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Od. II, 13. Ille et nefasto. Versmass Alcäisch. Es war im J. 30 am 1. März, wo Horaz auf seinem Sabinum durch einen unversehens umstürzenden Baum beinahe wäre erschlagen worden. Das ist die Veranlassung zu dieser Ode. Sie ist ebenso einfach als kühn angelegt, besteht einfach aus einer Exsecratio und einer Vision, d. i. aus einer Verwünschung des Baumes und seines Pflanzers, und aus einem Blick oder visionsmässigen Eintritt in die Unterwelt, der er beinahe wäre zugeführt worden; natürlich schliesst er sich dort bei seiner Umschau vor allem an die Sänger an, namentlich an seine verehrten Vorbilder Sappho und Alcäus, und fühlt sich dadurch selber so gehoben, dass er gleichsam mit dem Lauschen auf deren Töne und mit dem darunter versteckten Gefühlé, dereinst auch dort unten so geehrt zu werden, die Ode abschliesst, die sich somit in Herz und Phantasie noch fortspielt, und zwar in entgegengesetzter Weise, als wie sie begonnen; Eingangs nämlich negative und bittere Misstöne, und am Eade volle fast hörbare Harmonie in seinem Dichterherzen; also dramatisch - lyrischer Verlauf. Das Ereigniss wird weiter erwähnt in Od. II, 17, 27. HII, 4, 27 und III, 8, 7.

v. 2. quicunque primum sc. posuit. 7. „nächtlich den Gastfreund ermordet". 10. tractavit, gleichsam geschäftlich sich damit befasst. 11. caducum, als innerer Trieb, gleichsam fallsüchtig. - 13. „man weiss nie, wovor man sich in Acht zu nehmen, was man zu meiden habe; gewöhnlich fürchtet man nur die offenen Gefahren, aber verstecktes Verderben ist überall nahe" - 15. Poenus, als besonders Schiffskundiger. 16. caeca, versteckt, geheim. 17. fugam, die bekannte Kriegsart der Parther. - 19. robur, in Verbindung mit catenas (beim Triumphzuge) das „robur Tullianum“, ein vertiefter Schreckensort im Kerker, wo die Gefangenen getödtet wurden. Nach anderer Auffassung robur als Kerntruppen. paene, wie nahe war's, dass. 22. Aeacus, Sohn Juppiters, Grossvater des Achilles, wegen seiner Gerechtigkeit zum Richter in der Unterwelt gemacht, nebst Minos u. Rhadamant. 25. Sappho klagend über die Gleichgültigkeit ihrer Landsmännin

26. plenius gegenüber dem querentem; sofort nachgeahmt durch dura, dura, dura. — 29. „Beider Gesang wird, wie er's verdient, in andächtiger Stille von den Schatten bewundert“. 32. „schlürft mit dem Ohre das Volk, Schulter an Schulter gedrängt“. 34. demittit, selbst der grimmige Cerberus lässt im Lauschen von seiner wilden Natur ab, stets „aure sublata“ Wache zu halten. - 38. decipitur, vergisst lang. sam, verliert die Empfindung seiner Qualen. 40. Die Lieblingsbeschäftigung wird in der Unterwelt fortgesetzt, wie es ja

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21. quam

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auch von Alcäus u. Sappho geschieht. Also der Gesang überwältigt Wildheit, Schmerz und Leidenschaft.

