, indem er den Freund gleichsam beim Arme fasst und sagt: „sieh doch, wie schön ist's hier! lass uns statt solcher Gespräche lieber ein Fläschchen Wein hieher bringen etc.“. Solch ein Erlebniss wird dann später dem Freunde als Ode zum Andenken verehrt. v. 1. arduis ein anschaulicher Gegensatz zu aequam.

4. moriture, die sichere Zukunft als Müssen; cf. Od. I, 28, 6. 6. vgl. Od. I, 1, 20–24. 8. eine feine Sorte Falerner, die auf dem Weinlager mehr nach innen gelegt wurde, als der tägliche Wein. 9. In einer mit dieser ganz verwandten Ode (II, 11) heisst es: „Cur non sub alta vel platano vel hac Pinu jacentes sic temere et rosa Canos odorati capillos, Dum licet, Assyriaque nardo Potamus uncti?“ Sowohl diese Stelle mit „cur non“, als das personificirende amant in seiner Beziehung zu hospitalem, spricht für die fragende Lesart quid in y. 11, wofür in den meisten Handschriften quo (mit Hiatus). 11. laborat, wegen der Hindernisse, daher das hörbare Rieseln bezeichnend. 15. Umstände, Lebensalter, Lebensfrist (Parzen).

17. cedes cedes! also benutze es in Heiterkeit, so lange du es hast. 21. Inachus ältester König von Argos, Sohn des Oceanus; dem dives entspricht pauper, dem Inachus das infima de gente, dem Alle gleichmässig überdachenden Himmel (divo) der Alle gleichmässig verschlingende Orcus. 25. Die letzte Strophe muss mit der heiteren Intention des Dichters, nicht mit der düstern Farbe des Todes aufgefasst werden; dazu passt auch gerade das Schlussbild, ja das Schlusswort cymba, worin der Dichter uns sitzen und uns gleichsam gegenseitig schattenhaft anblicken lässt, um, weil es noch angeht, aus dem Charonsnachen der Verbannung (exsilium) wieder herauszuspringen und uns des Vaterlandes und des Lebens zu freuen. Od. II, 6. Septimi Gades. Versmass Sapphisch.

Diese persönliche Freundschaftsode hat etwas modern Sentimentales,

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fast Melancholisirendes nach Hölty's Art. Sie könnte wohl gedichtet sein in den ersten Zeiten nach der Schlacht bei Philippi (worauf v. 7 u. 8 deuten), die vielleicht auch Septimius mitgemacht. Es ist derselbe, übrigens nicht näher bekannte, Septimius, den der Dichter in Epist. I, 9 dem jungen Tiberius empfiehlt als einen fortem bonumque. „Ich weiss, wie lieb du mich hast; wir sind unzertrennlich bis in den Tod; am liebsten möchte ich bei Rom im schönen Tibur, oder wenn das versagt sein sollte, in der herrlichen Gegend von Tarent mit dir ein stilles ländliches Leben hinbringen, bis du der Asche deines Sängers (denn du darfst nicht vor mir sterben) eine Thräne weihest.“ Gerade die poetische Seite des Horaz scheint den Septimius besonders gefesselt zu haben.

v. 1. Gades, gleichsam bis an's Ende der Welt, Atlanteus finis Od. I, 34, 11. 2. die Cantaber, hier als wilder Volksstamm (im nördl. Spanien), unbezwingbar für die Römer, erst im J. 20 durch Agrippa unterjocht. 3. Syrtes, als unbewohnbare Sandwüsten. 5. Tibur, von den drei Argivischen Brüdern Tiburnus, Catilus u. Cora erbaut. 7. Kriegsdienst zu Wasser und zu Lande. – 10. pellitis, mit Pelz überdeckt, zum Schutz der feinen Wolle (,,ne lana inquinetur“; Varro). 10. Galaesus, noch jetzt Galaso. 12. Phalanthus, Gründer von Tarent, Anführer der spartanischen Parthenier. 14. der Honig steht dem vom Berge Hymettus (in Attika), die Olive der von Venafrum (in Campanien), und (v. 18) der Wein (Aulon, Berg oder Gelände bei Tarent) dem Falerner nicht nach. Bakchus ist dem Aulon günstig. — 22. arces, die ländlichen Höhen mit den gesegneten Pflanzungen. postulant, das Anziehende der Gegend fühlt der Dichter als ein persönliches Verlangen und Einladen derselben. — 23. debita; der Freund dem Freunde.

