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alles Wißbaren, um so den vollen Begriff und die ganze Stellung des Menschen, seine Ordnung in ihm, und gegen Alles, was ist, ganz und rein zu ermitteln. Nun haben aber sehr wenige Menschen solchen von Natur kräftigen Verstand und solche gute Entwickelungsschule und solche Uebung, und die zu solchen anhaltenden Selbst-, Geschicht- und Naturftudien erforderliche, richtige und reine Geistes- und Gemüth ostimmung, solche hohe Liebe und Begeisterung für die Wahrheit, Wenige die Beharrlichkeit und die Mittel und die Zeit, welche zur Lösung dieser Aufgabe erforderlich sind').

Welche Leidenschaften treiben den Jüngling, welche Sorgen umgeben den Mann, welche Vorurcheile den Greis, von dessen Trägheit, Weitläufigkeit und Ungeschick nichts zu sagen! Wann wäre man von dem, was die reine Wahrheitserkenntniß verhindert, befreit, und wann wüßte man gewiß, daß man davon befreit ist? Wann könnte der Arme, Dienende, wann der Reiche, Herrschende an die gründliche Erforschung gehen? Wie und wann könnten sie wohl fertig werden? Würden nicht Alle den Rand ihres Lebens berührt haben, bevor sie noch recht an den Anfang der Erkenntniß gekommen, von einem vollständigen, gründlichen, zweifellosen Wissen nicht zu reden? Und würden sie ihr Leben nicht zugebracht haben, dasjenige zu suchen, nach welchem sie dasselbe hätten einrichten sollen?

Wenn wir einen Blick in die Geschichte des Menschengeschlechts werfen, so finden wir, wie die Völker, welche die reine Quelle der Offenbarung verlassen hatten, damit auch mit ihrem Denken und Leben sich auf das Gräßlichste verirrten; wie sie den Gestirnen, Elementen, Thieren und Menschen, den Schöpfungen ihrer Phantasie und den Werken ihrer Hände göttliche Verehrung erwiesen; wie sie ihren Göttern ihre Leidenschaften und Laster zulegten, und die Vollbringung der gräulichsten Dinge zum Cultus rechneten. Wenn sich schon hieraus ein höchst ungünstiges Urtheil hinsichtlich der

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Principien der Moral und der Beschaffenheit des Lebens mit Noth»endigkeit ergibt, so findet sich bei einer genauen Betrachtung des öffemlichen und Privatlebens in der Heidenwelt wirklich eine Verdorbenheit, die jede Vorstellung übersteigt'), eine Infamie und eine Monstrosität der Unzucht, deren Mysterien zu enthüllen wir hier billig Anstand nehmen müssen.

Nenn aber zugestanden wird, daß die Menge, das Volk als solches, die Wahrheit zu finden und zur Weisheit sich selbst emporzuschwingen, nicht im Stande ist, so fragt sich weiter, ob nicht einzelne erhabner gestellte und reicher begabte Geister, welche der Wissenschaft und Weisheit eigens obzuliegen berufen sind, als die Freunde und Führer des Menschengeschlechts sich desselben anneh» »en und die Ergebnisse ihrer Anstrengungen und Nachtwachen, die Früchte ihrer tiefen Betrachtungen als ein köstliches Gemeingut zur Benützung nüttheilen konnten; ob nicht die Philosophie der Welt Licht und Heil zu bringen im Stande war? und da muß jeder, welcher die Geschichte der Philosophie kennt, in Beziehung auf die iltern Meister und Schulen eingestehen, daß es ihnen zur Rettung de» Menschengeschlechts auch an Allem gebrach, am Willen, wie an Macht. Sie hatten keine Stellung zum Leben und zum Menschengeschlecht und wollten keine haben, ihre Weisheit sollte nur auf ihre wenigen Eingeweihte sich vererben, dem Volke unzugänglich bleiben. Das von der Philosophie verschmähte Volk vergalt ihr hinwiederum mit Haß und Verachtung. Aber auch nicht auf einige Wenige tonnte die Philosophie einen lebendigen Einfluß üben. Dazu fehlte es den Meistern zu sehr an wirtlicher Neberzeugung, an Einigkeit mit sich selbst und mit andern Meistern, an der erforderlichen Auctorität, an einer — jeden Zweifel ausschließenden, zum lebendigen Handeln treibenden Sanction, an der Kraft, welche sie mit ihren Geboten ihren Anhängern hätten »nttheilen müssen. Und gab es wohl einen Unsinn, welchen nicht einer von diesen Meistern vorzubringen im Stande gewesen