Od. II, 14. Eheu fugaces. Versmass Alcäisch. Das Wort „harum" in V. 22 versetzt in eine bestimmte Situation, ins Anschauen der „arborum“, etwa auf das Landgut des Postumus, wobei denn auch die „placens uxor" nicht fern sein kann. Der plötzlich ausbrechende Anfang der Ode mit der Farbe des höchsten Affectes, die durch die ganze Ode durchgehende Neigung zu grellsten Zeichnungen und Hyperbeln, das wiederholte, fast behagliche Verweilen bei den sagenhaften Schreckgestalten der Unterwelt, die gleichsam zur Schau getragene Resignation und der fast massiv sich hinstellende Gegensatz in der Schlussstrophe mit dem letzten Blick auf das schwelgerische Gelage des Erben das alles ässt die Ode nicht als eine ernste, dem Herzen tiefentquollene Klage über die Flüchtigkeit des Lebens und die Unvermeidlichkeit des Todes auffassen, sondern als einen der besonderen Gelegenheit und dem Verhältnisse zu Postumus angemessenen dichterischgeselligen Erguss, ursprünglich vielleicht in rechter Lustbarkeit mit declamatorischem Effect prosaisch extemporirt, und dann zum Andenken als Ode fixirt. Selbst der so beliebt gewordene Anfang wird nicht leicht anders, als bei geselliger Stimmung angewendet werden. Und so mag denn das Ende vom Liede gewesen sein: „Also lustig, so lang es noch geht! und vor allem des besten Weines nicht geschont und lieb Fräuchen (placens uxor) nicht vergessen!", kurz ein „Gaudeamus igitur". Ueber Postumus nichts Näheres bekannt; jedoch wohl derselbe, dem Propertius eine Elegie (ILI, 10) gewidmet, worin seine Gattin Aelia Galla gepriesen wird, beginnend: „Postume plorantem potuisti linquere Gallam“? (Post. begleitete den Augustus 22 gegen die Parther) und schliessend: „Vincet Penelopes Aelia Galla fidem“.

y. 2. pietas, als das höchste Gegenmittel, durch die Macht der Götter. 8. Geryones (s. Geryon), der dreileibige Fürst bei Gades, dem Herkules die schönen Rinder entführte. Tityos der Verfolger der Latona. 15. autumnos, die heissen Herbsttage, schädlich für die Gesundheit, daher aus der Stadt aufs Land. 18. Danai genus, die 50 Töchter des Danaus, welche ausser Einer gleich nach der Vermählung ihre Gatten ermordeten; sie haben in der Unterwelt ein durchlöchertes Fass zu füllen. 20. Sisyphus, dessen gewälzter Stein immer wieder zurückrollt. 23. invisus, weil auf Gräbern. 28. pontificum, die Pracht der Priester- oder pfer - Mahlzeiten bekannt.

Od. II, 15. Jam pauca aratro. Versmass Alcäisch.

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Die Ode muss man sich concipirt denken in unmittelbarer Anschauung von neuen luxuriösen Bauanlagen mit grossen Wasserpartien und Lustgärten, an Stellen, wo bis dahin Getreide, Oel und Wein gezogen wurde. Dem gegenüber stellt dann der Dichter in der zweiten Hälfte der Ode die gute, einfache, genügsame, patriotische und fromme alte Zeit der Römer.

v. 1. „Auf solche Weise wird für Ackerfeld bald wenig übrig bleiben“. 3. Lucriner See bei Bajä, reich an Fischen und Austern. 4. caelebs im Gegensatze zu Ulmen, mit welchen die umrankenden Weinreben gleichsam vermählt wurden.

6. weil nur für die Nasen da, „all das Nasenzeug“. 8. Anschauliche Scene, wie der frühere Besitzer beim Vorübergehen seines ehemaligen Anbau's und Ertrages gedenkt. 10. ictus die Stiche der Sonnenstrahlen. 11. intonsi s. Od. 1, 12, 41. 13-16. das Privatvermögen war klein; man hatte in den Privatwohnungen noch keine langen Säulenhallen zum kühlenden Aufenthalt. 17. nämlich für Privatwohnungen, gegenüber dem publicus sumptus und dem novum saxum.