Od. II, 7. O saepe mecum. Versmass Alcäisch. Ein aufjubelndes Willkommen dem alten Kriegskameraden aus der Jugendzeit, mit erfrischter echt soldatischer Färbung; nach dem ersten Staunen und Umarmen ein soldatisches „Denkst du daran, wie etc.“; dann in der Mittelstrophe die Trennung, und nun aber auch gleichsam ein Handschlag auf dauerndes Zusammenbleiben, und dann Massiker herbei! und sofortiges Vebergehen zu einer improvisirten Festfeier des Wiedersehens mit jugendlichem Ungestüm. Es ist der nicht näher bekannte Pompejus Varus, der, wie die Ode zeigt, mit Horaz unter Brutus das soldatische Lagerleben und die Schlacht bei Philippi mitgemacht hatte, dann unter Sextus Pompejus noch weiter im Kriegsgewoge geblieben war und erst spät, etwa in den zwanziger Jahren, nach Rom zurückkehrte, von wo er sich, so können wir uns denken, gleich nach dem Sabinum begab, um den

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Horaz zu überraschen, dessen Dichterruhm ihm natürlich längst bekannt geworden.

v. 1. O, gleich im Anfange sehr affectvoll. 2. deducte mit duce eine Art von Oxymoron. 3. Quiritem als Gegensatz zu militiae. 4. „die nach dir väterlich verlangten“. 6-9. soldatisches Lagerleben. 10. non bene, mit leichtem Scherz, „eben nicht sehr heldenmässig“;. war er ja zum Kriegerlorber nicht geboren; übrigens verschiedene Erklärungen. 11-12. drastisches Bild von einem Schlachtfelde. 13. Mercurius als Erfinder der Lyra, Patron der Dichter; celer, weil beflügelt; „wie durch ein Wunder bin ich glücklich entkommen“. - 15. Das Bild passt zugleich auf die Kriegsführung zur See unter Sext. Pompejus. 17. obligatam, schuldig, wie sichs gebührt, vor allem dem lieben Gott gedankt. 19. depone mit soldatischer Färbung; sub lauru mea, concret anzuschauen, als stände da (etwa im Atrium) ein Lorberbaum, aber natürlich mit Beziehung auf den Dichterlorber des Horaz. — 21. weil er vergessend macht, so gilt er selbst als vergesslich. 24. „schnell den ersten besten Zweig herbei, um das Haupt zu kränzen“. – 24. Der Venuswurf, wenn jeder der vier tali (länglich) eine andere Zahl von Punkten hatte (1, 3, 4, 6). arbitrum, sonst „rex bibendi“; hier um so lustiger, da zunächt nur die beiden zusammen sind; daher auch gleich hinterher die starken Ausdrücke, bis zu dem, den Pompejus gleichsam herumschwingenden furere.

Od. II, 9. Non semper imbres. Versmass Alcäisch..