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wäre')? Von den Srätern, welche außer der Offenbarung Weisheit gesuckt, gilt was von den Rettern: die Aerzte liegen selber krank, die Gesellgeber lönnen sich selbst nicht regieren, und die Führer sind in der Irre und im Streite über den Weg. Wem soll die Menschheit folgen? Wie viele gan; unbedeutende, nichtswürdige und verkehrte Wesen bieten sich, je verkehrter, den» zudringlicher, als Führer dar? Gibt es etwas so Abgeschmacktes, daß es nicht von diesen, von welchen das Heil der Menschheit bedingt sevn soll, behauptet worden wäre oder noch bebauvtn »erden möchte? Nie viele sind hier mit dem willkürlichste» Dogmatismus ausgetreten, wie Viele dort in den schaudervollften Scepticismus oder aber in einen ohnmäch» tigen, eben so wenig comnmiiendcn und regulirenden, als confti« tuirten und legulirten Hrincismus geraiben? Und ist bis auf den Tag von der aus und für sich Etwas seyn wollenden Menschenweisheit noch kein die unendliche Entzweiung zu beheben, der Anarchie des Meinens und Sinnens zu steuern vermögendes Mittel aufgefunden, auch keine Hoffnung und Aussicht, dasselbe irgendwie aufzufinden. Ja, ist die Menschenweisheit doch selbst dessen geständig, daß sie noch lange nicht zum Abschluß gekommen ist, und auch noch lange nicht dazu kommen wird. Darum pflanzt sie sich auch nur auf dem Katheder fort, und ist ein Stück der Gelehrsamkeit, für das Leben obne Bedeutung. Gesee« aber, sie hätten Wahrheit gefunden, wie wollten sie derselben durch allgemeine Anerkennung den Charakter der Objectivität, des reinen und absoluten Gedankens, wovon sie so viel reden, verleiben? Wie könnte die Allgemeinheit, selbst wenn das Rothwelsch aus der Sprache verschwunden wäre, sich dieselbe gründlich aneignen, wie sich versichern, daß ihr die Wahrheit ganz und rein geboten »erde? Und hier lehrt das von dem kräftigen, recht entwickelten Verstände und Gemüthe, von dem langen, schweren, Ungewissen Wege Gesagte wiederum zurück. Und geseht, auch dieses wäre, das Voll könnte sich die von Andern zu Tage geförderte Weiebeit »irklich aneignen, »o bliebe die ihren Ideen nothwendige Sancrion, der höbere Charakter der

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Heiligkeit? Könnten und möchten ihre Urheber wohl durch ihre Beweise und durch ihr Leben sie damit umgeben? Und wo wäre dann wieder die Kraft, deren die Menschen zur Vollbringung der Wahrheit bedürften? Oder soll der Schwäche und dem Widerstreite , womit unsere Natur behaftet ist, wohl durch die Unmacht der Ariome nnd kategorischen Imperative mit all den Redensarten von Begriff und Idee abgeholfen werden?

Und zuletzt, wie sollte der Bezug zu Gott zu Stande kommen? Wer kann unser Erkennen, Wollen, Leben zu ihm in Bezug bringen, wenn Er selbst es nicht thut? Wer anders, als er selbst, kann uns m Wahrheit und mit Gewißheit zeigen, was er ist und will, was wir zu hoffen und zu leisten, auf welche Weise wir seine Gnade zu bewahren, die verlorne wieder zu gewinnen haben? Wer anders, als er selbst, kann uns die Kraft geben, das in Bezug auf ibn klar und gewiß Erkannte auch kräftig zu wollen, wer den Handlungen die Energie höhern Lebens, die Form der Heiligkeit und seiner Wohlgefälligkeit verleihen, ewige Belohnung verheißen, »ns die Hoffnung, ohne die kein Leben und Streben, keine Weisveu ist, einflößen? Womit wir den vorhin entwickelten empirischen Beweis von der Nothwendigkeit einer Offenbarung spcculativ er» ga'ntt und absolvirt zu haben glauben.