Od. II, 16. Otium divos. Versmass Sapphisch. Pompejus Grosphus, an den die Ode gerichtet ist, von dem man übrigens nichts Näheres weiss, erscheint in der vorletzten Strophe als sehr reicher Besitzer in Sicilien; seine Freundschaft mit Horaz bestätigt sich in Epist. I, 12, wo ihn der Dichter dringlichst an Iccius empfiehlt, und zwar, wie es scheint, wegen Vermögensverlegenheiten (so ändern sich die Zeiten, gleich als wenn die Verse 31 u. 32 der Ode auch hiefür eine Art von Ahnung enthielten). Nun mag man sich, um einen lyrischen Standpunkt für die Ode zu fassen, etwa denken, dass der reiche Grosphus in einem Briefe an Horaz viel von seinen belästigenden Geschäften und Obliegenheiten (negotiis) gesprochen und dabei, wie's gewöhnlich geschieht, das Gegentheil, das otium gepriesen und erwünscht, vielleicht gerade dieses Wort öfter gebraucht habe. Da tritt denn dem Dichter in seiner vergnüglichen Stimmung gerade dieses Wort nach seinen verschiedenen Auffassungen mit poetischer Belebtheit entgegen und reicht ihm gleichsam um so einladender die Lyra zur Hand, als er selbst sich so ganz im Genuss des wahren otium befindet. „Ja Ruhe (otium), mein lieber Grosphus, wer verlangt nicht nach ihr? aber die wahre Ruhe hängt nicht von aussen ab, sie muss in der eigenen Brust gesucht werden; denn dort sind ihre zwei Polarfeinde, metus et cupido, die überallhin mit ihren Sorgen und Stürmen folgen, wenn sie nicht überwältigt werden.“ Die Art der Ueberwältigung spricht Str. 7 (v. 25-28) aus,

worauf dann dem überreichen, aber doch immer otiumsfähigen Freunde gleichsam zur nochmaligen Mahnung an das wahre Otium der

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Dichter sich selbst in seinem otium vorführt und lyrisch darein versenkt. Die Ode ist ihrer Natur nach reich an Sentenzen und geht in 5 gleichmässigen Strophenpaaren ihren ruhigen Gang.

v. 2. prensus, vom Sturm; simul, simulac. 6. Medi für Parther. 17. jaculamur, wie unermüdliche Jäger. 21. vitiosa, leidig, widerwärtig. 26. lento, ruhig. 29. Achilles mit kurzem, aber ruhmvollem Leben, Tithonus mit langem, aber verschrumpfendem Leben (zuletzt Heuschrecke).

31. an etwas Bestimmtes braucht hiebei nicht gedacht zu werden; aber als Ahnung s. oben. 33. Die sicilischen Herden waren von Alters berühmt. 38. vgl. Od. IV, 3, 24. — 40. spernere Object zu dedit. Schöne Hebung als fortdauerndes Finale.

Od. II, 17. Çur me querelis. Versmass Alcäisch. Mäcenas hatte vielfach an Fieber und Schlaflosigkeit zu leiden und verfiel daher leicht in hypochondrische Klagen und Todesahnungen, natürlich besonders bei seinem geliebten lebensfrohen Horaz. Hier gibt nun der Dichter ein gewiss ebenso inniges, als jederzeit anwendbares Trostmittel, indem er sich mit Mäcenas identificirt; er sagt nämlich: Wenn du klagen und bangen willst, so kann ich's auch thun, und dann klagen wir beide, und quälen uns gegenseitig; denn wenn du stirbst, so sterb' ich auch, weil ich ohne dich nicht leben kann; auch haben das die Götter deutlich angezeigt, schon durch die Uebereinstimmung der Gestirne, unter welchen wir geboren, so wie durch die gnädige Rettung aus augenscheinlicher Lebensgefahr, wie sie uns beiden zu Theile geworden. Also statt dass wir beide hypochondrisch dem Tode entgegen klagen, wollen wir lieber beide freudig-festliche Dankopfer für die Befreiung vom Tode darbringen"

v. 1. mit herzlich freundschaftlichem Unmuth. 6. wie Od. I, 1, 2 ,0 et praesidium et dulce decus meum.“

7. nec carus nec integer, si superstes sim. 10. Vgl. Epod. I, 1-14.