C. Valgius Rufus, an den die Ode gerichtet ist, war einer der begabtesten Männer unter den Freunden des Horaz, befasste sich mit Grammatik , Rhetorik, Naturwissenschaft, und schrieb als ausgezeichneter Dichter Episches und Elegien. In diesen letzten scheint er (vielleicht nach griechischen Vorbildern) besonders viel bei Klagen über den Tod eines Lieblings unter dem poetischen Namen Mystes verweilt zu haben (tu semper urges flebilibus modis). Dem gegenüber ist die vorliegende Ode durchaus kein Trostgedicht, sondern eine Aufforderung, statt der weichlichen Klagen seiner Poesie einen höheren Schwung zu geben, wozu Horaz ihn um so fähiger erklärt, als er ja am Ende sich gleichsam mit ihm identificirt und dichterisch vereinigt (cantemus) zum Preis des Augustus.

v. 1. In den vier Naturbildern der beiden ersten Strophen manchfache schöne Parallelismen und Antithesen. So entspricht 2. B. dem hispidos (in aequore campi) zur Zeit der winterlichen Regengüsse, das inaequales aequore maris, und dem star Eise (v. 5) der bewegliche laubzerzausende Aquilo. – 11. amores, die sehnsüchtigen Empfindungen. Vesper als Abend- und

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Morgenstern. 13. Nestor, der drei Menschenalter lebte; Ana tilochus sein Sohn, von Hektor getödtet. 16. Troilus, jugendlicher Sohn des Priamus, von Achilles getödtet. Phrygiae sc. Trojanae, wie Cassandra und andere Töchter des Priamus.

19. Augusti , diesen Namen erhielt Octavian im J. 27; die nova tropaea im Osten scheinen auf das Jahr 20 für diese Ode zu deuten, wo dem Augustus im Orient sich Phraates beugte.

20. Niphates, Berg in Armenien.- 21. Medum flumen der Euphrat. 22. volvere als Object zu cantemus. minores vertices, weil nicht mehr gefürchtet. 23. Gelonos die Scythen.

Od. II, 10. Rectius vives. Versmass Sapphisch. Das griechische undev ayav ist gewissermassen der Kern oder das Thema dieser Ode. "Das rechte Mass in allen Dingen, die goldne Mittelstrasse in den äussern Verhältnissen und Bestrebungen, der ruhig besonnene Gleichmuth im Innern bei allen Lagen und Wechseln, sind die Lebensprincipien, welche gepriesen und offenbar mit persönlicher Nachdrücklichkeit dem Licinius an’s Herz gelegt werden, so dass man deutlich erkennt, wie Licinius seinem Charakter und Verhalten nach solcher Mahnungen bedurfte. Dass Horaz sie ihm freimüthig ertheilt, zeigt das freundschaftliche Verhältniss zwischen beiden. Nach der gewöhnlichen Annahme ist dieser Licinius ein Sohn des Licinius Murena, welchen Cicero vertheidigte, ein Bruder des bekannten Proculejus, der sein Vermögen mit den Brüdern abermals theilte (Od. II, 2, 5), hatte also während der Bürgerkriege wohl eine hervortretende, etwas leidenschaftliche Rolle gespielt, wie er denn überhaupt in seinen Reden eine rücksichtslose Freimüthigkeit gezeigt haben soll. Bei Augustus stand er in Ehren, wurde im J. 25 gegen die Salassier (in den Alpen) gesandt, die er besiegte, gelangte im J. 23 zum Consulate, aber damit auch zum Schiffbruch seines in der Ode angedeuteten Charakters; er liess sich mit Cäpio in eine Verschwörung gegen den Augustus ein, wurde entdeckt und auf der Flucht getödtet. „Sine hoc facinore potuit videri bonus“ schreibt Vellejus über ihn.

v. 1. rectius, ein fein gewählter Comparativ, zunächst allgemein: „richtiger als mit dem Gegentheil, d. i. am richtigsten“, zugleich aber auch mit persönlicher Mahnung: „als jetzt“.

2. Das Bild der Schifffahrt kehrt in anderer Weise am Ende der Ode aufs schönste wieder. 6. caret, er hält sich also fern davon. 9. saepius; das weiss jeder, der die Gipfel hoher Bäume beobachtet; daher nicht das unverbürgte saevius.

Von hier an ist fast jeder Satz eine verwen are Sentenz, mit immer neuer individueller Färbung, in wahrer poetischer Meisterschaft.

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