Anmerkung. Die Offenbarung soll nach den Kantianern das Sittengesetz schützen, heiligen, und umgekehrt stellen sie dann wieder das Sittengesey oben an, lassen die Offenbarung von ihm geschützt und geheiligt weiden. Aus dem Sittengesey entwickeln sie die Idee und Eristen; Gottes, das Sittengesetz ist ihnen also gewisser, und dann soll wieder Gott das Sittengesey wahren und schützen, gewiß machen und halten. Maaß und Kriterien der Offenbarung soll das Sittengesey seyn, und die Offenbarung hinwiederum die authentische Dollmetscherin und die nothwendige Ge«ährleisterin des Sittcngcsetzcs. Gibt es einen fehlerhaftern Zirkel als diesen; gibt es eine Unanständigkeit gleich dieser, Gott mit seiner Offenbarung unter den Menschen mit seiner sogenannten praktischen Vernunft zu degradiren? Derselbe Widerspruch wiederholt sich bei denen, welche die Offenbarung der theoretischen Vernunft dienen lassen. Steht die Vernunft höher, so hat die Offen» barung ihr nichts zu gebieten, steht die Offenbarung höher, so hat die Vernunft sie nicht zu richten, deren Maaß und Grenze festzusetzen. Von mehren protestantischen Theologen wird nach deren confessionellem Standpunkt die Notwendigkeit der Offenbarung aus dem Erlösungsbedürfniß dargethan; das ist eine Einseitigkeit. Nicht bloß für den Menschen als gefallenen, sondern auch für ihn als endlichen ist eine Offenbarung »othwendig.

§. 4. Nothwendigkeit und Weise die Wirklichkeit und den Inhalt der Offenbarung zu erkennen.

Bei Annahme der Möglichkeit der Offenbarung dürfte Niemand sich's erlassen, von ihr nähere Kenntniß zu nehmen, um so weniger also, wenn eine Nothwendigkeit derselben anerkannt werden muß. Auch derjenige, welcher die Meinung hegte, für ihn und andere gleich hoch gestellte Geister sey die Offenbarung nicht wie für die sämmllichen Andern vom eisten Bedürfnis), dürfte es deshalb nicht für vernünftig und recht halten, ihren Inhalt zu ignoriren, weil für jeden Weisen und Tugendhaften eine Offenbarung an die Menschheit eine zu große und erhabene Begebenheit ist, an ihrem Inhalte der respective Grad der Bildung zu bewähren, über die Resultate der Forschungen die nothwendige Probe zu machen, für die Vollständigkeit und Reinheit der Erkenntnis) die nothwendige Gewährschaft und Gewißheit, für die ethischen Grundsätze die höhere Sanction zu suchen ist, endlich weil eben aus der Offenbarung dieses selbst, ob sie für gewisse Bildungsstufen nur, oder aber für alle ohne Ausnahme Gültigkeit und Bedeutung anspricht, ersehen werden muß, damit man nicht aus verschuldeter Unkenntnis) den Willen Gottes unerfüllt lasse. Wie nothwendig es ist, der Thatsache und dem Inhalte der Offenbarung nachzuforschen, so nothwendig ist es auch, denselben in rechter Weise nachzuforschen, ihre Erlenntniß auf dem Wege zu suchen, auf welchem allein dazu zu kommen ist, nämlich auf dem historischen. Da die Offenbarung eine Thatsache, eine ihrer Substanz und Weise nach bei Gottes Machtvollkommenheit und freier Gnädigkeit stehende Thatsache ist. so liegt die Verkehrtheit eines apriorischen Verfahrens klar am Tage. Wie die Offenbarungsthatsache, so ist auch der Offenba«

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