13. „keine Gewalt kann uns trennen, selbst nicht in der Unterwelt“; die Chimäre am Eingange des Schattenreiches. 16. die Parzen handeln in Uebereinstimmung mit der Gerechtigkeit. 17-25. Die Wage bei Horazens Geburt als Segensgestirn gegenüber dem Scorpion und Steinbock; und bei Mäcenas der Stern Juppiter gegenüber dem Saturn; also bei beiden Schutz gegen Gefahr. – 26. cf. Od. I, 20. 28. Faunus, als Feldgottheit bei dem Baumsturze; Mercur als Dichterpatron.

30. victimas u. aedes, also mit Festgepränge, wie es für Mäcenas geziemte; daneben der genügliche Horaz; beides zusammen ein lebensfrohes Schlussbild der Ode. Od. II, 18. Non ebur. Versmass Hipponacteum II: II

sehr passend für den

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Gehalt der Ode; der erste Vers eine hastige katalektisch trochäische Tetrapodie; der zweite Vers (jambisch; oder trochäisch mit kurzer Anakrusis) beruhigt durch die Thesis am Ende, und durch die (fast immer lange) Thesis beim regelmässigen Wortschluss in der Mitte. Die Ode spricht so wohl die behaglich genügliche, als geistig thätige Zufriedenheit des Dichters aus, gegenüber dem Rennen und Gieren nach Reichthum und Glanz, und versenkt sich am Schlusse in ein ruhiges Erwarten des Allen gemeinsamen Todes. Eine bestimmte äussere Veranlassung der Ode tritt nicht hervor, wohl aber lassen die Verse 10-14, worin der Dichter sein glückliches Stillleben auf dem Sabinum durch nichts geändert wissen möchte, einige besondere Bezüglichkeiten durchfühlen.

v. 1. das mit Gold und Elfenbein getäfelte Plafond; ebur für sich genommen, als elfenbeinenes Geräth, stört die Einheit des Blicks, der durch die marmornen Balken (aus Attika) und die Säulen aus Africa fortgesetzt wird. - 5. neque, gleichsam: „ebenso wenig als ich ein Erbe des Attalus geworden oder als hoher Staatsbeamter von vornehmen Clientinnen Purpurgewänder gesponnen bekomme. 9. an einer andern Stelle heisst es „pietas mea et Musa“, moralisch und geistig; pauperemque etc. ,,dazu oder eben deswegen geliebt und geehrt von Andern, von Vornehmen; was will ich mehr?“ 15. „So geht mir Tag auf Tag, und Monat auf Monat vom flüchtigen Leben dahin, während andere nie zur Ruhe kommen und es treiben, als nähme das Leben kein Endes 18. „nahe dem Tode noch weitschichtige Verdingungen“; sepulcri auch ein domus, concrete Antithese. 20. die luxuriösen Bauten ins Meer hinein.

26. pellitur, vom habgierigen Gläubiger und Besitzherrn (herus v. 32). 34. satelles, Charon. 37. Tantalus, obgleich vorher ein „conviva deorum“ Od. I, 28, 7. 38. levare gegenüber dem coercere, wie pauperem dem superbus Tantalus; aber bei beiden hic, ein und derselbe, damit die Verschiedenheit desto schärfer heraustritt. 40. audit, durch vocatus veranlasst, gleich Topst?l.

Od. II, 19. Bacchum in remotis. Versmass Alcäisch., Das zweite Buch der Oden, vielleicht die mit dem ersten Buche anfangs besonders herausgegebene Sammlung, neigt zum Ende. Darum führt sich der Dichter, wie die Stellung der Ode anzudeuten scheint, noch einmal recht in der Fülle seiner dichterischen Begeisterung vor, mit einem stürmischen Dithyrambus, gleichsam in leibhaftigem Verkehre mit dem begeisternden Gotte und seinen Gefährten, als wollte er unmittelbar zu anschaulicher Wahrheit machen (credite posteri!), was er in der Eingangsode der ganzen Sammlung gesagt (Od. I, 1, 30): „me ge

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